"Nazi"-Sager: Schlagerstar Heino zeigt Jan Delay an

"Nazi"-Sager: Schlagerstar Heino zeigt Jan Delay an

Neuerdings trägt Heino schwarze Rockerkluft, doch den Ruch der Deutschtümelei wird er nicht los. Der Rapper Jan Delay bezeichnet ihn jetzt sogar als "Nazi". Ein Vorwurf, den der 75-jährige Heino nicht auf sich sitzen lassen will. Sein Rechtsanwalt sagt, der Schlagersänger habe Strafanzeige gestellt - wegen des Verdachts der Beleidigung, der üblen Nachrede und Verleumdung.

Im Interview der Zeitung "Die Presse" äußerte sich Delay über Heinos Interpretationen verschiedener Rock- und Popsongs, die er 2013 veröffentlicht hatte. "Alle sagten plötzlich: Ist doch lustig, ist doch Heino. Nee, das ist ein Nazi. Das vergessen die meisten Leute, wenn die Leute über Heino reden", sagt Delay in dem Interview. Eine Retourkutsche? Auf dem Erfolgsalbum "Mit freundlichen Grüßen" hatte Heino auch den Song "Liebes Lied" von Delays früherer Band Absolute Beginner gecovert , genauso wie Songs der Ärzte, von Peter Fox, der Sportfreunde Stiller und von Rammstein. Ohne zu fragen. "Es ist schrecklich wenn so jemand einen Song von Dir singt", sagt Delay. Die Heavy-Metal-Band Rammstein hatte den Coversong mit Humor genommen und sich mit Heino in Wacken auf die Bühne gestellt.

"Schwarzbraun ist die Haselnuss"
Angeblich verschwendet Heino nie Gedanken an politische Dinge. Heino ging es immer um die Karriere - und um die Fans, wie er sagt. Rund 1.000 aufgenommene Lieder, mehr als 50 Millionen verkaufter Tonträger - Heino ist der disziplinierte Arbeiter, scheint unpolitisch.

Der Mann mit blonden Haaren, der Volkslieder singt. Kritiker beschrieben sein Repertoire als deutschtümelnd. Wenn es um Marketing und Aufträge ging, ließ er wenig aus. Zur Zeit der Apartheid sang er vor südafrikanischen Buren "Schwarzbraun ist die Haselnuss". Die Haselnusstorte ist der Klassiker in seinem Café in Bad Münstereifel.

Der SPD-Grande Willy Brandt soll Heino gemocht haben, wie Heino einmal erzählte, aber nur bis der Sänger das Deutschlandlied mit allen drei Strophen für die LP "Lieder aller Deutschen" einsang. Es war eine Auftragsproduktion des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger - er war einst NS-Marinerichter. Die Platte sollte an den Schulen des Landes verteilt werden. Heino hatte später dazu gesagt, Heimatliebe habe seiner Meinung nach nichts mit Nationalismus zu tun.

Bäckerlehrling, Schrottsortierer, Versicherungsvertreter
Wegen der drei Strophen hat Heino auch nie das Bundesverdienstkreuz bekommen. Er selbst hat das nie verstanden. Der Mann, der als Bäckerlehrling, Schrottsortierer und Versicherungsvertreter gearbeitet hatte, sah sich nicht als Rechter: "Im Grunde bin ich Sozialdemokrat." Das nahm ihm die 68er-Szene nicht ab. Dass die ihn in die rechte Ecke stellen wollte, ließ ihn damals angeblich kalt.

„Aushängeschild der deutschen Hässlichkeit”
Es ist eine andere Zeit. Heino ist 75 Jahre alt, hat gerade mit dem Album "Mit freundlichen Grüßen" den größten Coup seiner Karriere gelandet. Seine Fans sind jünger geworden, seine Kritiker härter. Der Frontmann der Toten Hosen, Campino, sagte den Kulturjournalisten: "Ich find' das schon komisch, wie vor allen Dingen das Feuilleton dermaßen unkritisch diese Platte bejubelt und dabei vergisst, dass dieser Mann 30 Jahre lang das Aushängeschild der deutschen Hässlichkeit war."

Deutschrapper Delay, der mit "Hammer & Michel" auf Platz eins der deutschen Album-Charts steht, wollte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag keine Stellungnahme abgeben. Heino schlägt jetzt nach den Nazi-Vorwürfen seines Kollegen andere Töne an. Er wehrt sich mit einer Anzeige gegen die Nazi-Vorwürfe von Delay. Die "Bild-Zeitung" zitierte Heino mit den Worten: "Ich bin in meinem Leben ja schon viel beschimpft und beleidigt worden, aber was sich dieser Herr herausnimmt, ist eine Unverschämtheit."

(APA/Red)