<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Diese Kastanie, ein Gedicht!

Kochen für die NEOS: ein Rezept nach der Melodie des Lebens.

Du bist so prall und so glänzend, so samten und geschmeidig. Die Frucht welches heimischen Laubbaumes wird in diesen wunderschönen Zeilen besungen? Ein kleiner Hinweis: Der Verfasser, NEOS-Chef Matthias Strolz, trug sie, als er nach Tagen innerer Einkehr das Kloster Pernegg verließ, in der Hosentasche. Das hat er der "Kronen Zeitung“ exklusiv verraten. Ich vermute jetzt einmal, Strolz hat einen Baum umarmt, wofür sich dieser bedankte, indem er die Frucht, noch geborgen in Stacheln, fallen ließ, worauf Strolz wiederum es der Frucht schuldig war, seine an sie gerichtete Ode als Leserbrief an die "Kronen Zeitung“ zu senden. Was für ein Einklang mit Natur und Naturgewalt, unterbrochen nur durch Leberwickel, viertelstündiges Auslöffeln eines Glases Gemüsesaft, Einläufe und Im-Kreis-Gehen in den klösterlichen Gärten!

Lassen wir die Katze aus dem Sack. Es handelt sich selbstverständlich um die pralle und glänzende Kastanie, deren Berührung in der Hose Matthias Strolz so liebt, wie er der Reporterin der "Kronen Zeitung“ verriet, die das professionell und ohne zu erröten (es handelt sich um eine ehemalige blaue Pressesprecherin) protokollierte.

Mehr braucht ein Politiker nicht, als einzugestehen, dass ihm nach drei Tagen Fasten mit einer prallen und glänzenden Kastanie in der Hose die Energie einschießt. Von Neid auf die neoliberale Energie zerfressen, verlangte der Wiener ÖVP-Chef Manfred Juracka, man möge ein Betretungsverbot für den Lainzer Tiergarten gegen Strolz erlassen, da dieser den Wildschweinen dort die Nahrung stehlen und in seiner Hose verschwinden lassen würde. Du narrischer Kastanienbaum, da sind zwei aneinander geraten, die sich nicht lange auf politischen Nebenschauplätzen wie Bildung, Ebola und Dschihad-Tourismus aufhalten! Der NEOS-Chef twitterte zurück, dass keine pralle und glänzende Kastanie vor seiner Hose sicher sei, wofür er sich im Lainzer Tiergarten sogar als Wildschwein verkleiden würde. Gute Idee: Wer sich als Politiker an Herrn Bockelmanns 80. Geburtstag schon in einem weißen Bademantel an einem Klavier ablichten ließ, muss sich wirklich etwas einfallen lassen. Man sieht also, dass es durchaus möglich ist, die Melodie seines Lebens zu erkennen, ohne sich den Inhalt eines kolumbianischen Lagerhauses reinzupfeifen, wovon Strolz’ Parteijugend JUNOS gerade träumt. Eine Kastanie in der Hose reicht.

Und dabei fällt sogar für mich noch eine schöne Anregung ab. Ich möchte den NEOS mein Wildschweinragout mit Maroni und Muskatknödeln widmen, wobei es den JUNOS überlassen bleibt, die Muskatnuss-Dosis etwas großzügiger zu gestalten, um ihr psychotropes Potenzial auszuschöpfen. Umsichtige Jäger, die darauf achten, ob sich nicht vielleicht doch ein energiegeladener Politiker unter dem Kleid einer Bache verbirgt, haben das Wildschwein erlegt. Und die Edelkastanien, so prall und glänzend, die tragen wir ohnehin alle in der Hose.

Wildschweinragout mit Maroni und Muskat-Erdäpfel-Knödel

Für 4 Personen: 1 kg Wildschweinfleisch (eher mager: Keule, eher fett: Schopfbraten) in mundgerechte Würfel schneiden und in einem Bräter mit Olivenöl scharf anbraten, dabei salzen und pfeffern. Je 1 Handvoll 1 cm groß geschnittene Karotten- und Selleriewürfel im Bratensatz anrösten und wieder herausnehmen. 3 EL fein gehackte Zwiebel in den Bräter geben, hellbraun rösten, 50 g klein gewürfelten Speck, 1 fein gehackte Knoblauchzehe und das Fleisch dazugeben, mit 1 EL Paradeismark verrühren und ¼ l Rotwein angießen. Den Wein nahezu verkochen, dann ½ l Wildfond oder Rindsuppe angießen. Mit folgenden Zutaten würzen: 1 Sternanis, 1 Lorbeerblatt, 2-3 Zweige Thymian, 2 TL Chipotle-Sauce und 1 daumennagelgroßes Stück Zitronenschale. Bräter verschließen und das Ragout bei 160 Grad im Backrohr ca. 1 ½ Std. schmoren.

Währenddessen 0,5 kg mehlige, weich gekochte Erdäpfel schälen, durchpressen und mit 125 g glattem Mehl, 2 EL Grieß, geriebener Muskatnuss nach Belieben, 1 TL Erdäpfelstärke, Salz und 3 Dottern zu einem Teig kneten. Kleine Knödel formen und in gesalzenem Wasser ca. 20 Min. leicht köcheln lassen.

Bräter aus dem Rohr nehmen und Karotten, Sellerie sowie 250 g gekochte und geschälte Maroni einrühren. 1 TL Erdäpfelstärke mit etwas kaltem Wasser verquirlen und ebenfalls einrühren. Kurz aufkochen und das Ragout noch etwa 15 Min. auf dem Herd heiß ziehen lassen. Mit den Muskatknödeln und gehackter Petersilie anrichten.

klaus.kamolz@profil.at