Neue Alben: Der Nino aus Wien, Mela, The Menzingers

Der Nino aus Wien: Träume

Zwei Alben über Österreich und seine Menschen? Kein Problem, für den Nino aus Wien. Dazu: Cello-Töne, wummernde Beats und immer wieder Philadelphia. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle, Salomea Krobath und Stephan Wabl

Der Nino aus Wien: Bäume / Träume (Problembär/Seayou)

Wer etwas zu sagen hat, der sollte das auch tun: egal, ob es sich dabei um Alltäglichkeiten oder Sinnlosigkeiten handelt, um bloße Kalauer oder Existenzielles. Nino Mandl, wie der Nino aus Wien im richtigen Leben heißt, fasst diese Widersprüchlichkeit von Sinn zu Sinnlosigkeit in seinen zwischen Gitarrenminiaturen, Pop-Hymnen und Wiener Gstanzl-Kultur oszillierenden Lebens- und Überlebenssongs perfekt zusammen. Dass der Nino jetzt Album Nummer fünf und sechs mit einem Schlag veröffentlicht hat, ist nicht bloß reine Koketterie. Auf „Bäume“ finden sich kurze, lyrische Eigensinnigkeiten, die die (Wiener)-Welt zwischen dem Allein-am-Tresen-Sitzen und wahrhaftigem Stammtisch-Existenzialismus zeigt. Auf „Träume“ folgt der Nino seiner Profession als Bandleader und geriert sich mit einer eigenwilligen Version des Bluesrock als österreichische Antwort auf Mark Oliver Everett und seinen Eels. Der Nino aus Wien hat mit „Bäume“ und „Träume“ zwei Alben erschaffen, die das Gefühl dafür verschoben haben, was österreichische Popmusik sein und bedeuten kann. Man sollte ihm dafür danken.
„Bäume“ (9.5/10) , „Träume“ (8.7/10) Ph. D.

The Menzingers: Rented World (Epitaph Records)

Zugegeben: Nach dem grandiosen Album „On the Impossible Past“ (2012), im besten Jawbreaker-Stil der späten 1980er, war es nicht leicht für The Menzingers nun einen würdigen Nachfolger vorzulegen. Denn nach so viel Intensität, rauem Songwriting und kraftvoller Vocals braucht man ein paar Jahre zur Beruhigung. Und so klingen sie dann großteils auch, die zwölf Songs auf „Rented World“: überschaubarer, zurückgelehnter, in Teilen auch leerer. Aber selbst dahinplätschernde Stücke wie „Where Your Heartache Exists“, „Transient Love“ oder „Nothing Feels Good Anymore“ tragen den potentiellen Ausbruch stets in sich - wenn auch klar ist: Er wurde auf später verschoben. Bei den anderen Songs, vor allem „I Don’t Wanna Be An Asshole Anymore“ und „Rodent“, haben sich die vier Herren aus Philadelphia jedoch in bester Menzinger-Manier an den gewohnten Abgrund herangewagt. Gesprungen wird diesmal aber nicht. Das nächste Mal dann bitte aber wieder! (6.8/10) S. W.

The Menzingers spielen am 14.10. in der Arena in Wien und am 15.10. im Explosiv in Graz.

Mela: „Mosquito” (self released)

Mit der Vorabsingle „Mosquito” startet Mela die Veröffentlichung ihrer ersten EP „The Moony Sessions”: Hohe Oberstimmen gesellen sich zu wummernden Beats und schaffen so eine geheimnisvolle Grundstimmung, die den sakralen Alt der Sängerin tragen, während sie das stechfreudige Insekt mit einer alternativen Schöpfungsgeschichte ehrt. Wer hier eine Gruppe eingespielter Musiker vermutet, liegt falsch. Mela ist das Soloprojekt der Wiener Cellistin und Johannes-Brahms Wettbewerbspreisträgerin Marie Spaemann. In den „Moony Sessions” stellt sie die Klassik in den Hintergrund, lässt sich von Popbrisen treiben und die Liebe zu Jazz und Soul durchklingen. Nur mit Hilfe ihres Cellos und einer Loop-Station produziert Mela facettenreiche und abwechslungsreiche Motive, die den Boden für ihre soulige Stimme ebnen. Das Ergebnis: kraftvolle verträumte Klänge mit Gänsehaut- und Ohrwurmpotential. (8.0/10) Sakro

Am 12.6. ist sie im Singer-Songwriter Circus am Spittelberg zu sehen .

profil-Wertung:
Von "0" (absolute Niederlage) bis "10" (Klassiker)

Den Autoren auf Twitter folgen

+++ Bleiben Sie auf dem Laufenden: Melden Sie sich noch heute für den profil-Newsletter an +++