Neue Alben: Mile Me Deaf und Marcus Wiebusch

Von „Wayne's World“ und JUZ-Konzerten stilsicher über die Brücke zu aktuellen Pop-Uneindeutigkeiten und wohklingenden Protestliedern: profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Von Philip Dulle und Stephan Wabl

Mile Me Deaf: Holography (Siluh Records)

Das an „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ angelehnte Platten-Cover von Mile Me Deaf ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern gibt auch einen Einblick in die popkulturelle Sozialisierung von Band-Mastermind Wolfgang Möstl. Zwischen den „Sopranos“, „Married with Children“ und „Wayne's World“ schafft „Holography“ bei aller 90er-Jahre-Verliebtheit (Lo-Fi-Geschrammel, Seattle-Grunge) den Brückenschlag zu aktuellen Pop-Uneindeutigkeiten. Wer diesen Frühling nicht alleine verbringen möchte, wird sich bei Mile Me Deaf in bester Gesellschaft wissen. Zum gemeinsamen Schunkeln und In-der-Sonne-Sitzen. I want to believe. (8.9/10) Ph. D

Marcus Wiebusch: Konfetti (Grand Hotel van Cleef)

Kettcar-Mastermind Marcus Wiebusch hat ein Soloalbum veröffentlicht - das erste, wie sein Plattenlabel schreibt. Ganz richtig ist das natürlich nicht. Denn schon vor 20 Jahren, als Wiebusch noch mit seiner Punkband But Alive von JUZ zu JUZ tingelte, brachte der heute 45-Jährige mit "Hippiekacke" ein Solotape heraus. Und zwischen "Hippiekacke" und "Konfetti" liegt viel Zeit und Platz. Ganz abgelegt hat Wiebusch den JUZ-Geist aber nie - und das hört man "Konfetti" im Vergleich zu den Kettcar-Indiealben deutlich an. Besser gesagt: man spürt es. Denn in den musikalischen Arrangements findet Wiebuschs Unzufriedenheit mit dem Stand der Dinge nur mehr bedingt Platz. In den Texten und in der Haltung lebt der alte Geist jedoch munter fort. "Konfetti", das ist wohlklingender Punk im besten Sinne. (8.2/10) S. W.

profil-Wertung:
Von "0" (absolute Niederlage) bis "10" (Klassiker)

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