Neue Alben: The Tidal Sleep, Shabazz Palaces, Wien Musik und Niels Frevert

Experimenteller HipHop, Post-Hardcore, Singer-Songwritertum und eine Wien-Rundschau: profil unerhört zeigt sich diese Woche so abwechslungsreich wie die aktuelle Wetterlage.

Von Philip Dulle und Stephan Wabl

Wien Musik 2014: Verschiedene Interpreten (Monkey/Hoanzl)

Süßlich und bitter, gmiatlich und lebendig: Die Grundstimmung dieser Stadt in Worte zu fassen, haben schon einige Kapazunder versucht. Unter dem Titel „Wien Musik“ erscheint seit einigen Jahren eine CD-Reihe, die nicht nur der Wiener (und österreichischen) Popwirklichkeit zwischen Müßig Gang, Trio Lepschi und Johann Sebastian Bass eine Bühne bietet, sondern auch die einzigartige Wiener Tonalität widerspiegelt: Es wird gelacht, geraunzt und getrunken – und klingen tut das dann wie ein Zitat von Hans Weigel: „Wien bleibt Wien, und das geschieht ihm ganz recht.“ (8.6/10) Ph. D.

The Tidal Sleep: Vorstellungskraft (This Charming Man Records)

„We do what’s left to do“ heißt es auf dem grandiosen Stück „Angst“, einer wunderbaren Mischung aus „Envy“ und „Explosions in the Sky“, und schreit einem ins Gedächtnis, warum das Post in Post-Hardcore immer noch das beste Post aller Genres ist: treibend, ironiefrei, melodisch, kompromisslos, empathisch, wütend, verausgabend, beruhigend. Einige unangenehme Brocken des Daseins traut sich halt niemand so richtig mit musikalischen Mitteln angreifen. Doch „The Tidal Sleep“ rollen den Stein mit schmerzverzerrtem Gesicht elf Stücke lang weiter und tun, was eben getan werden muss – und das eindrucksvoll. (8.5/10) S. W.

„The Tidal Sleep“ spielen am Sonntag, 3. August, im Bach in Wien .

Shabazz Palaces: Lese Majesty (Sub Pop)

Sphärische Sciene-Fiction-Geräusche, schleppende Dope-Beats, Geschichten von Aliens und Todessternen: Das HipHop-Duo Shabazz Palaces aus Seattle betreibt mit ihrer „Majestätsbeleidigung“ ein Aufbegehren gegen die Mainstream-Sounds der aktuellen Genre-Könige. Dazu dient Ishmael Butler und Tendai "Baba" Maraire ein avantgardistisches Spektakel zwischen Lakonie, feiner Ironie und ausufernden Ambient-Flächen. Das Spiel um den Thron kann beginnen. (7.5/10) Ph. D.

Niels Frevert: Paradies der gefälschten Dinge (Grönland/Wohnzimmer)

Popmusik braucht die großen Momente: Liebe, Wahnsinn, Schmerz und alles was dazwischen liegt. Der Hamburger Singer-Songwriter Niels Frevert widmet sich auf seinem fünften Album „Paradies der gefälschten Dinge“ wieder dem Leben zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. (7.0/10) Ph. D.

profil-Wertung:
Von "0" (absolute Niederlage) bis "10" (Klassiker)

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