Sportdirektor Peter Schöttel, Teamchef Franco Foda

Sportdirektor Peter Schöttel, Teamchef Franco Foda

© APA/BARBARA GINDL

Gesellschaft
04/20/2022

ÖFB: Irrungen und Verwirrungen bei der Teamchef-Suche

Peter Schöttel muss den passenden Teamchef finden – doch er folgt Prinzipien, die wenig schlüssig erscheinen. Vier Thesen des ÖFB-Sportdirektors auf dem Prüfstand.

von Gerald Gossmann

Eigentlich hätte ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel einen Spielstil umreißen sollen – um dann auf die Suche nach dem passenden Teamchef zu gehen. Doch daraus wurde nichts. Es gebe Spieler im Nationalteam-Kader, die unterschiedliche Spielstile beherrschen, erklärte der Sportdirektor. Nun passiert offenbar, was schon vor viereinhalb Jahren zu einer holprigen Trainer-Wahl führte: Damals entwarf Schöttel keine Spielphilosophie – und erwählte drei grundverschiedene Teamchef-Kandidaten. Aus Zeitnot habe Schöttel, damals erst wenige Wochen im Amt, so gehandelt, hieß es. Nun deutet wieder alles auf ein Auswahlprozedere hin, dem die Basis fehlt; nämlich: Wie soll das österreichische Nationalteam eigentlich Fußball spielen? Mit Peter Stöger, Andreas Herzog und Markus Schopp hat der ÖFB-Sportdirektor Gespräche geführt, das bestätigten die drei Kandidaten selbst. Der „Kurier“ verwies auf ein Treffen Schöttels mit dem Ex-Teamchef der Schweiz Vladimir Petkovic. Es sind wieder einmal unterschiedlichste Trainertypen, die Sportdirektor Schöttel da trifft. Welchen Prinzipien folgt der Mann, der die Teamchef-Suche verantwortet – und wie nachvollziehbar sind diese?

Prinzip 1: Ein Spielstil kann nicht definiert werden, weil es Ballbesitz- und Pressing-Spieler im Team gibt.

Einen Spielstil definieren und demnach einen Trainer suchen sei schwer, behauptet Sportdirektor Peter Schöttel. Denn: Es gebe in der Mannschaft eine „Red Bull-Ecke“ (also die Pressing-Spieler) und Vertreter der „Wiener-Schule“ (Ballverliebte).

Doch die Debatte ist irreführend. Denn: Die meisten Teamkicker betreiben bei ihren Klubs angriffigen Pressing-Fußball – oder neigen grundsätzlich dazu. Die Liste ist lang: Stefan Lainer, Martin Hinteregger, Andreas Ulmer, Stefan Posch, Florian Kainz, Christoph Baumgartner, Konrad Laimer, Xaver Schlager, Nicolas Seiwald, Marcel Sabitzer, Karim Onisiwo, Valentino Lazaro, Junior Adamu, usw.

Peter Schöttel nannte bei einem Gespräch mit Journalisten, an dem auch profil teilnahm, explizit David Alaba, Florian Grillitsch, Christoph Baumgartner und Marko Arnautovic als ballverliebte Vertreter der „Wiener Schule“. Die Conclusio des ÖFB-Sportchefs: Wenn die großen Stars wie Alaba und Arnautovic fußballerisch anders ticken als der Rest, könne man das nicht negieren – und folglich offenbar keinen Spielstil festlegen.

Doch Schöttel irrt dabei doppelt.

Irrtum 1: David Alaba beherrscht alle Stilrichtungen. Fakt ist: Er spielte unter Hansi Flick bei Bayern München Pressing-Fußball, gewann damit die Champions League. Alaba ist der Innbegriff eines modernen Verteidigers, der auf dem Feld weit in die Hälfte des Gegners aufrückt, mutig und offensiv agiert. Baumgartner ist ebenso schnell, mutig, neigt zur Attacke, ist dazu technisch versiert. Und Grillitsch eignet sich als perfekter Taktgeber für eine angriffige Spielweise, was er nicht nur im EM-Achtelfinale gegen Italien unter Beweis stellte. Bleibt Marko Arnautovic, der wohl als einziger Teamspieler zur alten Schule der Ballartisten zählt – aber mit seinen 33 Jahren nicht mehr als Fundament für künftige Entwicklungen herhalten sollte.

Philipp Lienhart, David Alaba, Christoph Baumgartner

Irrtum 2: Schöttel unterteilt seinen äußerst homogenen Teamkader irritierenderweise in Pressing- und Ballbesitz-Spieler – und versucht eine unüberwindbare Spaltung herbeizureden, die ihm die Entwicklung einer Spielphilosophie verunmögliche. Dabei vereinen moderne Teams wie FC Salzburg, Bayern München oder RB Leipzig Pressing- und Ballbesitzphasen zu einer erfolgreichen Symbiose.

Ein neuer Teamchef wird beides im Repertoire haben müssen: angriffig ohne Ball und ideenreich mit dem Ball.

Beides war zuletzt nicht ausreichend vorhanden. Spieler wie Laimer, Baumgartner, Kainz, Sabitzer und Lazaro beherrschen giftiges Pressing und den Ballzauber. Bessere Voraussetzungen gibt es für einen Trainer kaum.

Die These, wonach eine Spielweise nicht definiert werden könne, weil es Ballbesitz- und Pressing-Spieler gebe, ist falsch. Ballbesitz- und Pressing-Elemente schließen einander nicht aus. Sie gehören vielmehr zusammen. Das betonte zuletzt auch Teamspieler Stefan Lainer auf profil-Nachfrage: „Das ist ja lächerlich“, es daran festzumachen, dass da zwei Gruppen wären. „Das eine schließt das andere nicht aus.“

Prinzip 2: Red Bull-Fußball kann im Nationalteam nicht umgesetzt werden.

Peter Schöttel behauptet: Red Bull-Fußball sei beim Nationalteam nicht oder nur schwer umzusetzen. Alle Teamchef-Kandidaten, die er zu Gesprächen traf, hätten ihm das bestätigt, berichtet der „Kurier“.

Zur Erklärung: Niemand fordert Red Bull-Fußball. Der Fußballstil der Salzburger wurde in jahrelanger Knochenarbeit entwickelt, ist schwer in kurzen Lehrgängen zu imitieren. Aber deshalb soll mit angriffigen Spielern abwartender Fußball wie zuletzt unter Teamchef Franco Foda aufgeführt werden?

Zur Erklärung: Pressing ist nicht gleich Pressing. Viele Teamkicker spielen in ihren Vereinen unterschiedliche Varianten (was von Sportchef Schöttel gerne als Begründung gegen diesen Spielstil angeführt wird).
Fakt ist: Es gibt Trainer, die auf radikales Pressing setzen (wie der Ex-Salzburg und nunmehrige Leeds United-Coach Jesse Marsch), das den Gegner im eigenen Sechzehnmeter-Raum einschnürt. Andere wollen den Kontrahenten zwar unter Stress setzen, ihn aber zuweilen herauslocken, um dann blitzartig zuzuschlagen. Und dann gibt es jene, die aufgrund der eigenen Favoritenrolle das Spiel mit dem Ball entwickeln müssen – und wie Bayern-Trainer Julian Nagelsmann oder Dortmund-Coach Marco Rose eine Mischung aus beiden Welten ertüfteln. Klar ist: Überall werden andere Automatismen und Pressing-Muster gelehrt. Sprich: Wann greifen wir an? Wo greifen wir an? Wie viele greifen wann und wo an? Das ist Definitionssache – und unterscheidet Pressing-Mannschaften voneinander.

Das heißt aber nicht, dass Pressing-Fußball im Nationalteam nicht funktioniert. Denn: Jede Nationalmannschaft muss Spieler unter einen Hut bringen, die in ihren Vereinen unterschiedlichste Strategien verfolgen. Österreich hat hier sogar einen Vorteil: Die meisten beherrschen Pressing (wenn auch unterschiedliche Ansätze) anstatt wie anderswo vom defensiven Catenaccio bis zum Rambazamba-Fußball alle möglichen Ausprägungen des breiten Repertoires der  Fußball-Taktik.

Sprich: Das Nationalteam in seiner aktuellen Besetzung kann und sollte dominanten Fußball spielen, der sich nach den Stärken der Spieler richtet: nämlich überfallsartig anzugreifen. Das sei auch möglich, betont ein Trainer der Deutschen Bundesliga gegenüber profil. Nicht so ausgefeilt wie im Verein, aber „Automatismen können natürlich eingeübt werden“.

Es wäre absurd, würde ein Haufen angriffiger und mutiger Spieler im Nationalteam nur entgegen ihrer Stärken agieren können.

Der Trainer der Deutschen Bundesliga betont auf profil-Nachfrage: „Mit dieser Mannschaft bietet sich hohes Pressing an“. Das Mittelfeld hat ein Niveau, das man international selten findet. „Lainer, Lazaro, Sabitzer, Laimer, Xaver Schlager, Baumgartner – das sind alles Spieler, die das konstant in der Jugend gelernt haben und bei ihren Mannschaften so spielen. Die haben das instinktiv drinnen.“ Die aktuelle Situation sei „eine fast einmalige Chance für Österreich, eine extrem komplette, moderne Mannschaft aufs Feld zu bringen.“ Diese Spielergeneration beherrsche einen Fußball-Stil, „der sich auf Nationalmannschaftsebene erst durchsetzen wird“, was einen „großen Wettbewerbsvorteil“ bedeuten würde.

Dazu stellt sich die Frage: Warum soll etwas schwieriger zu trainieren sein, das die meisten Spieler in ihren Vereinen praktizieren und zumindest die Basis davon verinnerlicht haben, als etwas, das sie gänzlich neu erlernen müssten?

Die These, wonach „Red Bull-Fußball“ im Nationalteam nicht umgesetzt werden könne, scheitert an der Begrifflichkeit. Es geht hier nicht darum, ob das Salzburger-Modell kopiert werden kann. Es geht um die Grundsatzfrage, ob die Teamspieler (ihrer DNA gemäß) mutig und angriffig auftreten sollen oder abwartend und vorsichtig.

Prinzip 3: Im Nationalteam fehlt die Zeit, um einen Spielstil einzutrainieren.

Es sei „wahnsinnig schwierig, weil du kaum Zeit für Trainingseinheiten hast“, betonte Sportdirektor Peter Schöttel. Das werde auch für den nächsten Teamchef zu einer riesigen Problemstellung. Fakt ist: Die österreichische Nationalmannschaft spielt nicht gegen Vereine, die wesentlich mehr Trainingseinheiten zur Verfügung haben, sondern gegen andere Nationalmannschaften. Für alle gilt dasselbe: wenig Trainingszeit.

Trotzdem schneiden vergleichbare Länder wie die Schweiz oder Dänemark wesentlich erfolgreicher ab als Österreich. Der ÖFB schaffte es in den vergangenen 32 Jahren zu zwei Welt- und drei Europameisterschaften. Die Schweiz nahm im selben Zeitraum an sechs Welt- und vier Europameisterschaften teil, erreichte dabei fünfmal das Achtel, einmal sogar das Viertelfinale. Auch Dänemark nahm sechsmal an Europameisterschaften, viermal an Weltmeisterschaften teil, erreichte dabei dreimal das Achtel-, zweimal das Viertel-, einmal das Halbfinale und wurde einmal gar Europameister.

Auf 320 Millionen Euro Marktwert wurde der österreichische Kader vor der Europameisterschaft geschätzt, damit rangiert man knapp hinter den zehn wertvollsten Teams Europas. In der FIFA-Weltrangliste reicht es aktuell aber bloß für den 34. Platz. Länder mit ähnlich hochwertigen Ressourcen schneiden klar besser ab: Dänemark (310 Millionen Marktwert) liegt auf dem 11. Platz und erreichte das EM-Halbfinale. Die Schweiz (284 Millionen) befindet sich auf Rang 14, stand im EM-Viertelfinale.

Was machen diese Länder also besser, die ähnliche Voraussetzungen wie Österreich mitbringen (Kader-Marktwert, Einwohnerzahl, Legionärsdichte), ebenso wenig Zeit für Trainingseinheiten haben – aber wesentlich mehr Erfolge verbuchen können?

Prinzip 4: Österreich verfügt über keine goldene Generation – und mit David Alaba nur über einen Weltklassespieler.

Peter Schöttel behauptete zuletzt: „Ich würde mir nicht sagen trauen, dass es die beste Generation ist, die wir je hatten. Wir haben einen einzigen, der bei einem Weltklasseverein spielt. Nicht alle haben Schlüsselrollen.“

Bleibt die Frage: Besitzt der österreichische Fußball gar keine goldene Generation? Und was bedeutet der Begriff überhaupt?

In Deutschland oder Brasilien wird eine goldene Generation anderen Ansprüchen gerecht werden müssen, als in Österreich, der Schweiz oder in Dänemark. In Brasilien müsste diese den WM-Titel erringen. Und in Österreich?

Der ÖFB hatte viele Jahre fast keine Legionäre. Schon gar nicht in Topligen. Schon gar keine Leistungsträger. Anfang der 2000er-Jahre hoffte Teamchef Hans Krankl verzweifelt, dass uns Europa bald um Roland Linz (Austria Wien) und Roman Wallner (Rapid Wien) beneiden werde. Daraus wurde nichts. Vereinzelt schafften es heimische Kicker in die Deutsche Bundesliga.

Bei der WM 1998 verfügte Österreich über neun Legionäre in den Top-4-Ligen Europas, bei der EM 2008 über fünf. Nun kann der ÖFB aus 30 Spielern in den besten Ligen der Welt wählen. Die meisten sind Leistungsträger.

Kalajdzic (der in der letzten Saison 16 Treffer für den VfB Stuttgart erzielte) soll laut "Sportbild" bei Bayern München ein Thema sein. Laimer und Schlager werden laut Medienberichten von Borussia Dortmund umworben, Sabitzer von Arsenal London, Seiwald von Bayer Leverkusen. Alaba ist aktuell mit Real Madrid ins Champions League-Halbfinale eingezogen (davor gewann er die Königsklasse zweimal mit Bayern München). Sabitzer führte vor zwei Jahren RB Leipzig als Kapitän ins Champions League-Halbfinale. Arnautovic trifft in der italienischen Serie A regelmäßig, hält bei zwölf Saisontoren. Schlager, Lainer, Ljubicic, Lienhart, Baumgartner, Grillitsch, Laimer, Kainz, Onisiwo, Lazaro, Hinteregger, Gregoritsch, Weimann, Danso, Mwene, Trauner, Arnautovic, Kalajdzic, Sabitzer, Alaba sind Leistungsträger in Topligen. Patrick Wimmer wechselt gerade von Arminia Bielefeld zum VfL Wolfsburg. Sogar der dritte Anzug des ÖFB besteht aus Leistungsträgern der französischen, portugiesischen oder holländischen Liga.

Das ist für hiesige Verhältnisse ein noch nie dagewesener Legionärs-Boom. Österreicher sind dabei keine unscheinbaren Mitläufer, sondern international begehrte Männer.

Österreichs Qualifikations-Gegner Israel verfügt in den Top-4-Ligen Europas über drei Spieler, EM-Viertelfinalist Tschechien über neun, EM-Gegner Ukraine fünf, Vizeweltmeister Kroatien 16. Der Kader von Playoff-Gegner Wales besteht vorwiegend aus Spielern der zweiten englischen Liga. Aus einer zweiten Leistungsstufe hat Österreich nur einen Mann im erweiterten Aufgebot: Andreas Weimann von Bristol City.

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel relativierte zuletzt, Österreich verfüge mit Alaba bloß über einen Spieler bei einem Weltklasseverein. Doch Österreich scheiterte in der WM-Qualifikation nicht an Weltklasse-Gegnern wie Brasilien, Frankreich oder Deutschland – sondern an Israel, Schottland, Dänemark und Wales.

Hätte Österreich zehn Leistungsträger bei Vereinen wie Real Madrid, müsste die ÖFB-Auswahl wohl ein Wörtchen um den WM- oder EM-Titel mitreden. In Österreich erwartet man bloß die Qualifikation.

Während vor fünfzehn Jahren niemand zu träumen wagte, österreichische Spieler bei Bayern München, Real Madrid, in Leipzig, Frankfurt, Wolfsburg, M'Gladbach, bei Feyenoord, PSV Eindhoven, VfB Stuttgart & Co. zu haben - müssen sie nun offenbar allesamt bei Manchester City und Real Madrid spielen, um der Definition "goldene Generation" gerecht zu werden.

Der aktuelle Teamkader wird als goldene Generation bezeichnet, weil dem österreichischen Fußball nie zuvor so viele Stammspieler in Weltligen zur Verfügung gestanden sind – und damit endlich erreicht werden kann (könnte), woran man hierzulande so oft scheitert: nein, nicht der Weltmeister-Titel.

Aber zumindest die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft.

Fazit

Oft gewinnt man derzeit den Eindruck: ÖFB-Vertreter wollen nicht erklären, warum der Verband mit vielen Top-Spielern wenig Erfolg hat – sondern vielmehr, warum diese Top-Spieler gar keine Top-Spieler sind.

Und: Es soll wohl zur unumstößlichen Wahrheit erklärt werden, dass Teamspieler, die bei ihren Vereinen mutig, offensiv und sehr angriffig agieren, im Nationalteam bloß vorsichtigen Schlafwagen-Fußball erlernen können.

David Alaba forderte zuletzt gegenüber „Sky“, man wolle einen Teamchef, der vom „Fußballdenken, irgendwo zu uns passt“. „Wir sind eine Mannschaft, die das Potenzial hat, guten Fußball zu spielen, die qualitativ sehr gut bestückt ist.“ Vom neuen Trainer erwartet er sich, dass dieser „eine Philosophie entwickelt“.

Wer David Alaba kennt und weiß, wie er seine öffentlichen Worte abwägt, wird feststellen: Der Mann, dem von mehreren Weltklasse-Trainern (Guardiola, Heynckes, Ancelotti, Flick) eine hohe Spielintelligenz bescheinigt wurde, übt hier nicht nur subtil Kritik an der Amtszeit von Franco Foda, sondern formuliert auch einen (für seine Verhältnisse) beherzten Hilferuf in Richtung der Entscheidungsträger des ÖFB.

Warum wehrt sich ÖFB-Sportdirektor Schöttel dermaßen gegen ein mutiges Pressing-Spiel? Eine Erklärung wäre: Schöttel und Ex-Teamchef Foda konnten weder als Spieler noch als Trainer Erfahrungen mit mutigem, angriffigem Fußball sammeln. Sprich: Sie können nicht, was aufgrund der Spieler-DNA nun mal gefordert ist.

„Als Verein kannst du dir deine Mannschaft mit dem Stil zusammenstellen, den du sehen möchtest. Das ist bei der Nationalmannschaft nicht so“, erklärte Schöttel kürzlich in einem ORF-Interview. Dann fügte er an: „Bei uns in Österreich ist der Salzburger Einfluss sehr, sehr groß“. Damit meinte er: Viele Spieler beherrschen Pressing, sprich: den radikalen Angriff. Aus Schöttels Mund klang die Homogenität des Kaders aber nicht wie ein Vorteil – sondern wie ein Problem.

Soll Top-Kandidat Peter Stöger (der keine Erfahrung mit Pressing-Fußball hat und diesen nie praktizierte), oder jeder andere nicht kompatible Trainer, nun aber schlüssig als Teamchef argumentiert werden, darf kein Beleg für dessen offensichtlichen Makel im Vordergrund stehen, sondern besser ein Haufen an Gründen dafür, warum Pressing im Nationalteam nicht funktionieren kann.

Wer über ein intaktes Erinnerungsvermögen verfügt, wird feststellen: Die besten Leistungen erbrachte die Nationalmannschaft (wie gegen Italien) immer dann, wenn die Kicker spielten, was sie nun mal gut können: beherzten Pressing-Fußball. Jenen Fußball, den man im Nationalteam, laut Sportdirektor Schöttel, gar nicht recht eintrainieren kann.