Österreichischer Musikvideopreis: Das Beste aus zwei Welten

Österreichischer Musikvideopreis: Das Beste aus zwei Welten

Der Vienna Independent Shorts Filmfestivals zum 2. Mal vergeben. Was ist zu erwarten? Mehr Licht für das Beste aus zwei Welten.

Von Stephan Wabl

Langsam finden sie sich, die neue Generation hiesiger Filmemacher und die zahlreichen wunderbaren heimischen Musikapellen. Es hat ein bisschen gedauert, aber dass sie sich verstehen würden, war eigentlich klar. Zu ähnlich sind die Lebenswelten: viel probieren und herausfinden, FM4-Radio hier, Diagonale-Filmfestival dort, ein bisschen Touren, Gelder aufstellen, neues Album, neuer (Kurz-)Film, weitermachen und davon ausgehen, dass selbst im Falle des Erfolges die Miete nur für wenige Monate gesichert wäre. Im Rampenlicht stehen aber zumeist weder die einen, noch die anderen. Und wenn sich Film und Musik dann endlich einmal zusammentun, sieht es mit der Aufmerksamkeit nicht selten gleich noch um eine Spur düsterer aus.

Mitten in dieser Schnittmenge steht zum Beispiel Florian Pochlatko. Mit seinem Film "Erdbeerland" gewann der junge Regisseur heuer den Österreichischen Filmpreis für den besten Kurzfilm, der Band "Fijuka" bescherte der Grazer Filmemacher letztes Jahr mit dem Musikvideo für die erste Single "Behave" eine maßgeschneiderte Ästhetik für das Pop-Dance-Duo. "Behave" ist eines von 14 Videos, das für den Österreichischen Musikvideopreis nominiert ist, der am Montag im Rahmen des Vienna Independent Shorts Filmfestivals im Wiener Schikaneder vergeben wird (Siehe Infos und Videos am Ende). Ebenfalls Chancen auf den Preis ausrechnen darf sich Andreas Zimmer. Der aus der experimentellen Ecke kommende Regisseur hat den Song "Cold Hands" (Foto) der Indie-Formation "Velojet" visuell interpretiert und gestaltet. profil online hat sich per E-Mail mit dem 30-Jährigen über das Dasein als Musikvideomacher unterhalten. "Velojet" spielen zudem nach der Preisverleihung gemeinsam mit "BRNS" am Karlsplatz live. Gute Gründe, für einen Abend mit ordentlich Licht für das Beste aus diesen zwei Welten.

profil online: Wie bist du künstlerisch an das "Cold Hands"-Video herangegangen?
Andreas Zimmer: Ich fange immer damit an, den Song rauf und runter zu hören. Mindestens zehnmal am Tag. Und dabei fange ich langsam an, Bilder zu sammeln, Skizzen zu machen und Ideen zu notieren. Farben, Stimmung, Tempo und Figuren zeigen anfangs eine Richtung auf, obwohl es noch nichts Konkretes darstellt. Immer im Hinterkopf befindet sich Jacques Rancière mit seinem Werk „Der emanzipierte Zuschauer“, welches für meine Arbeit große Bedeutung hat. Zudem fand auch ein großer Austausch mit der Band statt. So wurde gemeinsam ein Bildstil festgelegt und Szenen wurden in eine grobe Reihenfolge gebracht, um Prioritäten zu definieren. Im Großen und Ganzen war es eine vorwiegend freie Herangehensweise.

profil online: Was macht für dich ein gutes Musivideo aus?
Zimmer: Ein gutes Musikvideo muss zuallererst die Stimmung des Songs vermitteln und zur Band passen, wobei Bild und Ton eine Einheit bilden sollten. Gleichzeitig darf es nicht einfach das Gehörte widerspiegeln. Meistens wird es sogar interessanter, wenn man im Inhalt Kontraste setzt – natürlich­ immer mit Blick auf die passende Stimmung. Desweiteren ist es wichtig, Sachen auszutesten und mit verschiedenen Elementen zu spielen. Dinge zu zeigen, die man so noch nicht gesehen hat. Sei es das Zusammenspiel der einzelnen Elemente, Inhalte oder rein visuellen Elemente.

profil online: Was soll/kann ein Musikvideo im Jahr 2014 überhaupt noch leisten?
Zimmer: Es kann viel leisten, sehr sogar. Videoplattformen sind sehr beliebt, wohingegen klassisches Musikfernsehen eher etwas zurückgeht. Dank der Verbreitung im Internet ist eine große Zuschauerschaft vorhanden. Auch spricht es zunehmend Menschen an, die sich hauptsächlich, manchmal sogar ausschließlich, für das Video interessieren, was wiederum der Musik zugute kommt. Ich glaube, dass große Produktionen nicht mehr die Relevanz haben, die sie früher hatten.
Mit der Leidenschaft, wie man sie von Spike Jonze und Chris Cunningham kannte und kennt, spreche ich dem, was ein Musikvideo leisten kann, viel Potenzial zu. Es ist wichtig offen zu bleiben und Neues auszuprobieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist Vincent Morisset mit seinen interaktiven Videos für Arcade Fire.

profil online: Was hast du von deinen Musikvideos für deine andere filmische Arbeit gelernt?
Zimmer: Oft gibt es die Möglichkeit, bei Musikvideos neue Sachen auszuprobieren und das mache ich sehr gerne. Sei es beim Dreh mit Techniken zu spielen oder Animationen einzubauen, im Schnitt neue Erfahrungen zu sammeln oder auf der inhaltlichen Ebene neue Wege zu beschreiten. Erfahrungen bringen mich weiter, daher ist es wichtig, offen zu bleiben, denn nur so lernt man und die Persönlichkeit kann sich weiter entwickeln.

profil online: Kann sich die Arbeit an Musikvideos finanziell überhaupt irgendwie auszahlen?
Zimmer: Das ist schwer zu beantworten. Besonders bei Musikvideos muss das Ergebnis im Vordergrund stehen. Deshalb geht nahezu das ganze Budget in die Produktion und der Stundensatz ist für jeden Beteiligten viel zu wenig. Hauptsächlich ist es eine Portfolioarbeit, aus der man viel lernt, Kontakte knüpfen kann und Spaß hat. Lieber ein gutes, schönes und interessantes Projekt mit netten Leuten, als Unmut und Ärger für einen finanziellen Erfolg.

profil online: Österreich hat viele gute junge Filmemacher und mittlerweile zahlreiche fabelhafte Bands. Musikvideos bekommen aber so gut wie keine Aufmerksamkeit.
Zimmer: Ich glaube, es ist immer ein Auf und Ab. Musikvideos sind trendabhängig und für mein Empfinden befinden wir uns gerade auf einer Welle nach oben. Wenn man sich mal international umsieht, tauchen fast jeden Tag gute Musikvideos auf, womit dann auch die allgemeine Aufmerksamkeit steigt.

profil online: Unter den 14 Nominierten für den nationalen VIS-Wettbewerb für Musikvideos befindet sich nur eine Frau. Woran liegt das deiner Meinung nach?
Zimmer: Wirklich schwer zu sagen. Tatsächlich kenne ich wenige Frauen, die Musikvideos machen, eher Dokumentationen oder experimentelle Kurzfilme. Woran das liegen mag, kann ich nicht beurteilen, qualitativ gibt es keinen Unterschied, eben nur quantitativ.

Nominiert für den Österreichische Musikvideopreis sind: (Preisverleihung am Montag, 26. Mai um 17:30 Uhr im Schikaneder Kino. Screening Session After Party ab 19:30 Uhr mit Velojet, BRNS und DJ Philipp L'Heritier vor dem "Heuer" am Karlsplatz)

Velojet: Cold Hands (Regie: Andreas Zimmer)

Micro Empire: Micro Empire (Regie: Clemens Wirth)

Fijuka: Behave (Regie: Florian Pochlatko)

Ja, Panik: Libertatia (Regie: Ja, Panik)

Human Shout: Water (Regie: Adrian Herk und Daliah Spiegel)

Farbfilm: Colormovie (Regie: Gero Dennig)

Bilderbuch: Maschin (Regie: Antonin B. Pevny)

Naked Lunch: At the Lovecourt (Regie: Jakob Kubizek)

Austrian Apparel: Wltrm (Regie: Austrian Apparel, Dominik Traun, Sebastian Wasner, Vide_ö

Cinématique: Miasmata (Regie: Daniel Prochaska)

Konea Ra: Boy (Regie: Andreas Waldschütz)

Sex Jams: Junkyard (Regie: Johannes Gierlinger)

Left Boy: Security Check (Regie: Jürgen Hackl)

Kreisky: Selbe Stadt anderer Planet (Regie: Jakob Kubizek)