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Restaurant „Vestibül“: Zwischengerichte zum Hauptspeisen-Preis

Die Wiener-Küche-Ikone „Vestibül“ im Burgtheater stellt sich neu auf – und serviert Edel-Gulasch im Schank-Bereich.

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An der Wiener Ringstraße gibt es dieser Tage ein paar prominente Jubiläen zu feiern: Das Burgtheater begeht seinen 250-jährigen Geburtstag. Danke für die schönen Stunden und alles Gute! Schon zum 225. Geburtstag, also im Jahr 2001, eröffnete Veronika Doppler gemeinsam mit Küchenchef Christian Domschitz in der ehemaligen Theater-VIP-Kutscheneinfahrt des Kaisers das Restaurant „Vestibül“. Domschitz drückte dort der Wiener Küche seinen Stempel auf – sein „Szegediner Hummerkrautfleisch“ ist mindestens in Wien weltberühmt. Mittlerweile ist die Küche aber in der Hand von Christoph Schuch. Vergangene Woche feierte das „Vestibül“ nun ebenfalls 25. Geburtstag.

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Diesen Anlass nutzt das Lokal für einen Neustart: Ab sofort prangt neben dem Schriftzug „Vestibül“ am Eingang der Zusatz „Schank und Tafel“. Weil: Das „Vestibül“, so Doppler in einem erklärenden Instagram-Video zur Neuausrichtung, sei zweifellos prächtig, aber schon auch immer ein Ort der Distanz gewesen: „Diese Distanz wollen wir durchbrechen.“ Darum also die Zweiteilung: Für den „Schank“-Bereich gleich hinterm Eingang ist keine Reservierung notwendig, die Kundschaft möge einfach auf ein Glaserl vorbeikommen, ein paar Snacks bestellen, fertig. „Tafel“ heißt dagegen die bekannte, mit drei Gault-Millau-Hauben ausgezeichnete Wiener-Küche-Ikone im Marmorsaal.

Die Idee ist nicht schlecht. Zumindest ich hätte mich bisher nicht getraut, vor oder nach dem Theaterbesuch einfach so ins „Vestibül“ zu schneien. Das lag allerdings weniger an meiner Angst vor der guten Gesellschaft, sondern schon auch ein bisschen an den Preisen.

Während drüben auf der Burg-Bühne Multitalent Nils Strunk in seiner permanent ausverkauften Adaption den ganzen Kreis von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ ausschreitet, treten in der „Schank“ ebenfalls echte Talente auf. Das Bewusstsein um die performativen Komponenten in einer gelungenen Service-Gast-Beziehung dürfte bei Veronika Doppler durchaus vorhanden sein. Im „Vestibül“ gelingt das alles lehrbuchmäßig perfekt – und beinhaltet zwangsläufig theatrale Züge: Die Teller und Getränke werden förmlich eingestellt, es gibt so was wie Vorlegebesteck, die Dame bekommt zuerst. All das wird im „Vestibül“ aber so gut gespielt, dass es niemals zum absurden Theater verkommt.

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Kulinarisch ist man in der „Schank“ mit kleiner Karte unterwegs: Das sehr solide Tatar (26 Euro, Bild oben) aus Rind und Pilzen marschiert geschmacklich in Richtung Senf, der Gabelbissen (16 Euro, Bild unten) ist wirklich nur ein Snack, dafür aber ein sehr eleganter. Der sonst übliche Matjes wird durch Seeforelle ersetzt, zu etwas Besonderem wird der Teller aber durch das aus Räucherfisch-Karkassen gekochte Gelee – so was gibt’s wirklich nicht überall.

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Beim Gulasch (21 Euro, Bild ganz oben) geht Schuch ebenfalls den Weg der feinen Klinge und greift auf Rindswangerl zurück – vom Zartesten also. Das kleine Wiener Schnitzel (21 Euro) von der Kalbsrose mit Erdäpfelsalat schütten sie hier sowieso aus dem Ärmel.

Zu den mit sechs Euro sportlich bepreisten „Burgtheater-Linzern“ (Bild unten) erzählt der Service eine kleine Geschichte, und zwar mit einer Leidenschaft, wie sie auch Nicholas Ofczarek in der fulminanten Bernhard-Musiktheater-Lesung „Holzfällen“ an den Tag legt: Früher einmal habe es einen unterirdischen Gang zwischen dem Burgtheater und der Hofzuckerbäckerei Demel gegeben. Der k. u. k. Zuckerbäcker formte damals aus Kuchenresten sein Linzer-Gebäck, brachte es über den Gang ins Theater und verkaufte es günstig an die Leute mit den billigen Plätzen. Schuch macht seine Linzer heute sicher nicht aus Resten, aber hinsichtlich der Bepreisung hätte er sich bei den zwei unspektakulär kleinen Dingern ruhig ein bissl mehr am ursprünglichen Gedanken orientieren dürfen.

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Kann die Lockermachung des „Vestibüls“ nun als gelungen bewertet werden? Blickt man auf die Qualität, die Veronika Doppler dort mitsamt Team auch in der „Schank“ auffährt: definitiv. Da passt alles. Doch wenn alles passt, dann kostet das halt auch Geld, und zwar nicht nur den Wirt, sondern auch den Gast. Aber wir sind hier immer noch im Burgtheater, und eine ehemalige Kaiserkutschen-Einfahrt wird wohl niemals ein 08/15-Imbiss sein.

Stimmung: Kaiserlich
Empfehlung: Hingehen, auch wenn kein Theaterbesuch am Plan steht

Vestibül Schank und Tafel
Burgring 2 , 1010 Wien
vestibuel.at
neue Öffnungszeiten ab Mai: Di–Sa 17–24 Uhr

Stephan Graschitz

Stephan Graschitz

ist als Chef vom Dienst bei profil tätig.