Schirmherrschaft: Der Regenschirm als Nahkampfmittel

Schirmherrschaft: Der Regenschirm als Nahkampfmittel

In Hongkong wurde er – tränengasbedingt – gerade zum revolutionären Symbol; in Österreich und Umgebung steht seine große Zeit (aus Witterungsgründen) unmittelbar bevor: Es ist in vielerlei Hinsicht Regenschirm-Saison.

Bei näherer Betrachtung hat der Parapluie sogar das Zeug zu einer Ikone des alltäglichen Mit- beziehungsweise Gegeneinanders. Schönes Beispiel: Hongkongs Twitter-Community verbreitet derzeit Schaubilder zum Einsatz des Regenschirms in Nahkampfsituationen („Umbrella Martial Arts“, siehe Illustration), die einem auch in nasskalten Wiener Begegnungszonen nicht ganz realitätsfern erscheinen. Tatsächlich hat der Regenschirm eine lange Geschichte als Hilfsmittel im Straßenkampf. Erstmals erwähnt wurde er als solches von dem britischen Ingenieur und Asienreisenden Edward William Barton-Wright, der Ende des 19. Jahrhunderts eine japanisch-britische Selbstverteidigungsschule entwickelte („Bartitsu“), in der auch Spazierstöcken und Regenschirmen eine schlagende Bedeutung zukam. Trotz prominenter Fans (selbst Sherlock Holmes gab sich als Bartitsuist zu erkennen) versandete das Interesse an Barton-Wrights Kampfkunst leider schon nach wenigen Jahren. Erst in allerjüngster Zeit wird hie und da wieder an die Gentleman-Kunst der Schirmschlägerei angeknüpft – mit deutlich fortgeschrittenen Mitteln: Der US-Online-Dienst „Real Self Defense“ etwa bietet um schlanke 170 US-Dollar einen stahlverstärkten „Unbreakable Umbrella“ an. Prominenteste Fans laut Hersteller: die Leibwächter des philippinischen Präsidenten.