EUROVISION SONG CONTEST (ESC) 2026: ORF KICK-OFF STRASSENBAHNFAHRT MIT "COSMO" ZUR STADTHALLE: COSMO
Einer muss gewinnen: Der große ESC-Kandidaten-Check
Die offiziellen Favoriten
Harte Spaßkandidaten-Aura, in mehrere Richtungen überdrehter Rap-Techno, Folklore-Einsprengsel, ADHS-Effekte und Faschings-Sonnenbrille. Aber Jurys lieben so was ja.
Akylas: Ferto (Griechenland)
Harte Spaßkandidaten-Aura, in mehrere Richtungen überdrehter Rap-Techno, Folklore-Einsprengsel, ADHS-Effekte und Faschings-Sonnenbrille. Aber Jurys lieben so was ja.
Linda Lampenius und Pete Parkkonen: Liekinheitin (Finnland)
„Liekinheitin“ heißt angeblich „Flammenwerfer“, das muss man glauben. Was man nicht glauben kann: Dieser Song ist der große Favorit bei den Wettanbietern. Frau Lampenius spielt darin sehr unverdrossen im Gegenwind der Bühnenventilatoren die erste Geige in einem ESC-barocken Mini-Musical.
Monroe: Regarde! (Frankreich)
Eine erst 17-jährige JJ-Epigonin aus Frankreich mit US-Wurzeln und leider etwas weniger Zug zum Tor als der österreichische Vorjahressieger; der Sopran sitzt, die Streicher streichen, aber der Spannungsaufbau verläuft dann doch mehrfach ins Leere.
Søren Torpegaard Lund: For Vi Gar Hjem (Dänemark)
Dünner Rosalía-Abklatsch, der auch die Google-KI verwirrt: Sie sortiert den Song in die Genres „German Pop“, „Ukrainian Electro“ und „Musik und Hörspiele für Kinder“ ein. Wobei: Dasselbe Problem hat sie auch mit anderen ESC-Liedern. Also, bevor wir nach Hause gehen – ein schneller dänischer Abgang.
Delta Goodrem: Eclipse (Australien)
Ernsthafte Sieganwärterin. Die YouTube-Experten schreiben schon von „Australiens Céline-Dion-Moment“, da ist was dran. Australien ist heuer zum elften Mal dabei, schickt mit Frau Goodrem eine vielfache Nummer-1-Künstlerin, erfolgreiche Schauspielerin und millionenschwere Kosmetikunternehmerin, die mit einer hochglanzpolierten Powerballade mit Stimmwunder-Refrain und Klavierbegleitung alle wichtigen Checklistenpunkte abhakt. Ja dürfen s’ denn das?
Die wirklichen Hits
Sal da Vinci: Per Sempre Si (Italien)
Im Musikvideo kollidieren Raffaelo-Werbung und Schnauzbart-Klischee, im Song gehen die Ebenen aber doch deutlich raffinierter durcheinander: funky shuffelnde French-Touch-Disco, Traumschiff-Streicher, ein Schmalzgesang de luxe und ein Song-Contest-Hit für die Ewigkeit, wenn die Zeit denn schon wieder reif wäre für so was.
Antigoni: Jalla (Zypern)
Frau Antigoni ist aus London gebürtig, hat griechisch-zyprische Wurzeln und ein Video im Gepäck, das irgendwie alles sagt: Witwen vor Steinhäusern waschen gelben Supersportmaserati, Sängerin tanzt mit Kindern, Pensionisten und Kolleginnen am Tisch, dazu Hüftschwung-Beats mit Mittelmeerbrise. Konsens-Hit, aber was will man eigentlich mehr?
Satoshi: Viva Moldova (Moldawien)
Vlad Sabajuc, Künstlername Satoshi, präsentiert den anscheinend patriotischsten Song dieses ESC-Jahrgangs. Mit Trachten und Formationstanz ist zu rechnen, aber auch mit Folkloreflöten in der Balkan-Beats-Disco. Wenn man sich das genauer anhört, wird man aber merken, dass die Hände ausgestreckt sind: „Saluti a tutti, Moldova is on duty!“ United by Music, so war das gemeint!
Die große Baltikum-Krise
Lion Ceccah: Solo Quiero Mas (Litauen)
So geht Anbiederung: extraklassisch angelegte ESC-Ballade mit Uptempo-Refrain und Textzeilen in Litauisch, Englisch, Französisch UND Spanisch. Das „Hallo Wien!“ wird er sich live wahrscheinlich auch nicht verkneifen können.
Atvara: Ena (Lettland)
Ein Song wie aus der ganz alten Zeit: zu langsam, zu schwulstig, zu viel von zu wenig.
Vanilla Ninja: Too Epic to be True (Estland)
Wohl wahr.
Neues aus der Großraumdisco
Dara: Bangaranga (Bulgarien)
Ein bisschen heiß zusammengestrickt, aber unsere Aufmerksamkeitsspanne hält eh nicht mehr lange: Discobeat mit orientalisch gefärbtem Breakbeatpas-sagen und sehr vielen verschiedenen Tempi; immer mal wieder mitreißend, aber immer nur sekundenweise – und dann ist man schon wieder in einem anderen Film. Insofern postmodern.
Felicia: My System (Schweden)
Laserdance-Show im zeitgenössischen ESC-Stil mit spektakulärem Bassbreak und K-Pop-Stimme. Warum Frau Felicia mit einer glitzernden Mund-Nasen-Schutzmaske auftritt, ist uns nicht bekannt, möglicherweise ist ihr Hit wirklich ansteckend?
Tamara Zivkovic: Nova Zora (Montenegro)
Desperate Housewife in der Revenge-Disco; sie kocht und putzt vor Wut und lässt Ballertechno auf episch ausgewalzte Chöre und dann leider auch auf etwas sehr dick aufgetragene Phrasen treffen. Für die Lichtshow wird man wohl eine Sonnenbrille brauchen.
Alexandra Capitanescu: Choke Me (Rumänien)
Klassischer Song-Contest-Glamour-Metal mit JJ-Kieksern. Frau Capitanescu ist offenbar in einer toxischen Beziehung, wobei die Metapher im Refrain in Richtung „selber schuld“ verschwimmt, was auch schon für die womöglich kalkulierte Aufregung gesorgt hat.
Die Exoten
Bandidos do Cante: Rosa (Portugal)
Alleinstellungsmerkmal: Männerquintett im Dreiteiler. Ein Song wie ein Rausschmeißer. Wird die Stimmung, falls nötig, ordentlich herunterpegeln.
Jonas Lovv: Ya Ya Ya (Norwegen)
Alleinstellungsmerkmal: Gitarrenrock; nicht ganz so mitreißend wie die italienischen Sieger von 2021, Måneskin, aber doch angenehm zupackend. Sollte für etliche Punkte reichen, falls Herrn Lovv die potenziell unwürdige Bühnenshow sowie Frisur und Schnauzer nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Aber man muss Künstler und Haarwuchs trennen können!
Veronica Fusaro: Alice (Schweiz)
Alleinstellungsmerkmal: Rock-Ballade mit Anklängen an Amy Winehouse; thematisch gut angebunden in die heuer erstaunlich große Auswahl an Liedern mit Üble-Beziehung-Motiv, auch hier wird Honey bald schimmlig und die Liebe zum Übergriff.
Aidan: Bella (Malta)
Alleinstellungsmerkmal: sensibler Songwriter. Entwickelt sich im weiteren Verlauf leider in Richtung James-Bond-Titelsong. Und wir sind am Ende mehr geschüttelt als gerührt.
Der Promi
Senhit: Superstar (San Marino)
Seventies-Filterdisco-Track mit Aufruf zur weiblichen Selbstermächtigung und seltsamer Selbstbeschränkung: Der nominelle Superstar dieser Nummer, Boy George, nimmt erstaunlich subtil nur mit ein paar Zeilen in einem späten Refrain teil. Gut ein-, aber stark unterverkauft. Aber vielleicht ist das ja der Schmäh an der Sache?
Der Unsrige
++ HANDOUT ++ EUROVISON SONG CONTEST (ESC) 2026: SHOW "VIENNA CALLING - WER SINGT FÜR ÖSTERREICH?" / COSMÓ
Cosmó: Tanzschein (Österreich)
Theoretisch durchgefallen, bei der praktischen Prüfung aber wahrscheinlich auch für keine Überraschung gut. Immerhin: dank Heimvorteil fix im Finale. Man muss die Geschenke nehmen, wie sie fallen.
Who the f… is Alice?
Alicja: Pray (Polen)
Alleinstellungsmerkmal: famose Soulstimme. Und dann kommt auch noch ein erstaunlich gelungenes Break. Möglicherweise der modernste Song heuer. Die Gefahr lebt, dass sie ihn durch altbackene Ausstattung ruinieren.
Alis: Nan (Albanien)
Bombastische Chöre, blinde Symbolik, ungerechtfertigtes Pathos, mit einem Wort: Gänsehaut (nicht die gute).
Essyla: Dancing on the Ice (Belgien)
Kompakter Dance-Pop mit esoterischem Anhauch und zeitgemäßem Zuschnitt, da will jemand nicht mehr, als er muss, und macht das sehr gut. Großes Kino und garantierter Superhit in den kommenden Remix-Varianten, für den ESC aber womöglich einfach zu cool. Essyla ist übrigens der verkehrt geschriebene Spitzname der Künstlerin, Alice Van Eesbeeck.
Arbeit nervt
Simon: Paloma Rumba (Armenien)
Auch der armenische Teilnehmer steckt in einer toxischen Beziehung, allerdings ist er nicht emotional verstrickt, sondern unglücklich mit seinem Job. Und er macht das in einer Nummer öffentlich, die ungefähr das Gegenteil von Quiet Quitting ist: „Same old place, familiar faces / Copy paste my days / Paloma Rumba, let’s go / Delete my number burn the phone!“
Look Mum No Computer (Großbritannien)
Look Mum No Computer: Eins zwei drei (Großbritannien)
Laut Wikipedia präsentiert der britische ESC-Starter auf seinem YouTube-Kanal selbst gebaute Synthesizer-Konstruktionen, auch sein ESC-Beitrag (Leitmotiv: Büroarbeit) wirkt aus irgendwelchen Elementen zusammengestöpselt: Synthie-Pop mit Eigthies-Flavour, Spaßterror und Siegchancen im unteren Cosmó-Bereich.