The National: Chaotische Tour-Doku "Mistaken for Strangers"

The National: Chaotische Tour-Doku "Mistaken for Strangers"

Wie schafft man das: eine international akklamierte Band monatelang mit der Kamera zu begleiten, die man bestens kennt, weil der eigene Bruder dort als Sänger arbeitet, und sie dabei nicht zu porträtieren?

Regisseur Tom Berninger nimmt als Roadie an der Welttournee der US-Pop-Melancholiker The National teil - und beschließt, seine Eindrücke aufzuzeichnen. Er sieht: Turbulenzen, Tour-Langeweile, sein eigenes Versagen. Und er beginnt sein Verhältnis zum Bruder zu hinterfragen. "Mistaken for Strangers“ ist kein Film über Indie-Rock geworden, auch keiner über den Musikbetrieb. Sogar als Vermessung der Beziehung des Brüderpaars bleibt er karg. Denn Tom Berninger hat nur sich selbst im Blick. Der Kontrast zwischen der Verliererfigur, zu der er sich stilisiert, und dem Erfolgsunternehmen The National ist leidlich amüsant, aber der Versuch des Filmemachers, komisches Potenzial aus seiner künstlerischen Planlosigkeit, seinem Desinteresse an der Band und ihrer Musik zu schlagen, geht nicht auf. Den naheliegenden Gedanken, all das könnte inszeniert sein, verwirft man am Ende schon wegen der wirklich dürftigen Ergebnisse dieser filmischen Reise.

live: The National, 12. 8., Arena, Wien