Tönende Aufrüstung im Strauss-Jahr

Die Osterfestspiele feiern den Komponisten ebenso wie Plattenfirmen und Verlage.

Nicht nur am Strauss-Grals­tempel, der Dresdner Semperoper, wo einst neun der 15 Bühnenwerke uraufgeführt wurden, wird man das Jubiläum mit diversen Premieren und Strauss-Tagen im Herbst begleiten; bei den Salzburger Osterfestspielen (12.–21. April) geht schon am Eröffnungsabend die im November an die Elbe zu übersiedelnde „Arabella“ vom Stapel: Christian Thielemann wird das beste Strauss-Orchester der Welt, die Dresdner Staatskapelle, dirigieren, Renée Fleming und Thomas Hampson geben dabei ein schon etwas angejahrtes Liebespaar. Der französische Cellist Gautier Capuçon wird den „ Don Quixote“ intonieren, unter Leitung Chris-toph Eschenbachs, der darüber hinaus den „Don Juan“ , Salomes Tanz sowie die Mondscheinmusik und das Streichsextett aus „Capriccio“ geben wird. Thielemann soll zudem eine „Rosen­kavalier“ -Walzerfolge, Kammermusikalisches, die „Metamorphosen“ und „Vier letzte Lieder“ mit Anja Harteros dirigieren, die auch die Wolfgang-Rihm-Orchestrierung des allerletzten Strauss-Liedes „Malven“ uraufführen wird.

Die Plattenfirmen und Verlage haben dieser Tage ebenfalls vor allem Straussiana im Angebot. Es gibt naturgemäß viel Wiederveröffentlichtes. So hat etwa die Deutsche Grammophon alle Aufnahmen mit Strauss, der als eminent schneller Dirigent galt, auf sieben CDs versammelt – sowie alle Opern zum absolut empfehlenswerten Würfel gebündelt: nur allererste Ware von Böhm über Solti bis Sinopoli ist dabei, sogar „Guntram“ , Feuersnot“ (als Rarität mit Gundula Janowitz) und „Intermezzo“ sind in diesem Paket enthalten. Bei Warner setzt man einerseits auf den Deluxe-Glanz der Dresdner Staatskapelle mit den Orchesterwerken unter Rudolf Kempe aus den 1970er-Jahren, anderseits hat man den „Unbekannten Strauss“ zusammengefasst, wo sich Kurioses und Köstliches findet, mal choral, mal orchestral, stets hörenswerte Nebenwerke, die bei einem solchen Titanen ihre spezifische Bedeutung haben. Verdienstvolles aus dem Archiv, etwa vom Strauss-Kenner Wolfgang Sawallisch, gibt es zudem in einer CD-Box von Brillant.

Dirigent Neeme Järvi hat sich das einzige große Strauss-Ballett, die üppig-exotische, aber auch ein wenig leer tönende „Josephslegende“ vorgenommen (Chandos). Thomas Hampson wirft einen neuen Blick auf „Notturno“ und andere Lieder (Deutsche Grammophon), und Daniel Harding gibt sich als sportiver Gipfelstürmer in einer frischen Variante der Alpensinfonie mit dem Saito Kinen Orchester (Decca). Simone Kermes singt kammermusikalisch orchestrierte Lieder, allerdings etwas flach, dazu gibt es das frühe und längliche Klavierquartett (Sony). Besonders erfreulich im Strauss-Jahr: „Heimliche Aufforderung“ , die vierte Solo-CD von Christiane Karg; erstmals seit Langem widmet sich hier wieder eine deutsche Sopranistin diesem Meister des Liedes (Berlin Classics).

Und auch zwei neue Strauss-Biografien liegen vor: Eher abzuraten ist von Bryan Gilliams zu pauschalem Lebensabriss „Magier der Töne“ (C. H. Beck). Sehr gelungen hingegen Daniel Enders weit thesenreichere Abhandlung über den „Meister der Inszenierung“ (Böhlau).