Ein Paar, beide mit Gasmasken, in trostloser häuslicher Atmosphäre.
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Auch Rosalía und Taylor Swift singen davon: Liebestorturen mit narzisstischen Partnern. Das kann krank machen. Die Psychotherapeutin Alina Kastner beschreibt in einem neuen Buch, wie man sich aus solchen Beziehungsgefängnissen befreit.

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Sie trägt eine Fechtmontur und erhebt ihren Degen. Im Video zu ihrem Song „La Perla“, in dem sie auch in einem Fatsuit mit Kampfhunden auftritt, therapiert die zurzeit weltweit gefeierte katalanische Sängerin Rosalía ihre Wunden. Sie singt von einem „emotionalen Terroristen, nationalen Herzensbrecher“, der „eine olympische Goldmedaille für den größten Scheißkerl“ trägt und überhaupt „eine rote Flagge auf zwei Beinen“ sei. Fans verorten den Ausgangspunkt für diese musikalische Via dolorosa bei dem puerto-ricanischen Sänger Rauw Alejandro, mit dem Rosalía eine explosive Beziehung führte.

Toxische Liebesbeziehungen, emotionale Abhängigkeiten, Love Bombing, rote Flaggen und die aus deren Nichtbeachtung resultierenden Beziehungsgefängnisse überschwemmen seit geraumer Zeit die Popkultur. Auch Taylor Swift singt in ihrer Signature-Ballade „Cruel Summer“ von toxischen Paradiesen und der gefährlichen Faszination für einen „bad boy/shiny toy“, der sie in ein ungesundes „fever dream high“ katapultiert. Swifties wissen, dass die Inspirationsquelle für den Song ihre Romanze mit dem britischen Schauspieler Joe Alwyn war. 

In Streaming-Hits wie „Stranger Things“ oder „Euphoria“ werfen die Protagonistinnen mit Psycho-Phrasen wie „Achtung, der Typ ist totales Rote-Flaggen-Land!“ oder „Der Dude ist voll am Spektrum, der betreibt manipulatives Breadcrumbing“ um sich. Das Brotgekrümel ist aktueller Psychojargon für die Taktik, Zuwendungen nur in kurzen Intervallen zu verteilen, um jemand am Ball zu halten. Und „das Spektrum“ bezeichnet psycho-umgangssprachlich ein Diagnosefeld, in das ein reiches Repertoire an Persönlichkeitsstörungen fällt, darunter Borderliner, Histrioniker, Soziopathen und Narzissten, wobei letztere Gattung nicht erst seit Donald Trumps erratischer Rocky-Horror-Show im Weißen Haus Weltgeltung hat.

Auf satirischen Instagram-Profilen wie „Brooklyn Coffee Shop“ wird die von Polyamorien, „Situation-ships“, Bindungsparanoia und Hinge-Burnout gezeichnete Generation Z ins Visier genommen. Die mürrische Insta-Barista pfaucht einer verdutzten Klientin zu: „Bitte erzähl mir bloß nichts von deiner healing journey nach einer Beziehung mit einem narzisstischen Langweiler. Ich kann es nicht mehr hören.“

Verdeckte Narzissten

In der kollektiven Wahrnehmung betrifft das Profil des narzisstischen Aggressors meistens Männer. In ihrer praktischen Erfahrung hat sich das in den letzten Jahren aber drastisch gewandelt, erzählt die Beraterin Karin Korntheuer, die eine inzwischen wieder aufgelöste Selbsthilfegruppe für Menschen in destruktiven Beziehungen gegründet hat und aktuell private Klienten betreut: „Vor Corona hatten wir zu 90 Prozent Frauen als Klientel, inzwischen herrscht Gleichstand, wobei Männer hauptsächlich deswegen kommen, weil sie nach einer Trennung ihre Kinder vor einer narzisstischen Mutter schützen wollen.“ Toxische Erfahrungen machen Männer, die ohnehin viel länger brauchen, um Hilfe anzupeilen, allerdings auch häufig „in der Beratungsbubble, denn gerade dort wird von vornherein angenommen, dass sie eigentlich das Täter-Profil tragen und die Frauen die Opfer sind.“

Einen ähnlichen Kritikpunkt äußert auch die deutsche Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki, die sich in zahlreichen Büchern mit narzisstischen Beziehungskonstrukten auseinandersetzte. Im profil-Interview gibt sie sich überzeugt, dass „auch viele Männer unter grandiosen Frauen stehen und entsprechend leiden. Aber es gibt einen großen Unterschied: Männer befreien sich schneller aus solchen Beziehungen und gehen die Dinge sachlicher an.“ Frauen würden sich noch immer „schneller in die Position des Opfers begeben und lassen sich ihren Selbstwert oft so zerstören, dass sie kaum Kraft für Befreiungsstrategien finden“.

Angelika Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort