Sturm-Graz-Spieler genervt nach einer Niederlage im Europacup
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Vom Erfolgsmodell zum Sorgenkind: Was im heimischen Fußball schiefläuft

Der österreichische Klubfußball steckt in der größten Krise seit Jahren. International stürzen die Vereine ab, die Bundesliga wurde zum Schneckenrennen – und das, obwohl die Spitzenteams so viel Geld haben wie nie zuvor. Eine Spurensuche zwischen Planlosigkeit, Provinzialität und Gier.

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Österreichs Klubfußball war einmal gefürchtet in Europa – und das ist gar nicht lange her. 2022 lag die Bundesliga in der UEFA-Rangliste auf dem achten Platz, gleich hinter den großen Fußballnationen. Es war kaum zu glauben: Österreichische Vereine traten nicht mehr wie österreichische Vereine auf, sondern setzten Mannschaften aus Weltligen mit mutigem, angriffigem Fußball unter Druck.

2018 stand Salzburg in einem Europacup-Halbfinale, 2020 der LASK im Achtelfinale, 2024 Rapid Wien im Viertelfinale. In einer nie da gewesenen Art wurden spanische, italienische, deutsche und portugiesische Vereine dominiert.

Die Zeiten sind vorbei. Zuletzt erstarrten die Österreicher wieder vor ihren Gegnern. Vergangenen Herbst konnten die heimischen Europacupstarter Sturm Graz, RB Salzburg und Rapid Wien 18 ihrer 22 Gruppenspiele nicht gewinnen, selbst gegen die Außenseiter aus Craiova, Raków, Budapest und Belgrad war man chancenlos. Rapid belegte mit nur einem Punkt aus sechs Spielen den 36. und letzten Platz in der Conference League, also der dritten europäischen Liga. So schlecht war Österreichs Klubfußball seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Folge: Absturz in der UEFA-Fünfjahreswertung auf Rang 17, das bedeutet künftig auch einen Europacup-Startplatz weniger. Gefürchtet wird man heute nirgendwo.

Die Krise ist auch in der Bundesliga spürbar. An der Spitze gibt es seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen – aber nicht, weil sich die Vereine gegenseitig überbieten, sondern weil sie alle so häufig patzen, dass keiner vorankommt. Seit 15 Jahren hatte kein Tabellenführer zu diesem Zeitpunkt weniger Punkte als heuer der FC Red Bull Salzburg, der erst vor wenigen Tagen seinen Trainer Thomas Letsch hinausgeworfen hat. Salzburgs Glück: Die Konkurrenz schwächelt noch mehr. Rapid hat von den letzten zehn Bundesligapartien nur drei gewonnen, Meister Sturm ist ähnlich unterwegs – auch diese beiden Vereine haben zum Jahreswechsel ihre Trainer gewechselt. Geändert hat sich aber nicht viel.

Österreichs Klubfußball steckt in einer ernsten Krise. Dabei wären die Voraussetzungen so gut wie lange nicht. Die Spitzenteams erwirtschaften Rekordumsätze, spielen großteils in neuen Stadien, landen Millionentransfers. Aber in einer Mischung aus Planlosigkeit, Provinzialität, Ungeduld und Gier wissen sie damit nichts anzufangen.

Gerald Gossmann

Gerald Gossmann

Freier Journalist. Schreibt seit 2015 für profil kritisch und hintergründig über Fußball.