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Titelgeschichte
08/28/2021

Warum es so schwierig ist, sich zu entschuldigen (vor allem für Politiker)

Warum sich Politiker bei der Fehlereinsicht besonders schwertun – und wie die sozialen Medien unsere Schuld-Kultur beeinflussen. [E-Paper]

von Angelika Hager, Sebastian Hofer, Christa Zöchling

Heiko Maas hat es getan. Es war nicht unbedingt zu erwarten. Andere in seiner Position hätten es nicht getan, weil sie so etwas aus Prinzip nicht tun. Heiko Maas hat einen Fehler eingestanden und sich öffentlich dafür entschuldigt. Es gebe „nichts zu beschönigen“, erklärte der deutsche Außenminister bei einer Pressekonferenz am 16. August mit Blick auf die Entwicklung in Afghanistan: „Wir alle haben die Lage falsch eingeschätzt“, also „gebietet es auch die Ehrlichkeit, das in aller Form so einzugestehen.“

Noch unverblümter gestand die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in diesen Tagen eigene Fehler ein. Sie kündigte sogar persönliche Konsequenzen an: „Was immer da vor Ort passiert: Ich halte den Kopf hin.“ Wenn die Mission in Afghanistan zu Ende sei, „werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe, welcher Verantwortung ich gerecht geworden bin, wo vielleicht auch nicht, und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss“.

Ähnlich deutlich war zuletzt nur die deutsche Kanzlerin. Ganz allein ihr Fehler sei das Chaos um die Osterruhe gewesen, so Angela Merkel im März, „denn am Ende trage ich für alles die letzte Verantwortung. Qua Amt ist das so, also auch für die am Montag getroffene Entscheidung zur sogenannten Osterruhe.

Und es ist mir wichtig, das auch hier zu sagen: Ein Fehler muss als Fehler benannt werden, und vor allem muss er korrigiert werden, und wenn möglich hat das noch rechtzeitig zu geschehen. Gleichwohl weiß ich natürlich, dass dieser gesamte Vorgang zusätzliche Verunsicherung auslöst. Das bedauere ich zutiefst, und dafür bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung.“ Klare Worte. Eindringlich formuliert, glaubwürdig vorgetragen. Also durch und durch ungewöhnlich. Man kennt so was nicht, vor allem nicht in Österreich. Aber bricht da vielleicht gerade ein neues Zeitalter der politischen Fehlerkultur an? Oder steckt bloß Kalkül dahinter? Entwaffnende Ehrlichkeit? Zweifel erscheinen angebracht. Denn Entschuldigungen sind immer heikel, in der Politik können sie tödlich sein. Die öffentliche Meinung ist unerbittlich. Im Prinzip vom Wähler erwünscht, werden sie in der Realität doch sehr schnell als Schwäche ausgelegt.

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