Warum Männer Handtaschen so albern finden

Warum Männer Handtaschen so albern finden

Gut gehalten: Warum Männer Handtaschen so albern finden und was das mit Demenz zu tun hat: eine Kulturgeschichte der Handtasche in drei Punkten.

1. Handtasche heißt Privatsphäre.

Handtaschen im modernen Sinn entstanden im späten 19. Jahrhundert parallel zum Aufkommen der Eisenbahnreise. Frauen verfügten damit erstmals effektiv über eigenes, privates Gepäck und, noch wichtiger, über ein für den Ehegatten uneinsichtbares Gefäß. Die Handtasche war zwar noch kein Zimmer für sich selbst, aber immerhin ein kleines Stück Privatsphäre. Dem ausgesperrten Mann blieb nichts anderes übrig, als sich darüber lustig zu machen. Wenn Männer über Handtaschen und das mutmaßliche Chaos darin lachen, kompensieren sie also mutmaßlich die verlorene Ordnung des Patriarchats.

2. Handtaschen zeigen Status und stecken Claims ab.

Bestes Beispiel: Margret Thatchers ikonische Ferragamo-Bags oder Angela Merkels Longchamp-Shopper. Die britische Premierministerin bezeichnete ihre Handtasche als ihren "treuen Gefährten“ und machte "handbagging“ zu einem vom Oxford Dictionary anerkannten Verb*; die deutsche Kanzlerin nutzt ihre Tasche bei Bundestagssitzungen gern demonstrativ, um ein Revier zu markieren (durch offensives Hinstellen) oder Desinteresse zu signalisieren (durch exzessives Herumkramen).

3. Handtaschen werden Teil des Selbst.

Ganz konkret zeigt sich das zum Beispiel in der Demenzforschung. Für weibliche Patienten in Pflegeheimen wird die Handtasche demnach häufig zum wichtigsten Baustein der eigenen, immer flüchtigeren Person und zu einem letzten greifbaren Behälter für Erinnerungen. Witze über nicht auffindbare Schminkspiegel sind nicht nur in diesem Fall unangebracht.

* Thatcher selbst formulierte es einmal so: "Natürlich bin ich bei der Verteidigung unserer Freiheiten und Rechte sehr starrsinnig. Darum trage ich auch eine große Handtasche.“