Was wurde eigentlich aus den Fußballern der Heim-Euro 2008?

Ivica Vastic hielt die österreichischen Hoffnungen mit seinem Tor 2008 kurz am Leben

Ivica Vastic hielt die österreichischen Hoffnungen mit seinem Tor 2008 kurz am Leben

Immerhin: Einmal war Österreich bisher bei einer Fußball-Europameisterschaft dabei. Das ist noch gar nicht so lange her und war zuhause in Österreich und in der Schweiz. Doch was machen die heimischen EURO-Kicker aus dem Jahr 2008 eigentlich heute?

Ruhmreich war das Auftreten bei der bisher einzigen EURO-Teilnahme 2008 nicht. Drei Spiele, ein Punkt, ein Tor. Aus in der Vorrunde. Aber die Zeiten waren - so fair muss man sein - vor acht Jahren unter Teamchef Josef Hickersberger auch andere. Doch wenn man genau hinsieht, sind erste Anzeichen für den aktuellen Erfolg des Nationalteams bereits erkennbar. Manche Spieler, die heute Führungsrollen einnehmen, waren damals schon dabei. Von anderen kennt man heute allerdings kaum mehr die Namen. Schauen wir uns also einmal an, knapp drei Monate vor Beginn der EURO 2016, was aus den Teamspielern von damals geworden ist. Kleiner Hinweis: Trafikant oder Tankstellenpächter ist keiner von ihnen.

Tormänner

Jürgen Macho
Der Wiener bekam für die Heim-EM knapp den Vorzug gegenüber Alexander Manninger und spielte damals bei AEK Athen. Ein Jahr nach der EURO wechselte er zum LASK, danach ging es noch einmal für zwei Jahre zurück nach Athen, bevor er bei der Admira im Jahr 2013 seine Karriere beendete. Heute ist der 38-Jährige Tormanntrainer beim First Vienna FC in der Regionalliga Ost.

Alexander Manninger
Der damalige Italienlegionär und "Edelreservist" kam bei der EURO 2008 zwar nicht zum Einsatz, erlebte allerdings nach vier Jahren mit Juventus Turin nach seinem Wechsel zum FC Augsburg im Winter 2012 einen zweiten Frühling. Der Salzburger war mitverantwortlich dafür, dass sein Klub nicht aus der Bundesliga abstieg. Mittlerweile wieder zum Ersatzmann degradiert, ist der 38-Jährige der älteste Spieler der laufenden Bundesligasaison.

Ramazan Özcan
"Rambo" schaffte 2008 mit Hoffenheim den Aufstieg in die deutsche Bundesliga, mittlerweile hat er sich bei Liganeuling Ingolstadt als Nummer eins etabliert. Im Nationalteam ist der 31-jährige Vorarlberger aber nach wie vor nur Ersatzmann hinter Robert Almer.

So war das damals: Erwin Hoffer, Martin Harnik, Ronald Gercaliu, Juergen Saeumel, Roland Linz, Ivica Vastic und Gyoergy Garics.(m.v.l.) Konditionstrainer Roger Spry, Teammanager Andreas Herzog, Andreas Ivanschitz, Emanuel Pogatetz, Juergen Patocka, Roman Kienast, Teamchef Josef Hickersberger, Martin Stranzl, Sebastian Proedl, Rene Aufhauser, Tormanntrainer Klaus Lindenberger und Co-Trainer Peter Persidis.(v.v.l.) Joachim Standfest, Martin Hiden, Markus Katzer, Alexander Manninger, Juergen Macho, Ramazan Oezcan, Christian Fuchs, Uemit Korkmaz und Christoph Leitgeb

So war das damals: Erwin Hoffer, Martin Harnik, Ronald Gercaliu, Juergen Saeumel, Roland Linz, Ivica Vastic und Gyoergy Garics.(m.v.l.) Konditionstrainer Roger Spry, Teammanager Andreas Herzog, Andreas Ivanschitz, Emanuel Pogatetz, Juergen Patocka, Roman Kienast, Teamchef Josef Hickersberger, Martin Stranzl, Sebastian Proedl, Rene Aufhauser, Tormanntrainer Klaus Lindenberger und Co-Trainer Peter Persidis.(v.v.l.) Joachim Standfest, Martin Hiden, Markus Katzer, Alexander Manninger, Juergen Macho, Ramazan Oezcan, Christian Fuchs, Uemit Korkmaz und Christoph Leitgeb

Verteidigung

György Garics
Rackerte sich damals bei Napoli ab und spielt derzeit für den deutschen Bundesligisten Darmstadt. Der 32-Jährige ist einer von fünf damaligen EM-Teilnehmern, die auch im Kader für die EURO 2016 stehen.

Ronald Gërçaliu
Der in Albanien geborene Teamkicker spielte damals bei der Austria, kam bei der Heim-EM im Eröffnungsspiel gegen Kroatien immerhin 69 Minuten zum Einsatz, nach der EM ging es mit seiner Karriere jedoch stetig bergab. Nach wenig Spieleinsätzen in Deutschland, Polen und Rumänien, kehrte der heute 30-Jährige kurz in die heimische Liga zu Altach zurück. Derzeit spielt er wieder in seiner Geburtsstadt Tirana in Albanien.

Martin Hiden
Wie es der damals 35-Jährige in Kader geschafft hat, weiß wohl niemand so genau. Beim mittlerweile aufgelösten FK Austria Kärnten unter Vertrag, spielte Hiden immerhin als zweitälterster ÖFB-Kicker im dritten Vorrundenspiel gegen Deutschland. Geholfen hat es leider auch nichts. Aktuell ist der 43-Jährige Co-Trainer von Peter Schöttel beim SV Grödig.

Markus Katzer
Der langjährige Rapid-Verteidiger spielte nach fast zehn Jahren bei den Grün-Weißen noch zwei Jahre bei der Admira in der Bundesliga. Seit der Saison 2015/16 versucht der 36-Jährige mit der Vienna den Titel in der Regionalliga Ost zu holen.

So wie es ausschaut, so ging es auch aus: Ersatzbank mit Juergen Patocka, Uemit Korkmaz , Erwin Hoffer, Christian Fuchs, Alexander Manninger und Ramazan Oezcan (v.l.n.r.) beim Spiel Österreich gegen Kroatien

So wie es ausschaut, so ging es auch aus: Ersatzbank mit Juergen Patocka, Uemit Korkmaz , Erwin Hoffer, Christian Fuchs, Alexander Manninger und Ramazan Oezcan (v.l.n.r.) beim Spiel Österreich gegen Kroatien

Jürgen Patocka
Der Rapidler war in keinem der drei EM-Spiele am Platz, seine Teamkarriere dauerte auch nur fünf Spiele an. Nach Rapid ging es noch von 2012 bis 2014 zur Austria Lustenau. Derzeit ist der 38-Jährige Spielertrainer beim FC Egg in der Vorarlberger Landesliga.

Emanuel Pogatetz
Hatte damals beim Middlesbrough FC wohl seine beste Zeit, nach Stationen in Deutschland (Wolfsburg, Hannover, Nürnberg) und den USA (Columbus Crew), spielt der 33-Jährige momentan bei Union Berlin der 2.Bundesliga. Seine Teamkarriere ist aber noch nicht ganz Geschichte. "Pogerl" steht derzeit auf Abruf für das Nationalteam.

Sebastian Prödl
Der Steirer erlebte nach der EM seinen internationalen Durchbruch bei Werder Bremen, zu Beginn der Saison 2015/2016 wechselte der 28-Jährige in die Premier League zum FC Watford. Prödl steht derzeit - vorwiegend als Backup - im Aufgebot für die EM 2016 in Frankreich.

Martin Stranzl
Damals bei Spartak Moskau unter Vertrag, beendete der Burgenländer wegen unterschiedlicher Auffassungen mit Didi Constantini seine Teamkarriere im Jahr 2009. Nach seinem Wechsel zur Winterpause 2010/11 in die deutsche Bundesliga, bewahrte Stranzl Borussia Mönchengladbach vor dem Abstieg und schaffte in der Folge sogar den Sprung in die Champions League. Vor kurzem kündigte Stranzl an, mit Ende der Saison seine Profikarriere bei Mönchengladbach zu beenden.

Mittelfeld

René Aufhauser
Hatte damals mit Red Bull Salzburg seine beste Zeit, bei der Heim-EM schenkte er Gegner Kroatien jedoch nach wenigen Minuten gleich einen Elfmeter. Heute ist der 39-Jährige Co-Trainer von Óscar García bei Red Bull Salzburg.

Christian Fuchs
Kämpfte damals mit dem SV Mattersburg gegen den Abstieg, mittlerweile spielt er mit Leicester City um den Titel in der Premier League und ist Kapitän der Nationalmannschaft.

Wahre Freunde erkennst du in schwierigen Zeiten: Juergen Säumel und Emanuel Pogatetz lernten sich bei der EURO besser kennen

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Martin Harnik
Zur Zeit der EM 2008 noch für Werder Bremen aktiv, spielt der 28-Jährige mit dem Vfb Stuttgart beinahe jedes Jahr gegen den Abstieg in der deutschen Bundesliga - aktuell gar nur in der Reservistenrolle.

Andreas Ivanschitz
Erlebte ein Jahr nach der EM mit dem FSV Mainz 05 einen zweiten Frühling. Nach zwei Jahren für Levante UD in Spanien spielt der 32-Jährige mittlerweile in den USA in Seattle. Ivanschitz, der unter Hans Krankl zum jüngsten Teamkapitän gemacht wurde, steht unter Marcel Koller auf Abruf für die Nationalmannschaft.

Ümit Korkmaz
Galt als das große Talent bei der EURO und wechselte kurz danach zu Eintracht Frankfurt. Aufgrund zahlreicher Verletzungen konnte sich der heute 30-Jährige allerdings nie ganz durchsetzen. Seit 2014 spielt Korkmaz bei Çaykur Rizespor in der ersten türkischen Liga.

Christoph Leitgeb
Seit fast zehn Jahren bei Red Bull Sazlburg, gelang dem talentierten Leitgeb nie der Sprung in eine ausländische Spitzenliga. In den letzten Jahren von Verletzungen geplagt, schaffte der 30-Jährige zuletzt nicht einmal mehr den Sprung in den erweiterten Teamkader.

Das erste und bisher einzige und letzte Tor: Ivica Vastic trifft per Elfmeter zum 1:1 gegen Polen

Jürgen Säumel
Versuchte es nach der EM mit durchwachsenem Erfolg in Italien beim FC Turin und bei Brescia Calcio, kehrte zurück zu Sturm und wechselte 2014 zu Wacker Innsbruck, wo er immerhin erfolgreich den Abstieg verhindern konnte.

Joachim Standfest
Spielte im EM-Auftaktspiel gegen Kroatien immerhin über 90 Minuten, danach gab es keine Einsatzzeit mehr für den Steirer. Nach der EM ging Standfest zurück in die Steiermark zu Sturm, holte mit den Grazern den Titel und erlebte in den letzten zwei Jahren einen schönen Karriereherbst beim Wolfsberger AC.

Erwin Hoffer
Die "laufende Handgranate" (Didi Constantini) galt ein Jahr nach der EM mit seinem Transfer von Rapid zum SSC Neapel als große Hoffnung, konnte sich aber nicht durchsetzen und landete nach einigen Stationen in Deutschland 2015 in der 2. Liga beim Karlsruher SC. In der Hinrunde schaffte es der 28-Jährige jedoch nur auf neun Einsätze und drei Tore.

Roman Kienast
Spielte damals bei Ham-Kam in der norwegischen Liga, kehrte 2010 nach Österreich zu Sturm Graz zurück und schießt nach einem Wechsel zur Austria mittlerweile wieder für die Grazer brav Tore. Für die EM in Frankreich dürfte es trotzdem für den 31-Jährigen nicht reichen.

Hötte sich am liebsten wohl selbst eingewechselt: Teamchef Josef Hickersberger

Hötte sich am liebsten wohl selbst eingewechselt: Teamchef Josef Hickersberger

Roland Linz
War damals mit Sporting Braga am Höhenpunkt seiner Karriere. Danach kam allerdings nicht mehr viel. Versuchte es nach einem Ausflug nach Thailand noch einmal in Portugal, seit Sommer 2014 ist der 34-Jährige allerdings vereinslos.

Ivica Vastić
Der damals 38-Jährige wurde noch einmal in den Kader berufen und erzielte aus einem Elfmeter das bisher einzige EM-Tor einer österreichischen Nationalmannschaft. Seine erste große Trainerstation bei Austria Wien endete unglücklich nach wenigen Monaten, mittlerweile hat sich Vastić mit dem SV Mattersburg in der Bundesliga etabliert.

Trainer

Josef Hickersberger
"Pepi Nationale" verabschiedete sich nach der EM in die Wüste und trainierte Al-Wahda in Abu Dhabi. Mit Sommer 2013 hat der heute 68-Jährige seine Trainerkarriere beendet.