Josef Pröll und Ralf Rangnick: Heikle Vertragsverhandlungen
Josef Pröll und Ralf Rangnick
Wie ÖFB-Funktionäre die Rangnick-Verlängerung bremsen
Bleibt Ralf Rangnick beim ÖFB? Fakt ist: Nach der WM im Juli läuft sein Vertrag aus. Deshalb hat ÖFB-Boss Josef Pröll vergangenen Freitag das Thema im Aufsichtsrat angesprochen – und damit eine heftige Diskussion entfacht. Das Ergebnis: Laut profil-Informationen steht die Mehrheit der Funktionäre auf der Bremse.
Erfolgs-Teamchef Rangnick ist eigentlich ein Glücksfall für den ÖFB. Während unter seinem Vorgänger Franco Foda aufgrund des langweiligen Spielstils die Zuschauer ausblieben, sind die Stadien unter Rangnick voll. Dazu hat er das EM-Achtelfinale 2024 erreicht und Österreich erstmals seit 28 Jahren zu einer WM-Endrunde geführt. Das alles spielt Millionen in die ÖFB-Kassen. Zuletzt wurde ein Rekordumsatz von 70 Millionen Euro verbucht.
Die geplante Rangnick-Verlängerung sei „nicht auf der Tagesordnung“ gestanden, erklärt ein Aufsichtsrat gegenüber profil. „Wir wurden davon überrascht und können nicht einfach Ja und Amen sagen.“
profil-Recherchen zeigen, dass es im größten Sportverband des Landes wieder einmal um Geld, Einfluss, persönliche Interessen und den (nicht bei allen Aufsichtsräten beliebten) Reformeifer des Deutschen geht.
Eigentlich sollte die ehrenamtliche Männerrunde nach der ÖFB-Strukturreform in den Hintergrund treten. Das Präsidium – bestehend aus neun Landesverbandspräsidenten, dem ÖFB-Boss und drei Bundesligavertretern – wurde zum Aufsichtsrat umgetauft. Künftig, so wurde feierlich erklärt, würden Hauptamtliche den größten Sportverband des Landes managen und die Ehrenamtlichen große Entscheidungen bloß noch absegnen.
Gespräch zwischen Pröll und Rangnick
„Das ist, wie man sieht, nicht der Fall“, sagt ein Aufsichtsrat zu profil. ÖFB-Boss Pröll hat die Sache selbst in die Hand genommen. Während der WM-Auslosung Anfang Dezember in den USA hat er mit Rangnick eine Stunde lang über eine Vertragsverlängerung gesprochen.
Pröll kommt im ÖFB eine wichtige Rolle zu. In den letzten Jahren dominierten Zwistigkeiten zwischen Rangnick und Funktionären; wobei es auch um die Verteilung der ÖFB-Gelder ging. Welche Mittel bekommt Rangnick fürs Nationalteam? Was fließt in die Landesverbände und zur Bundesliga? Rangnick beharrte darauf, dass Entscheidungen nach professionellen Kriterien gefällt werden, nicht nach persönlichen Interessen.
Pröll sollte den Laden – mit dem Nimbus des ehemaligen Vizekanzlers und viel Erfahrung mit Föderalismus – einen. Er suchte das Gespräch zu Rangnick, zu den Landesfürsten – und gab nach außen eine staatsmännische Figur ab. Recht stolz erwähnte er zwischen den Zeilen, dass die Funktionärsriege seit seinem Amtsantritt im Herbst wesentlich stiller und unaufgeregter agiere. Ganz anders als in den Jahren davor, als die Männer sich immer und überall zu Wort meldeten, Querschüsse lieferten und untereinander Streit hatten.
Streitpunkt Gehalt?
Die anstehende Rangnick-Verlängerung zeigt, dass sich aber wenig geändert hat. Bliebe das Gehalt des Teamchefs unverändert, so betonen mehrere Landespräsidenten gegenüber profil, würde man einer Verlängerung sofort zustimmen. „Ansonsten ist es schwierig.“ Und der steirische Vertreter Wolfgang Bartosch erklärte vor wenigen Tagen im „Kurier“, dass ein Österreicher dem Verband „viel billiger“ kommen würde.
In Rangnicks Umfeld nimmt man die erneuten Spitzen mit Staunen zur Kenntnis. Der Deutsche war für den ÖFB bei seiner Verpflichtung im Mai 2022 ein Schnäppchen – er verdient etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr, so viel wie sein Vorgänger Foda, was im Fußballgeschäft für einen Kapazunder nicht viel ist. Dazu gab Rangnick im Mai 2024 dem FC Bayern einen Korb, der ihm ein Vielfaches geboten hätte – und hielt dem ÖFB die Treue.
Nun scheint das vergessen. Im Hintergrund kämpfen mehrere Aufsichtsräte um ihren Vorteil. Etwa die Vertreter der Bundesliga, die sich in finanziellen Nöten befindet und für ihre TV-Rechte künftig acht Millionen Euro (!) weniger erhalten.