„Zulu”: Testosteron-Trip mit Orlando Bloom

„Zulu”: Testosteron-Trip mit Orlando Bloom

In Jérôme Salles frivolem Südafrika-Reißer „Zulu” wird die Geschichte der Apartheid zum Hintergrundrauschen eines Thrillers.

Eine von Hass und Grausamkeit geprägte Welt wird in "Zulu“ recht sorglos heraufbeschworen. In Kapstadt wird eine Mordserie untersucht; die Spuren führen ins Drogenmilieu und von dort aus weiter in die Historie der Apartheid in Südafrika. Als Helden fungieren hier ein schwarzer und ein weißer Cop, gespielt von Forest Whitaker und Orlando Bloom. Es sind, allen Genre-Klischees entsprechend, einsame, verbitterte Männer, die ihrer lebensgefährlichen Arbeit zunehmend obsessiv nachgehen.

Regisseur und Autor Jérôme Salle ("Largo Winch“) schiebt die Gewaltregler schon nach einer knappen halben Stunde auf Maximum: Mit sichtlicher Lust an expliziter Brutalität lässt er das Blut bei der jäh entgleisenden polizeilichen Ermittlungsarbeit spritzen, erhöht den body count in weiterer Folge durch den beherzten Einsatz automatischer Schusswaffen noch drastisch. Das Kino kennt für diesen Stil der anti-moralischen Übertreibung den Begriff der exploitation, der sarkastischen Ausbeutung sozial relevanter Sujets - und er passt leider alles andere als gut zur tragischen Geschichte Südafrikas, die Salle hier als schein-politisches Hintergrundrauschen benutzt. "Zulu“ ist ein prekärer Seiltanz zwischen Suspense-Schocker und Geschichtsunterricht, Kino-Fast-Food in den Duftnoten Testosteron und Adrenalin. Dabei wissen Salle und sein Team sehr genau, wie man Filme mitreißend gestaltet. Aber das anti-rassistische Interesse, das hier vorgegeben wird, nimmt man diesem Werk keine Sekunde lang ab. Die Stadtverwaltung wird sich bei den Produzenten übrigens auch herzlich bedanken: Denn einen bewegten Werbeprospekt für eine Reise nach Kapstadt wird man in diesem Geisterbahnfilm, trotz feiner Fotografie, ebenfalls nicht erkennen können.

Stefan Grissemann