Zum Tod von Karlheinz Böhm: vom Schauspieler zum Mensch

Zum Tod von Karlheinz Böhm: vom Schauspieler zum Mensch

Als Schauspieler erreichte Karlheinz Böhm Mitte der 50er-Jahre als junger Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider den Höhepunkt seiner Popularität. Die Rolle seines Lebens fand er jedoch in Äthiopien, wo er sich drei Jahrzehnte lang mit seiner Hilfsaktion "Menschen für Menschen" (MfM) engagierte. Nach langer, schwerer Krankheit verstarb er nun 86-jährig in seinem Haus nahe Salzburg.

"Ich habe in Äthiopien meine Heimat gefunden und ich möchte am liebsten eines Tages dort in die Natur zurückkehren, aus der ich gekommen bin", sagte Böhm einmal. Der Wunsch, in Äthiopien zu sterben, ging nicht in Erfüllung. Jedoch der, "eines Tages nicht mehr gebraucht zu werden", wie MfM nach dem Tod ihres großen Gründers in einer Aussendung schrieb. In sechs Projektgebieten habe die äthiopische Bevölkerung bereits die Verantwortung übernommen, mehr als 5 Millionen Menschen würden mittlerweile von Böhms Lebenswerk profitieren.

Am Anfang stand eine Wette
Es war die Fernsehsendung "Wetten, dass..?", die den Wendepunkt in Böhms Leben brachte: Von einem Besuch der Sahelzone in den 70er Jahren geprägt, wettete er am 16. Mai 1981 im Fernsehen, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in Äthiopien spendet. Er behielt zwar Recht, flog mit den eingenommenen umgerechnet 715.000 Euro jedoch nach diesem Auftritt das erste Mal in das ostafrikanische Land und gründete am 13. November 1981 in München die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen". Im Rahmen von MfM wurden Hunderte Brunnen gebohrt, über 300 Schulen eröffnet, mittels Kleinstkrediten die Selbstständigkeit für Frauen ermöglicht und gegen die Beschneidung von Mädchen angegangen.

Dieses Engagement schien nicht vorgezeichnet, als Karl Böhm am 16. März 1928 in Darmstadt als Sohn des legendären Dirigenten Karl Böhm und der Sopranistin Thea Linhard geboren wurde. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Hamburg und Dresden, von wo aus er über Kufstein, Graz und Rom 1948 schließlich nach Wien kam. Hier arbeitete Böhm zunächst als Regieassistent bei Karl Hartl und besuchte die Schauspielschule des Burgtheaters.

Höhepunkt mit "Sissi"-Trilogie
Auf sein erstes Engagement an der Burg folgten Auftritte am Theater in der Josefstadt sowie Bühnengastspiele in München, Frankfurt, Berlin und Zürich. Zeitgleich begann in den 50er-Jahren auch Böhms Filmkarriere als Star von unzähligen, meist kommerziellen Unterhaltungsproduktionen. In Erinnerung blieb der Schauspieler vor allem mit seiner Darstellung des jungen Kaiser Franz Joseph in Ernst Marischkas "Sissi"-Trilogie (1955-1957) an der Seite von Romy Schneider.

Um diesem Image zu entkommen, drehte Böhm in der Folge mehrere Filme im Ausland. Anfang der 60er-Jahre konterkarierte er sein Image als Schwiegermutters Liebling unter der Regie des Engländers Michael Powell mit dem Psychothriller "Peeping Tom" ("Augen der Angst"). In dem Werk spielt er einen psychopathischen Mörder. Der Film, von der damaligen Kritik verrissen, gilt heute als Meisterwerk.

Nach seiner Rückkehr aus dem angelsächsischen Raum 1963 gelangen Böhm erfolgreiche Comebacks auf Bühne und vor der Kamera. Trotzdem beendete er nach den unter Rainer Werner Fassbinders Regie entstandenen Filmen "Martha" (1974), "Fontane Effi Briest" (1974), "Faustrecht der Freiheit" (1975) und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975) seine Filmlaufbahn und trat nur noch im Fernsehen und im Theater auf. Für MfM gab er dann 1983 seine Schauspielkarriere gänzlich auf.

"Abo" Karl, Vater Karl
Wie er selbst sagte, habe er durch die vielen geografischen Stationen seines Lebens und drei gescheiterte Ehen nie zu sich gefunden. Eine Heimat fand er erst in Äthiopien mit seiner vierten Frau Almaz, die 2011 Leitungsaufgaben der Stiftung von ihrem Ehemann übernommen hat und nach Vorwürfen eines ehemaligen Großspenders wegen Verschwendung und mangelnder Transparenz in den vergangenen Jahren vermehrt in der Kritik stand. Bereits Anfang 2014 nahm sie sich zurück, um sich um ihren schwerkranken Mann zu kümmern. Künftig soll sie als Schirmherrin ausschließlich repräsentative Aufgaben übernehmen.

Für seinen drei Jahrzehnte dauernden Einsatz in der Hilfe zur Selbsthilfe wurde Karlheinz Böhm 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. 2008 bekam er die "Berlinale-Kamera" sowie den Hundertwasser-Preis. Ganz besonders dürfte Böhm jedoch eine Ehrung aus 2003 erfreut haven: In diesem Jahr wurde er zum Ehrenbürger Äthiopiens ernannt. "Abo" Karl, Vater Karl, nannten ihn die Äthiopier - und haben Plätze und Berge nach ihm benannt. Am "Karl Square" in Addis Abeba zeigt ihn eine Skulptur, die Böhm mit offenen Armen darstellt. Hier wie dort wird nun um ihn getrauert werden.