„Ich mache Humorarbeit.“
Powerlunch

Zwei Gänge mit … Marina Lacković

Humor im Fernsehen ist oft nicht mehr sehr lustig. Das liegt daran, dass die allermeisten Scherze schon vorher auf Instagram oder TikTok zu sehen waren. Warum das bei Marina Lacković alias Malarina anders ist, hat sie bei fünf Löffeln Tomatensuppe erzählt.

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„Was hältst du davon, wenn ich dich auf ein Glaserl Prosecco einlade?“ Die Frau am Nebentisch schaut ihre Kollegin erwartungsvoll an, die schaut auf die Uhr und schnauft: „Ist es nicht noch ein bisschen früh?“ Es ist kurz nach 12 Uhr, ein Donnerstag Ende Februar, und die Stimmung im Ristorante Tiziano am äußeren Ende von Wien-Meidling nimmt Fahrt auf. Ständig kommen neue Gäste und Foodora-Fahrer, offensichtlich gibt es rund um Schloss Hetzendorf mehr Büros, als man denken würde, oder es arbeiten heute besonders viele Menschen im Homeoffice, es ist schließlich der erste schöne Frühlingstag in diesem Jahr. „Aber ja, warum nicht“, sagt jetzt die Kollegin, und als ich zwei Stunden später das Restaurant verlasse, werden sie immer noch hier sitzen, und definitiv nicht mehr beim ersten Prosecco.

„Wieso gibt es bei uns so viele Gratiszeitungen, die sich gerieren, als wären wir im Mittelalter? Ich sehe in der Straßenbahn, wie viele Leute aus der Community diese Zeitungen lesen und dann auch alles glauben, was da drinnen steht. Ich würde so etwas wie ‚Heute‘ oder ‚Ö24‘ verbieten.“

Malarina

Marina Lacković hatte das Lokal vorgeschlagen, es ist so etwas wie ihr Nahversorger, sagt sie. Sie wohnt erstens um die Ecke, hat zweitens immer einen leeren Kühlschrank und kann drittens überhaupt nicht kochen. Wenn sie am Abend daheim ist, dann kommt das Essen fast immer aus dem Tiziano, sagt sie. Der Wirt liefere persönlich. Wie oft das vorkommt, frage ich (Privatsphäre!) nicht, aber eigentlich ist Lacković abends gut gebucht. Unter ihrem Künstlernamen Malarina ist sie eine der gefragtesten jungen Kabarettistinnen des Landes, deswegen gehört sie zum Inventar des österreichischen Scherzfernsehens, tritt bei „Was gibt es Neues?“ genauso auf wie bei der „Tafelrunde“ auf ORF3. Malarina ist mittlerweile Mainstream, und das ist durchaus interessant: Ihre ersten Auftritte hatte Lacković nämlich im „Politically Correct Comedy Club“, einem intellektuellen Humor-Safe-Space für queere Künstler:innen im Wiener WUK. Ihre Bühnenfigur Malarina spielt mit allen gängigen Vorurteilen, die Österreicher gemeinhin über den Balkan haben. Sie ist böse – und sehr, sehr lustig. In einer Zeit, in der Lachen im österreichischen Humorbetrieb immer anstrengender wird, vor allem, weil man die meisten Scherze schon vor einiger Zeit auf Instagram gesehen hat, fallen Newcomer mit lustigem Zeug durchaus auf.

Lacković kommt 15 Minuten zu spät, das soll aber kein Problem sein, sie spricht so schnell, dass sie das locker aufholt. „Hast du kein Aufnahmegerät dabei“, fragt sie, und als ich verneine und umständlich zu erklären versuche, dass Menschen, wenn man ein Tonband mitlaufen lässt, anders reden, irgendwie gezwungener, meint sie nur: „Ich nicht, ich rede immer gleich.“

Und wahrscheinlich hat sie damit recht.

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.