profil vor 25 Jahren: Gift im Essen

Die Titelgeschichte vom 22. August 1988 war geeignet, Herrn und Frau Österreicher gründlich den Appetit zu verderben. Es ging um "unser tägliches Gift“ im Essen: von Pestiziden im Salat über radioaktive Pilze, "Salmonellen-Hühner“ und Perchloräthylen im Olivenöl bis zu Betablockern, Tranquilizern, Antibiotika und Hormonpräparaten im Fleisch aus Massentierhaltung. Trotz häufiger Lebensmittelskandale komme der Mensch nur langsam drauf, dass es "nicht nur wichtig ist, wie viel Mehl in seiner Extrawurst sein darf“, resümierte profil.

Die Frage, wie viel Neutralität Österreich als künftiges Mitglied der Europäischen Gemeinschaft (damals EG) behalten dürfe, harrte ebenfalls einer Klärung. Die Überzeugung, da werde man sich in bewährt österreichischer Manier schon irgendwie durchlavieren, erhielt durch Belgiens Außenminister Leo Tindemans einen kräftigen Dämpfer: Eine EG-Vollmitgliedschaft sei mit der vollen Anerkennung der immerwährenden Neutralität unvereinbar, erklärte er. Die Österreicher waren irritiert, schließlich mussten sie "mitten im Sommer eine verblüffende Entdeckung machen: Die Europäische Gemeinschaft nimmt ihre Ziele ernst“, ätzte Peter Michael Lingens im Leitartikel.

Nicole Schmidt