profil vor 25 Jahren: „Hausdurchsuchung“

Über eine brisante „Hausdurchsuchung“ berichtete profil in seiner Titelgeschichte vom 28. November 1988. Tatsächlich war es sogar zu mehreren unangemeldeten Behördenbesuchen gekommen: bei der „Arbeiter-Zeitung“, dem SP-nahen „Echo-Verlag“, der ebenfalls SP-nahen Werbefirma Progreß und der Sozialistischen Verlagsgesellschaft mbH, zuständig für die Herstellung der SP-„Bezirksblätter“. „Derartige Simultaneinsätze werden nur dann befohlen, wenn massive Verdachtsmomente vorliegen“, erklärte profil, wobei die Verdachtslage massiv kompliziert war: „Die Wirtschaftspolizei hat die Aufgabe, festzustellen, ob über Inserate eine versteckte, strafrechtlich relevante Parteienfinanzierung im Zusammenhang mit der Sanierung des Wiener Praterstadions und/oder der Sanierung des Wiener Horr-Stadions stattgefunden hat.“ Hochrangigen SP-lern wie dem Wiener Landesparteisekretär Sepp Rieder erschien das seltsam, als da „Dinge kriminalisiert werden, die zum ganz normalen Zeitungsgeschäft gehören“. Ja, damals vielleicht! Heute ist das selbstverständlich anders, auch dank des behördlichen Eifers von 1988: „Erstmals in ­Österreich wagt sich die Justiz auf das heikle Gebiet der politischen Insertion.“
Polizeiliches Einschreiten auch in eigener Sache: Ein profil-Artikel über Foltervorwürfe gegen Beamte des Wiener Sicherheitsbüros zog weite Kreise, bis hinauf zu Walter Schuppich, den Präsidenten der österreichischen Rechtsanwälte sowie des „Vereines der Freunde und Förderer der Wiener Polizei“. Schuppich hatte öffentlich Aufklärung begehrt und offiziell Auskunft erhalten (nämlich dass an den Vorwürfen nichts dran sei). profil, ernüchtert: „Bilanz der Folterwoche: Beamte reingewaschen, Schuppich reingelegt, der Minister weiß rein gar nichts.“

Sebastian Hofer