profil vor 25 Jahren: "Heldenplatz"-Empörung

Der Herbst des Jahres 1988 stand ganz im Zeichen der Aufregung um einen Theatertext, den noch gar niemand kannte. Doch die Melange aus Claus Peymann, Burgtheater, Thomas Bernhard und Heldenplatz - als Ort wie als Stücktitel - war vielen allein schon Grund genug für öffentlichen Furor - quer durch die Parteien, von Erhard Busek und Hans Dichand über Jörg Haider bis Kurt Waldheim und Helmut Zilk.

In der Titelgeschichte vom 17. Oktober nahm profil die "Heldenplatz“-Empörung zum Anlass, Österreich einen Spiegel vorzuhalten, der, wie ein Zitat des Schriftstellers Robert Musil bewies, wenig Neues zeigte: "Wien ist immer eine der verrottetsten Theaterstädte der deutschen Nation gewesen. Eine Theaterstadt für alles Nebenbei und Hintenherum des Theaters, aber nicht für seine Kunst. Sie ist verrottet, weil sie alles, was Ansatz zu hohem Wuchs zeigt, sorgsam von den Schling- und Schliefgewächsen niederdrücken lässt“, hatte Musil 1921 festgestellt. "Österreich inszeniert sich selbst als Groteske à la Bernhard“, resümierte profil und fragte sich, ob sich je zuvor derart "ein Nest auf Geheiß seines ärgsten Nestbeschmutzers selber angekleckert“ habe. Bernhards "schlimmste Übertreibungen und gemeinste Verzerrungen“ würden dergestalt "nicht Lügen, sondern Wahrheit gestraft“ - und das im Bedenkjahr 1938/88 vor der ganzen Welt als Publikum.

Nicole Schmidt