profil vor 25 Jahren: Jörg Haider und Österreich als „deutscher Staat”

"Wien ist eine deutsche Stadt“, erklärte Jörg Haider im Rahmen der Titelgeschichte vom 29. August 1988. Er unterstrich damit seine kurz zuvor getätigte Aussage, die österreichische Nation sei eine "ideologische Missgeburt“. Mit dieser Meinung hatte der FPÖ-Obmann allerdings nur rund fünf Prozent der Österreicher hinter sich; rund 75 Prozent der Österreicher waren laut Umfragen dezidiert der Meinung, sehr wohl eine Nation zu sein. Die Argumentation des FPÖ-Chefs schloss eher an die Denkmuster seiner Gesinnungsgenossen in den 1950er-Jahren an. Im "Ausseer Programm“ etwa hieß es, Österreich sei "ein deutscher Staat“; und in den "Erläuterungen zum Programm der Freiheitlichen Partei Österreichs“ 1958 stand, es sei eine der "vornehmsten neuen Aufgaben“ der Nationalen, alle "Bestrebungen, die auf eine Loslösung Österreichs vom Deutschtum gerichtet sind“, abzuwehren. Anno 1988 werde die Diskussion um Österreichs Deutschtum nur noch von Haider und der deutschnationalen Zeitschrift "Aula“ geführt, resümierte profil.

Mit einem wesentlich hedonistischeren Thema beschäftigte sich der Artikel "Für immer jung“ ein paar Seiten weiter: mit dem "legendären Kultblech“ Porsche 911, der in jenen Tagen "unglaubliche“ 25 Jahre alt wurde. "300.000 Käufer können natürlich irren, aber nicht um diesen Preis“, stellte profil fest.

Nicole Schmidt