profil vor 25 Jahren: „Rote Feiern, schwarze Kassen“

Vor einer Art Budgetloch stand die Österreichische Sozialdemokratie im Herbst 1988, also justament zum 100. Gründungsjubiläum. Wie profil in seiner Titelgeschichte vom 21. November („Rote Feiern, schwarze Kassen“) berichtete, hatte sich das fragliche Loch im Dunstkreis der SP-nahen Mietervereinigung aufgetan: Hochrangige Funktionäre hatten – was noch nicht strafbar, aber eine Frechheit ist – für ihren anscheinend ehrenamtlichen Nebenjob üppige „Aufwandsentschädigungen“ kassiert, diese aber – und das ist sehr wohl strafbar – nur halbherzig bis gar nicht versteuert. Imagetechnisch machte so etwas schon in den späten 1980er-Jahren keinen schlanken Fuß, weshalb der Jubel zum SP-Jubiläum ­etwas schaumgebremst ausfiel. Wobei sich profil nicht scheute, durch eine kleine Rundfrage um Geburtstagsglückwünsche weiteres Salz in die Wunde zu schütten. „Alles Gute“ klingt anders: „100 Jahre ‚Bewegung’ haben zum Stillstand geführt.“ (Jörg Haider); „Die Kirche ist schon fast 2000 Jahre alt. Alter ist dort kein Problem, wo der Geist der Wahrheit wirkt.“ (Kurt Krenn); „Zum 100. Geburtstag der SPÖ fällt mir nichts ein.“ (Franz Olah); „Für mich ist der Fall erledigt.“ (Karl Sekanina).

Erledigt war auch der Fall Johann Kastenberger. Der erfolgreiche Aus­dauerläufer und Bankräuber („Pumpgun-Ronnie“) hatte nach fast 70-stündiger, spektakulärer Verfolgungsjagd durch Wien und halb Niederösterreich seinem Leben auf der Westautobahn bei St. Pölten ein Ende gesetzt. profil rekonstruierte die Jahre und Jahrzehnte, die zu diesem Ende führten („sein Pendeln zwischen zwei Leben beginnt in seinen ersten Tagen“) – ein filmreifer Stoff, 20 Jahre später endlich verfilmt: „Der Räuber“ mit Andreas Lust).

Sebastian Hofer