„Ab in den neuen Lebensabschnitt, Waltraud!“

Als ÖVP-Landesrat segnete Gerhard Hirschmann Förderungen für den Tierpark Herberstein ab. Nun tritt er mit eigener Liste an und rät Waltraud Klasnic zum Pensionsantritt.

profil: Sieben Wochen vor den Landtagswahlen schlittert Waltraud Klasnic in ihre schlimmste Krise. Was ist los mit der steirischen ÖVP?
Hirschmann: Wenn Sie hinuntergehen an die Basis und mit den Bürgermeistern und Gemeinderäten in den Dörfern sprechen, werden Sie das mit einem Satz erfahren: Die Personalpolitik der Frau Landeshauptmann ist höchst problematisch. Das sind alles liebe Menschen, aber in Wahrheit ist das die Pfadfindergruppe Leechwald. Damit fällt alles auf Klasnic zurück. Sie ist einfach überfordert, daher dieses Dauerdesaster.
profil: Sie haben 2002 als ÖVP-Tourismuslandesrat den nun vom Landesrechnungshof kritisierten Vertrag über die stille Teilhaberschaft des Landes unterschrieben. Ist es nicht ein wenig unverfroren, Waltraud Klasnic nun zum Rücktritt aufzufordern, wie Sie es Mittwoch vergangener Woche getan haben?
Hirschmann: Keines der neun Regierungsmitglieder hat am seinerzeitigen Vertrag Anstoß genommen. Unsere damalige Förderung war unbestritten.
profil: Im Vertrag verzichtete das Land auf Prüfungsrechte beim Tierpark. Damit tragen auch Sie Verantwortung dafür, dass die Missstände unentdeckt bleiben konnten.
Hirschmann: Das Gegenteil ist der Fall. Durch diese Form der Beteiligung war es erst möglich, dort einmal hineinzuschauen.
profil: Klasnic beteuert, von den Vorwürfen gegen Herberstein überrascht worden zu sein. Sie glauben ihr das nicht und haben eine Anzeige wegen Betrugs angekündigt.
Hirschmann: Ich habe am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Graz eine Anzeige gegen unbekannt eingebracht. Wenn laut Rechnungshofbericht dieselben Rechnungen bei verschiedenen Abteilungen eingereicht wurden, schreit das ja nach dem Staatsanwalt. Aber besonders delikat ist, dass Klasnic erst vor vier Monaten ein sündteures Beraterteam für einen Herberstein-Masterplan engagierte. Da frage ich mich, was hat sich der angesehen wenn nicht die Geschäftsabläufe und Geschäftspraktiken? Dass die Frau Landeshauptmann über Nacht vom Blitz der Erkenntnis getroffen wurde, ist wohl keines Kommentars mehr würdig. Das ist einfach absurd.
profil: Wenn Sie selbst Klasnic nicht glauben, dass sie überrascht war von den Vorwürfen – wird der Wähler dann Ihnen glauben, dass Sie als ehemaliger Tourismuslandesrat von nichts wussten?
Hirschmann: Zum Zeitpunkt, als diese Förderung beschlossen wurde, konnten wir von nichts wissen, weil jedenfalls von mir keine Prüfaktivität entwickelt wurde.
profil: Haben Sie Angst, dass die ÖVP den Spieß umdreht und Ihnen den schwarzen Peter anhängt?
Hirschmann: Landesrat Schützenhöfer hat das versucht, aber das ist innerhalb von Sekunden zusammengebrochen. Noch einmal: Der Vertrag wurde allen Regierungsmitgliedern vorgelegt. Ich habe keine Einwände, Wünsche, Beschwerden, Verbesserungsvorschläge gehört.
profil: Beim Lesen des Rechnungshofberichts gewinnt man den Eindruck, dass hier einer mit der ÖVP eng verbundenen Familie zwei Jahrzehnten lang üppige Förderungen genehmigt und Hinweise, hier gehe es nicht mit rechten Dingen zu, ignoriert wurden.
Hirschmann: Man darf in der momentanen Diskussion eines nicht vergessen: In Herberstein hat es anfangs gute Absichten gegeben, die auf Zustimmung auch beim politischen Gegner gestoßen sind.
profil: Bringt die Affäre Herberstein eine Wahlentscheidung?
Hirschmann: Die Wahl ist ja längst entschieden. Dieser Skandal verschlimmert das Fiasko der ÖVP nur noch. Jetzt geht es halt noch ein Stückerl weiter runter auf der Talfahrt.
profil: Wie müssen die Konsequenzen aussehen? Ein Sonderlandtag, ein Untersuchungsausschuss?
Hirschmann: Diese Rituale bringen niemandem etwas. Ich kann für meine Liste sagen: Von uns wird es auch nach der Wahl keinen Cent für dieses Projekt geben. Klasnic kann man nur eines raten: Liebe Frau Landeshauptmann, du hast zwei Perioden große Arbeit geleistet, große Verdienste um dieses Land, aber nun bitte: ab in den neuen Lebensabschnitt, Waltraud!

Interview: Alexander Dunst