Abgekanzlert

Eine historische Schlappe in Niederösterreich, eine massiv auf Neuwahlen hinarbeitende ÖVP, vom „Gesudere“ hochgradig beleidigte Parteifreunde – wie geht es Alfred Gusenbauer eigentlich so?

profil: Herr Bundeskanzler, wenn Sie das vergangene Jahr Revue passieren lassen, wie sieht Ihre Bilanz aus?
Gusenbauer: Nun, 2007 wird zwar nicht so ein toller Jahrgang wie 2006, aber insgesamt nicht schlecht. Die Weine werden fruchtig sein, mit einem guten Säuregerüst ausgestattet … Was schauen Sie so komisch?

profil: Ich wollte eigentlich nicht über Wein reden.
Gusenbauer: Aber ich.

profil: Könnte das damit zusammenhängen, dass Sie sich nicht schon wieder in die Nesseln setzen wollen?
Gusenbauer: In die Nesseln setzen, so ein hanebüchener Blödsinn!

profil: Ach ja?
Gusenbauer: Ja. Die stehen in der Zwischenzeit so hoch um mich herum, dass ich mich gar nicht mehr niedersetzen brauche.

profil: Dürfte ein guter Boden sein. Wenn man ein Sympathisant wäre, könnte man glatt verzweifeln.
Gusenbauer: Sudern Sie mich bloß nicht an! Da bin ich nämlich ein bissl sensibel.

profil: Apropos sudern: Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?
Gusenbauer: Nein.

profil: Was ist Ihnen da nur wieder eingefallen?
Gusenbauer: Dass es dieses blöde Rotlicht, dass einem anzeigt, ob eine Kamera läuft, zwar im Studio gibt – aber nirgendwo auf dem Weg nach Donawitz.

profil: Und sonst auch noch was?
Gusenbauer: Hören Sie, haben Sie eigentlich eine Vorstellung davon, was ich mir alles anhören muss, wenn der Tag lang ist?

profil: Das würde ich tatsächlich gerne wissen.
Gusenbauer: Also: Es beginnt einmal damit, dass mich der Häupl-Michl anruft und mir verbindlich erklärt, was für ein Trottel ich bin.

profil: Das wird ja wohl kaum jeden Tag vorkommen.
Gusenbauer: Nur dann nicht, wenn er mit dem Pröll zusammensitzt.

profil: Und das ist ja zweifellos oft der Fall.
Gusenbauer: Schon. Aber dann lässt er den anrufen, und der richtet es mir aus.

profil: Unschön.
Gusenbauer: Gell? Danach versuche ich wiederum, den Voves anzurufen – und der lässt mir dann ausrichten, dass er jetzt gerade keine Zeit hat.

profil: Sondern wann?
Gusenbauer: 2011. Anschließend entschuldige ich mich täglich bei der Burgstaller …

profil: Für den von ihr kritisierten „Gesudere“-Sager.
Gusenbauer: Nein. Dafür, dass ich ihr bei den Salzburger Festspielen vor zwei Jahren gesagt habe, dass sie in dem Kleid von hinten ausschaut wie ein Rekord-Kürbis.

profil: Das sagt man auch nicht.
Gusenbauer: Nun, ich gebe zu, es war vielleicht etwas unglücklich formuliert.

profil: Das haben Sie zum „Gesudere“ auch gesagt. Aber wie wäre das denn weniger unglücklich zu formulieren gewesen?
Gusenbauer: Gejeier. Gezeter. Gekeppel. Gegreine. You name it.

profil: Das klingt jetzt aber auch nicht unbedingt basisverträglich.
Gusenbauer: Aber wenn’s wahr ist?

profil: Ui!
Gusenbauer: Diese gan-zen Funktionärsheinis liegen mir ständig mit ihren Pipifax-Problemen in den Ohren. Dass sich irgendein Muatterl das Heizen nicht mehr leis­ten kann, weil alles so teuer geworden ist – so in der Liga. Schön und gut. Aber ich als Kanzler hab schließlich meine eigenen Sorgen.

profil: Welche denn?
Gusenbauer: Na, dass ich es vielleicht bald nicht mehr bin.

profil: Könnte es möglicherweise sein, dass das eine irgendwie mit dem anderen zusammenhängt?
Gusenbauer: Guter Mann – ober­gscheit bin ich selber.

profil: Welche von den Personen, die als Ihre möglichen Nachfolger genannt werden, erschiene Ihnen denn dafür am geeignetsten? Werner Fay­mann? Gabi Burgstaller?
Gusenbauer: Die Frage ist jetzt aber hoffentlich nicht ernst gemeint, oder? Meine Schuhe sind so groß, da würde sich nicht einmal King Kong eine Blase holen.

profil: Hat er sich leicht schon beworben?
Gusenbauer: Wenn Sie einmal nicht mehr in Ihre Zeitung hineinsudern, könnten Sie glatt Funktionär bei uns werden.

profil: So vergnügungssüchtig bin ich auch wieder nicht.
Gusenbauer: Dieses ganze Gerede um meine angebliche Ablöse hilft doch in Wirklichkeit nur dem Feind. Gerade jetzt, wo ich die ÖVP mit meinem Steuerreform-Ultimatum vor mir hertreibe.

profil: Äh …
Gusenbauer: Was?

profil: Was genau verstehen Sie seit der niederösterreichischen Wahl unter „vor sich hertreiben“?
Gusenbauer: Sie haben doch wohl nicht geglaubt, dass wir dort einen Blumentopf gewinnen.

profil: Nein. Sie aber auch nicht, oder? Sonst hätten Sie ja vielleicht die Frau Onodi ein bisschen unterstützt.
Gusenbauer: Und so mein Sieger-­Image ankratzen? Auf welchem Planeten leben Sie denn?
profil: Und Sie?