Abwehrschlacht gegen Allergien

Wiener Forschern gelingen durchschlagende Erfolge im Kampf gegen Allergien. Maßgeschneiderte Diagnostik und Therapie könnten das entgleiste Immunsystem erstmals gezielt ins Lot bringen. Zugleich wächst das Verständnis des komplexen Reigens biochemischer Allergie-Auslöser.

Von Alvin Schönberger

Die potenzielle Wunderwaffe heißt „BM 32“ und wird in einem schlichten Wiener Bürogebäude produziert. Im ersten Stock dieses Komplexes, unweit des Allgemeinen Krankenhauses, unterhält das biopharmazeutische Unternehmen Biomay modernste ­Laborräumlichkeiten – bestückt mit Zentrifugen und einem nach strengen Hygienestandards gestalteten Reinraum. BM 32 ist ein völlig neuartiger Impfstoff, und das Ziel seiner Entwickler ist kein geringeres, als eine dergrößten Zivilisationsplagen zu kurieren: Allergien, ein Krankheitsbild, von dem heute beinahe jeder dritte Mitteleuropäer betroffen ist. In Österreich leiden rund 2,5 Millionen Menschen an solchen Überempfindlichkeiten des Immunsystems gegen Eiweißstoffe in Pollen, Nahrungsmitteln oder im Fell von Haustieren.

„Wir stehen vor einem Riesenumbruch, man wird komplett umdenken müssen“, sagt Rudolf Valenta, auf dessen Forschungen das neue Vakzin beruht. Valenta ist Professor für Allergologie an der Medizinischen Universität Wien sowie Leiter des Christian-Doppler-Labors für Allergieforschung und befasst sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Ansätzen zur Behandlung von Allergien. Hauptstrategie ist die Schaffung synthetischer Allergene. Solch künstlich hergestellte Substanzen kommen nun im neuen Impfstoff erstmals zum Einsatz. Sie sollen enorme Vorteile bieten, die für all jene, die unter Heuschnupfen, Augenbrennen oder Asthmaleiden, wie eine nahende Erlösung klingen müssen: deutlich höhere Treffsicherheit, Wirksamkeit gegen praktisch alle denkbaren Allergene, stark reduzierte Nebenwirkungen, bequemere Handhabung, da maximal vier Injektionen pro Jahr ausreichen. Erste Zwischenergebnisse zeigen: All dies scheint tatsächlich zu funktionieren.

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