Adamovich hält Einzeltäter-Theorie für sehr
gering: Auch eine Erpressung wäre möglich

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" meldet Ludwig Adamovich, ehemaliger Präsident des Verfassungsgerichtshofes und Leiter der Evaluierungskommission zum Fall Natascha Kampusch, erstmals schwere Zweifel an der Einzeltäterversion an. "Die objektive Wahrscheinlichkeit, dass das Ganze eine Aktion des Herrn Priklopil und sonst von niemandem war, ist, vorsichtig ausgedrückt, sehr, sehr gering", sagt Adamovich. Er unterstelle Kampusch nicht, bewusst die Unwahrheit zu sagen. "Wenn man ihre Aussage in Zweifel zieht, stellt sich natürlich sofort die Frage, warum sie so zäh daran festhält. Das muss ja irgendeinen Grund haben."

Vermutungen dazu gebe es viele, so Adamovich: "Erpressung könnte durchaus sein - im Zusammenhang mit irgendwelchem Material, das für sie unangenehm ist."

Dass Wolfgang Priklopil sein Opfer zufällig getroffen habe, glaubt der Kommissionsleiter nicht. "Der hat schon gewusst, wen er vor sich hat." Auf die Frage, ob er Priklopil noch für die Hauptfigur in diesem Kriminalfall halte, sagt Adamovich im "profil"-Interview: "Priklopil hat sicher eine wichtige Rolle gespielt. Aber was die Hauptsache war und was nur ein Nebenprodukt, das weiß man bis jetzt nicht."

Heftige Kritik übt Adamovich an der Staatsanwaltschaft Wien. Diese habe sich "mehr oder weniger totgestellt". Nicht einmal auf die Zwischenberichte des Bundeskriminalamtes sei reagiert worden. "Man muss sich natürlich fragen, was da los ist." Sollte sich nicht bald etwas ändern, werde die Evaluierungskommission ihre Arbeit einstellen. "Irgendwann könnte der Moment kommen, wo uns die Geduld reißt. Wir machen uns ja lächerlich, so wie das jetzt ausschaut."

Lesen Sie mehr dazu im aktuellen profil 29/09!