Affäre Hans-Peter Martin.
"Das war der einzige Auftrag"

Europaparlamentarier Hans-Peter Martin will mit seinem Architekten auch politisch zusammenarbeiten. Dieser weiß von nichts.

Ein Aufdecker kämpft gegen den Aufdecker. Erbost und mit Klagsdrohungen kontert der Europaparlamentarier Hans-Peter Martin die von seinem ehemaligen politischen Mitstreiter Martin Ehrenhauser im aktuellen profil erhobenenVorwürfe: Martin habe zumindest eine Million Euro Steuergeld aus der staatlichen Wahlkampfkostenrückerstattung förderungswidrig verwendet.

Konkret geht es unter anderem um Martins Wohnhaus in Tübingen, das er großzügig umplanen ließ. Die Rechnung des Architektenbüros N. – exakt 29.750 Euro – findet sich in den Parteiausgaben unter „Sachaufwand für Öffentlichkeitsarbeit” wieder.

Martin dementierte gegenüber profil und, nachdem die Vorwürfe publik geworden waren, auch in einer Aussendung heftig: Die Vorwürfe wären „haltlos und rufschädigend“. Am Sonntag legte Martin in einem Zeitungsinterview nach: Er arbeite mit dem Architekten N. auch politisch zusammen.

Ob der Architekt von dieser Zusammenarbeit weiß, ist allerdings fraglich. profil hatte N. bereits am Donnerstag der Vorwoche kontaktiert. Ob es mehrere Kooperationen mit Hans-Peter Martin gegeben habe oder ob der Umbau des Hauses der einzige Auftrag von Martin gewesen sei, wollte profil wissen. Architekt N. antwortete darauf: „Nein, das war der einzige Auftrag.“ Über die Abrechnungsmodalitäten von Martin wisse er nicht Bescheid, insofern könne er sich auch nicht erklären, wie sein Honorar in die Parteiausgaben gerutscht sei: „Davon weiß ich nichts. Das müssen Sie Dr. Martin fragen.“

Ehrenhauser erstattete, wie profil aktuell berichtet, Anzeige bei der Wiener Staatsanwaltschaft. Der Verdacht: Martin soll private Ausgaben als Parteiaufwendungen abgerechnet, unerklärlich hohe Honorare an befreundete Unternehmer gezahlt und die Wirtschaftsprüfer möglicherweise getäuscht habe.