Amoklauf eines US-Soldaten könnte Afghanistan-Pakt verzögern

Die Tötung von 16 afghanischen Zivilisten durch einen US-Soldaten könnte nach Einschätzung der Regierung in Kabul negative Auswirkungen auf das geplante Abkommen über eine strategische Partnerschaft beider Ländern haben.

Die Unterzeichnung des Abkommens könnte sich verzögern, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Über das Abkommen wird seit mehr als einem Jahr verhandelt. Es soll die Rahmenbedingungen für eine weitere Präsenz der USA in Afghanistan auch nach dem geplanten Abzug der Kampftruppen 2014 schaffen.

Am Sonntag hatte ein US-Soldat in der südafghanischen Provinz Kandahar bei einem mutmaßlichen Amoklauf 16 Dorfbewohner erschossen. Zusammen mit der versehentlichen Verbrennung von Exemplaren des Koran dürfte sich die anti-amerikanische Stimmung im Land noch verschärfen. Viele Afghanen sind der Ansicht, dass es Zeit für die USA und die NATO ist, das Land zu verlassen.

Merkel in Afghanistan
Bei ihrem Besuch in Afghanistan hat unterdessen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf bestehende Risiken hinsichtlich des geplanten Truppenabzugs hingewiesen. Der Versöhnungsprozess mit Aufständischen wie den radikalislamischen Taliban habe zwar Fortschritte gemacht, doch erlaube dies derzeit noch keinen Abzug, sagte Merkel am Montag im deutschen Feldlager im nordafghanischen Mazar-i-Sharif. Deshalb könne sie auch "noch nicht sagen", ob der Abzug bis zum Jahr 2014 zu schaffen sei. "Der Wille ist da, wir wollen das schaffen, und daran wird gearbeitet", sagte Merkel.

Die Kanzlerin war in der Früh zu einem unangekündigten Kurzbesuch nach Afghanistan gereist. Von Mazar-i-Sharif aus übermittelte Merkel auch dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai telefonisch ihr Beileid für das von einem US-Soldaten angerichtete Blutbad.

(APA/Red)