Fünf-Sterne-Pleite

Nach dem Skihersteller Kneissl droht die zweite Insolvenz in der Unternehmensgruppe von Scheich Al Jaber: Die UniCredit Bank Austria hat Konkursantrag gegen das Grand Hotel eingebracht.

Die Auslastung des Grand Hotel an der Wiener Ringstraße liegt deutlich über den Erwartungen, die Buchungen für die kommenden ­Monate sind viel versprechend, die Gehälter werden pünktlich bezahlt. Ein Betrieb, der in ernsthafte wirtschaftliche Turbulenzen geraten ist, sieht anders aus. Auf den ersten Blick.

Tatsächlich kann das im Eigentum des saudischen Geschäftsmanns Mohamed Bin Issa Al Jaber stehende Hotel bereits seit Monaten seine Kreditlinien nicht mehr bedienen. Die Hausbank hat nach langen und zähen Verhandlungen vergangene Woche beim Handelsgericht Wien Konkursantrag gegen die Betreibergesellschaft des Luxushotels eingebracht. Die UniCredit Bank Austria will auf diesem Weg knapp 3,5 Millionen Euro Schulden eintreiben.

Von der Wiener Wirtschaftskammer zum Opernball eingeladen, von der AUA als Investor präsentiert, vom Skihersteller Kneissl als Retter gefeiert – das war einmal. Wenn Mohamed Bin Issa Al Jaber derzeit einen seiner raren Wien-Besuche absolviert, trifft er sich mit Anwälten, PR-Strategen und vor allem mit Gläubigern. Seit rund einem Jahr kommt der saudisch-österreichische Geschäftsmann einem großen Teil seiner Zahlungsverpflichtungen in Österreich nicht mehr nach. Der Tiroler Skihersteller Kneissl, an dem Al Jaber die Mehrheit hält, und die Wiener Immobiliengruppe ­R-Quadrat warteten monatelang auf Millionenbeträge, die Al Jaber vertraglich zugesichert hatte. Beide Unternehmen sind mittlerweile insolvent. Auch die UniCredit Bank Austria – nebenbei der größte Gläubiger der Kneissl-Gruppe – hatte lange Zeit Geduld mit dem säumigen Schuldner. Die Wiener Hotels The Ring und Grand Hotel, beide gehören zur Al-Jaber-Gruppe MBI International, haben seit Herbst des Vorjahrs ihre laufenden Kreditlinien nicht mehr bedient.

Am 21. Jänner 2011 stellte die UniCredit Bank Austria den Kredit fällig, die Bank ließ sich Pfandrechte auf den Ringstraßenimmobilien einräumen.

Mehrere Monate und Zahlungsaufforderungen später brachte die Anwaltskanzlei Doralt Seist Csoklich im Namen der Bank am Donnerstag vergangener Woche einen Insolvenzantrag gegen die Grand Hotel GesmbH beim Handelsgericht Wien ein. „Bis zum heutigen Datum wurden die fälligen Verbindlichkeiten von der Antragsgegnerin nicht beglichen.

Insbesondere zeigte das ­Verhalten in der Vergangenheit deutlich, dass die ­Antragsgegnerin aufgrund ihrer Vermögenssituation keinesfalls in der Lage ist, ihrer bestehenden Zahlungsverpflichtung nachzukommen“, heißt es in dem profil vorliegenden Antrag. Aktuell haftet demnach ein fälliges Kreditobligo in der Höhe von 3,4 Millionen Euro aus. Gibt das Handelsgericht Wien dem Antrag statt, dann übernimmt schon bald ein Insolvenzverwalter die Führung im Grand Hotel.

Ein Verkauf wäre dann wohl kaum noch abzuwenden. Im Grundbuch hat auch der Immobilienfinanzierer Eurohypo AG zwei Hypotheken in der Höhe von 98 Millionen Euro und 60 Millionen Euro eintragen lassen – „womit die Möglichkeit einer alsbaldigen Beschaffung liquider Mittel durch eine weitere Belehnung der Liegenschaft jedenfalls ausscheidet“, wie es in dem Insolvenzantrag heißt. Die Eurohypo verhandelt bereits seit geraumer Zeit über eine Restrukturierung der Kredite mit Al Jaber. „Wir haben lange zugewartet, aber wie auch schon im Fall Kneissl ohne Erfolg. Daher ­haben wir den nächsten rechtlichen Schritt gesetzt und Insolvenzantrag gestellt. Dieser Schritt ermöglicht das Fortbestehen der Hotels unter einem neuen Eigen­tümer und verhindert zugleich, dass sich die Masse für alle Gläubiger weiter verringert“, erklärt Bank-Austria-Sprecher Martin Halama auf profil-Anfrage. „Wir sind über diesen Schritt noch nicht informiert. Ob es klug von der Bank Austria ist, so einen Schritt gegen ein ­gesundes Unternehmen wie das Grand Hotel zu setzen, ist fraglich“, sagt Alfred Autischer, Sprecher von Mohamed Bin Issa Al Jaber.

Allzu überraschend kann der Insolvenzantrag allerdings nicht gekommen sein. Spätestens nachdem Al Jaber den Sanierungsplan bei Kneissl platzen ließ, hat der Hotelier jede Glaubwürdigkeit in Österreich verspielt. Einzig „Forbes“ scheint noch uneingeschränktes Vertrauen in Al Jabers Finanzen zu haben: In seiner jüngsten Reichenliste taxiert das US-Magazin Al Jabers Vermögen auf sieben Milliarden US-Dollar.