Alkohol: „Keine Berührungsängste“

Jörg Haider und die Jungwähler: der Landeshauptmann bei Billig-Sauf-Partys in Kärntner Discos.

Diese Bude hat es in sich: „Ob tanzen, trinken oder nur relaxen – das ,Tollhaus‘ trägt seinen Namen nicht von ungefähr. Im ,Tollhaus‘ ist Nonstop-Partystimmung angesagt“, heißt es auf der Website der Disco im malerischen Spittal an der Drau. Wichtiger Hinweis: „Durstige Seelen finden an der Bar die notwendige Erfrischung.“

Durstige Seelen gibt es viele im „Tollhaus“, besonders wenn eine der supertollen „99-Cent-Partys“ am Programm steht und drei Stunden lang Alk unter einem Euro zu haben ist: Kampftrinken vom Unfeinsten.

Vorvergangenen Mittwoch kam gegen Mitternacht sogar der Landeshauptmann selbst vorbei. Bis drei Uhr morgens feierte Jörg Haider mit den besonders Standfesten, schmiss ein paar Runden, trank selbst das mexikanische Kult-Cerveza Corona und knüpfte neue Freundschaften.

Der stolze Geschäftsführer fotografierte die ausgelassene Gesellschaft und stellte die Bilderserie sogleich auf die hauseigene Website: „99-Cent-Party mit Dr. Jörg Haider“.

Am folgenden Wochenende hat Claudia Odebrecht, Redakteurin der Kärnten-Ausgabe der „Kleinen Zeitung“, Sonntagsdienst und surft im Internet, als sie plötzlich auf die Feten-Fotos aus Spittal stößt. Odebrecht ruft Haiders Sprecher Stefan Petzner an und bittet ihn, doch einmal seinen Laptop einzuschalten. Petzner ist, wie sich die Journalistin erinnert, zuerst lange still und dann etwas unrund. Als er wieder zu Worten findet, gibt er Frau Odebrecht die offizielle Erklärung durch: „Der Landeshauptmann war dort nicht eingeladen, und dieser Termin war auch offiziell nicht eingeplant. Solche Besuche ergeben sich oft kurzfristig.“ Petzner, von der „Kleinen“ auf die auf den Bildern vermittelte Stimmung angesprochen: „Der Landeshauptmann ist für seinen offenen Umgang mit Jugendlichen bekannt.“

In der Redaktion des Blattes entschließt man sich, den Sachverhalt zu vermelden, die Fotos jedoch nicht zu veröffentlichen. Montag früh sind die Bilder nach Intervention des Haider-Sprechers auch aus dem World Wide Web verschwunden.

Der „Tollhaus“-Geschäftsführer will zu all dem tags darauf nur eines sagen: „Die Jugendschutzbestimmungen halten wir streng ein. Unter 18 bekommt man bei uns höchstens zwei Weinmixgetränke oder zwei Bier.“ Und Christian Troger, Mitglied der BZÖ-Bezirksleitung, bekräftigt, was man auf den Fotos ohnehin sieht: „Haider hat eben keine Berührungsängste mit Jugendlichen.“

Wie hatte doch die BZÖ-Abgeordnete Ursula Haubner, Jörg Haiders Schwester, vergangenen Juli in einer Aussendung gegen das jugendliche Komatrinken geschrieben: „Prävention gegen übermäßigen Alkoholkonsum beginnt in der Familie.“ Auch Jörg Haider selbst hatte sich stets als entschlossener Ritter gegen den Suff gezeigt. Bei einer Pressekonferenz am 7. November 2006 bekräftigte der Landeshauptmann, er sei „scharf dagegen, Jugendlichen die alleinige Schuld anzulasten, wenn sie in Gaststätten übermäßig Alkohol konsumieren“.

Was hiermit bewiesen wäre.

Von Herbert Lackner
Mitarbeit: Martina Lettner