"Always Franco": Spanischer Künstler wegen Skulptur angeklagt

Fehlende Vergangenheitsbewältigung: Der spanische Künstler Eugenio Merino wurde für seine lebensgroße Skulptur des Diktators Franco angeklagt.

Auf der Madrider Kunstmesse ARCO sorgte der spanische Künstler Eugenio Merino mit seinem Werk "Always Franco“ 2012 für Aufsehen. Er zeigte eine lebensgroße Figur des ehemaligen spanischen Diktators Franco, in Militäruniform eingezwängt, in einer Coca-Cola-Getränkemaschine. Wie ein gekühltes Getränk halte sich auch Franco mit seinem politischen Erbe noch immer frisch in der heutigen Gesellschaft, erklärt Merino im profil-Gespräch. Eine Vergangenheitsbewältigung habe nicht stattgefunden, viele Schergen des Regimes säßen nach wie vor in Schlüsselfunktionen, eine Verurteilung von Francos Verbrechen stehe aus, Opfer seien noch nicht entschädigt worden, klagt der Künstler.

Wie Recht Merino damit hat, erkennt man daran, dass er nun selbst angeklagt wurde. Die faschistische Franco-Stiftung zeigte ihn wegen Ehrverletzung des Diktators an. "Ehre“ gehe per Definition mit Moral, Respekt, heldenhaftem Verhalten einher. "Doch was hat Franco damit zu tun, der für den Tod hunderttausender Menschen verantwortlich ist? Uns kommt doch auch nicht in den Sinn, die Ehre Hitlers und seiner Werte zu verteidigen“, sagt Merino. Die zuständige Richterin sieht das anscheinend ähnlich, immerhin lehnte sie die Anzeige vergangenen Mittwoch ab.

Unterdessen bekundeten Künstler wie Fernando Sánchez Castillo und Santiago Sierra in Madrid mit einer Ausstellung anti-franquistischer Kunstwerke ihre Solidarität mit Merino. Die Franco-Stiftung will nun in Berufung gehen und auch die anderen Künstler verklagen. Die Aufruhe um seine Skulptur bestätigt Merino darin, dass Franco in weiten Teilen der Bevölkerung, der Politik und in der Justiz noch immer unantastbar zu sein scheint. Zumindest kommt die Anzeige Merinos Versuch entgegen, mit seinem Werk einen Anstoß zum gesellschaftspolitischen Umdenken zu geben - auch wenn er in diesem Jahr nicht mehr zur ARCO eingeladen wurde.

Manuel Meyer