Im Klub der toten Dichter

Die britische Soulsängerin Amy Winehouse ist am Samstag mit nur 27 Jahren gestorben. Nachruf auf eine exzentrische Ausnahmekünstlerin.

Von Philip Dulle

Im grellen Licht der britischen Yellow-Press darf Amy Winehouse jetzt noch ein allerletztes Mal strahlen. In den letzten Jahren war das der britischen Soulsängerin weniger oft gelungen. Da war meistens eine durch Drogen- und Trinksucht gebeutelte Existenz zu sehen, die exponentiell zur eigenen Unvernunft auch noch jeden Tag für einen kleinen Skandal gut war und sich und ihre Fans bereits medial auf den frühen Tod einzustellen vermochte. Es stellte sich nie die Frage nach dem warum, sondern nur nach dem wann.

Amy Jade Winehouse, am 14. September 1983 als zweites Kind der Apothekerin Janis und des Taxifahrers Mitch Winehouse in London geboren, gelang mit ihrem Debütalbum „Frank“ 2003 ein großer Kritikererfolg; eine Mischung aus dem US-Soul der Sechziger, HipHop-Versatzstücken und R&B, dazu die unnachahmliche Stimme einer Unangepassten im Showbusiness.

2006 schuf sie ihr Meisterwerk „Back to Black“, das erst ein Jahre später zum Welterfolg avancierte und folgerichtig 2008 mit fünf Grammys bedacht wurde und das weitere Leben der Sängerin schon vorweg nahm: Winehouse besingt auf ihrem letzten Studiowerk die kleinen und großen Tragödien des Lebens, erzählt von gebrochenen Herzen und dem Unwillen, sich in eine Rehaklinik einliefern zu lassen. Die Medien ließen Winehouse wiederum regelmäßig sterben und auch jetzt scheint es niemanden wirklich zu überraschen.

In den Jahren danach sah man Winehouse nur noch als tragische Figur. Ein verlorenes Stück Talent mit hochtoupiertem Haar, verschmiertem Lidstrich und spindeldürrem Körper. Eine vertrackte Ehe mit dem drogensüchtigen Blake Fielder-Civil zwischen Sucht, Gefängnis und Gerichtsterminen tat ihr übriges. Ihre Liveauftritte waren zudem teils sehr bizarr. Eine zuletzt verschobene, dann abgesagte Tour hätte Amy Winehouse ursprünglich auch ins burgenländische Wiesen führen sollen. Der missglückte Auftritt zum Tourauftakt in Belgrad, bei dem Winehouse zu betrunken zum Singen war und torkelnd die Bühne verlassen musste, ließ die komplette Tournee kippen.

Winehouse, die Anfang des Jahres noch einen Alkoholentzug erfolgreich abgeschlossen hatte, reiht sich somit in eine Reihe mit namhaften Künstlern wie Jim Morrison, Kurt Cobain, Jimi Hendrix und Janis Joplin, die den schmalen Grat zwischen Talent, Selbstzerstörung und medialer Öffentlichkeit nicht zu meistern im Stande waren. Die Sängerin mit der rauen Soulstimme wurde am Samstag tot in ihrer Londoner Wohnung im Stadtteil Camden aufgefunden. Amy Winehouse wurde 27 Jahre alt. Wie passend.