Aufzeichnungen jenseits des Atlantiks

Sei nett zu deinen Fans und statte ihnen einen Besuch ab. Der Wiener Multiinstrumentalist Matthias Frey alias Sweet, Sweet Moon versucht in Südamerika samt Entourage herauszufinden, warum er auf der anderen Seite des Atlantiks so viel Zuneigung bekommt. Der Tourblog.

Fuck The Atlantic Ocean
Tour Diary

07.03.2013
Ein ungewöhnlicher Donnerstag

Unser Riesenflugzeug landete um etwa 9 Uhr in Buenos Aires. Erledigt wie Balletttänzerinnen nach einer Aufführung des Nussknackers trotten wir nach 13 Stunden im Gänsemarsch aus dem metallenen Koloss. Simon, Matthias, Lukas, Sarah, Michael und Frau Violoncello. Handys deklarieren oder nicht? Bevor wir drei Mal „Que es eso? Eso es queso“ sagen können sind wir auch schon in der freien Wildbahn. Schnell schließen wir Bekanntschaft mit Nicolas und Sebi und noch einem Amigo, die uns für die ersten Tage aufgenommen haben. Rasante Autofahrt! Ziel: Casa Presa. Ein Paradies, schöner als das Schlaraffenland, eröffnet sich vor uns. Bier, Pizza, Cigarillos locos! Traumhafte Stunden... Jetzt aber los, Gitarre kaufen. Also auf in die Musikinstrumentenstraße Talcahuano. Die U-Bahn gleicht einem Mastviehbetrieb für Menschen. Nach etwa 17 Besuchen in ausgezeichneten Gitarrenläden fanden wir das passende Objekt der Begierde. Das Holz war nicht einwandfrei verarbeitet – 530 Pesos. Ein Schnäppchen, die billigste Gitarra in Town versicherte uns der Verkäufer. Nächster Termin: Interview mit dem Buenos Aires Musikblog Indie Hearts. Sehr viele Fragen stellt das Mädchen. Es gibt auch Bier. Zurück nach Casa Presa! Das Jazz-Konzert dort hat bestimmt schon angefangen. Es ist geil. Party bis in den Morgen. Gute Nacht, Casa Presa, wir sehen uns morgen!

08.03.2013
Pizza, Boot und Lungenschmerz

Früh morgens in Casa Presa. Der erste auf den Beinen ist Lukas. Er hat einige dringende Termine im Badezimmer. Sie ließen sich nicht verschieben. Später kriecht auch der Rest aus seinen Löchern. Pizza zum Frühstück? Eine Option, aber besser doch Tomaten-Käse-Eierplatte mit Zwieback. Voll viel Mate-Tee. Auch ein bisschen Cigarillo loco. Nicolas packt die Gitarre aus. Sweet Music schallt durch Casa Presa. Diese herzhafte Stimmung wird nur von den zermürbend lauten Riesengrillen durchdrungen, welche hier ihr Unwesen im Gegensatz zu den heimischen tagsüber treiben. Nächster Termin: Tigre. Wir wollen Bootfahren. Hinein ins Tigre-Delta. Auf dem Gelände eines abgehausten Hotels auf einer Insel schießen wir ein professionell produziertes Video. Aber Achtung – wir müssen das letzte Boot erwischen. Auf der Fahrt macht sich Lukas vermeintliches Lungenleiden stark bemerkbar. Er kann die Bootsfahrt nicht sehr genießen. Es wird sogar so unerträglich, dass er mit Sarah ins Krankenhaus fährt. Für nur 300 Pesos gibt’s dort sogleich eine Untersuchung. Die Diagnose ist glücklich. Es ist nicht die Lunge, sondern – wer hätte es gedacht? - das Zwerchfell. Ein Virus ist der Verursacher. Tabletten werden gekauft und eingeworfen. Endlich zurück in Casa Presa. Das nächste Jazz-Konzert wartet bereits. Noch mehr crazy people tummeln sich herum als gestern. Wieder mal wird es sehr spät. Mitternachtssnack um halb 5.

09.03.2013
Ein fulminanter Abend

Gestern war Weltfrauentag. Davon haben wir kaum was mitbekommen. Eigentlich gar nichts. Es ist ein ungewöhnlich trüber Tag heute in Casa Presa. Hoffentlich wird es schön bis zum Abend, denn heute ist der erste große Schicksalstag. Matthias, Lukas und Nicolas studieren ein Lied über Nina ein, die Hündin des Hauses (und The Queen Of The Street). Alle sind sich sicher, dass dies der neue Sommerhit wird. Die Wettersituation verschlechtert sich zusehends. Alle starren mit zuversichtslosen Blicken gen Himmelszelt. Dann ist es soweit: Regen. Heute kein Konzert im Garten, wenn das so bleibt. Trotzdem nähert sich der Abend. Das Publikum vergrößert sich unproportional zur Anzahl der Regentropfen, welche vom Himmel fallen. Das ist gut, wie wir meinen. Dann geht’s los! Zuerst eine Show drinnen. Dann bei sternenklarem Himmel draußen, akustisch und mit Nicolas als Local Guest Star! Aus, wir sind fertig – Begeisterungsstürme. Viele Fotos, viele Gespräche, und viel Fernet. Geile Party! Sie scheint auch gar nicht aufzuhören und plötzlich gibt’s schon wieder Frühstück. Siehe 10. März.

10.03.2013
Vamos a la placha!

Frühstück um 9, und alle sind da! Jeder ist gekommen, um sich zu verabschieden. Nina, Nico, Alex, Maxi, Sebi und wie sie alle heißen. Ein fröhlich-trauriges Abschiedsfest. Geschenke und Küsse werden ausgetauscht. Matthias und Lukas bekommen Fußballtrikots von Maxi („I heard you talkin' about football two times and you wore that trikot. That's all I needed to know.“). Lukas schenkt im eine Ausgabe des Standards von letzter Woche. „Woah! Look at the quality of the pictures, man! It's amazing! No, really, it's unbelievable.“ So, hurtig in die Stadt. Müssen unseren Bus abholen. Moderne untermotorisierte Kraxn mit goldgrünem Lack und Reflektoren rundherum. Ein Überschlag kostet uns am meisten, erklärt die Vermietungsfrau. Auf nach Mar del Plata.

Angekommen. Noble Gegend. Feines Kaffeekränzchen mit unserer Gastgeberfamilie. Nice. Auf zur Venue. Absolut abgefahrene 3D-Masken mit 2D-Körpern hängen dort herum. Crazy party! Achso, vorher noch Konzert. Der größte Erfolg seit dem 9. März 2013. Der harte Kern, begleitet von Freund Laphroaig geht in die Tangobar. Die zwei Typen dort spielen echt gut Gitarre. Wenn man ihnen Geld gibt spielen sie weiter. Doch irgendwann schreien alle: Vamos a la placha! Gesagt getan. Es wird fett gebadet. Was für ein Spaß. Nebenbei geht die Sonne auf. Deshalb fahren wir mit der Maschina Frühstück kaufen und frühstücken in eine Mädchenwohnung. Musik, Fotos, Kaffee, Whiskey. Mit dem Taxi nun aber wieder dorthin, wo wir hätten schlafen können.

11.03.2013
Völlerei und Schlaglochparty

Der Tag beginnt im Garten. Sonnenschein. Ein Morgen, als wollte er sagen: „Steh auf und genieße mich! Frühstücke mit deinen Gastgebern im Garten und lass die Seele baumeln! Ich kümmere mich um den Rest.“ Und wir denken uns: „Ja herrlich ist das. Was würden uns die kalten Gemüter in Österreich beneiden, könnten sie uns so sehen.“ Später gibt’s noch Mittagessen, auch im Garten. Ein üppiges Mahl. Deshalb trinken wir danach gleich mal Schnaps mit unseren Gastgebern. „If you drink it every morning you'll never become sick“, erklären wir ihnen. Danach wird’s wieder traurig, weil wir den tollen Ort verlassen müssen. Mit unserem Fetzomobil fahren wir nochmal zur Venue, weil dort noch der Karton mit den CD's liegt. Wieder zum Strand. Angeblich der schönste Argentiniens, wie die Einheimischen stets betonen. Niemand von uns könnte ihnen widersprechen. Danach wird der Tag recht fad. Nur Autofahren Richtung Córdoba. Zwischendurch springt der Bus wieder mal nicht an, in den Empanadas ohne Fleisch ist Schinken drin und das Reparieren unserer Mikrofone kostet nur 25 Pesos, weil Arbeitszeit hier nicht verrechnet wird sondern nur Material. Business as usual. Könnte man aus toten Hunden, Schlaglöchern und Rücksichtslosigkeit Straßen bauen, die Autobahnen würden aussehen wie in Deutschland. Irgendwann freuts uns nicht mehr fahren. Wir checken uns ein Hotel namens Libertad. Es hat vier Sterne aufgemalt, kostet aber trotzdem nur so 16 Euro pro Person. Argentina got it all! Das Einzige, was wir heue noch fertig bringen, ist die 70 TV-Kanäle durchzuzappen, die es hier gibt. Was für ein Angebot: Gameshows, Talkshows, Quizshows, Kindershows. Shows, Shows, Shows! Letztendlich entscheiden wir uns dann doch für Starship Troopers auf Spanisch. Es ist zwar recht aufregend, aber trotzdem schlafen alle dabei ein.

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Woche 2

Von Lukas Pöchhacker

12.03.2013
Dancing Like Falco

Was für ein Tag. Unsere noble Herberge bietet uns ein vorzügliches Frühstück. Typisch Argentinisch – kaffeeähnliches Wasser, crackerähnliche Brötchen, Butter & Marmelade. Was will man mehr? Wo führt uns der Vogel auf dem Navigationsgerät wohl heute hin? Ah – Córdoba! Ein anderes Vögelchen hat uns nämlich gezwitschert, dass dort heute ein Konzert stattfinden soll – mit unserer Beteiligung! Ein steiniger Weg und die Mistkarre macht schon wieder Probleme – eigenwillig wie sie ist, möchte sie manchmal nicht starten. Ob es daran liegt, das wir nicht „Euro-Diesel“ tanken, wie uns die Vermieterin befohlen hatte? Pah, wohl kaum! Córdoba ist nicht schlecht. Wir begeben uns gleich zur Venue. Dort erwartet uns schon Falcon, unser Freund. Er hat uns eingeladen zum Spielen und macht selbst die Vorband. Netter Kerl, hat sogar eine Übersetzerin mit im Gepäck, die uns mit „Was ist los?!“ begrüsst. Falcon teilt Zettel auf den Tischen zum Mitsingen aus! Sehr sympathisch. Nach Falcons krasser Performance inklusive Beatles-Cover geigen wir auf. Kommt ganz gut an bei den Gästen, weniger bei den Nachbarn. Wir tratschen mit ein paar netten Leuten, Julian zB – der hat Geburtstag morgen und kennt uns von YouTube! Seine Cousine ist auch da. Nach den Formalitäten geleiten wir Falcon und seine Freunde in eine Disco. Das In-Getränk heißt „Vodka Apple“. Ziemlich stark. Ab ins Bett. Wir schlafen bei Falco, wie wir ihn nennen.

13.03.2013
Papa Burzltag

Liebes Tagebuch, ist es zu glauben? Als wir in Rom waren letzen Monat hat der Ratzinger den heiligen Löffel weitergegeben und heute?! Wir sind da wo der neue Papa herkommt! Always in the right place! Falco ist außer sich. Er ruft sofort seine Oma an. Die schreit nur wild in den Hörer. Krass! Wir checken mal aus und verabschieden uns herzlich. Auf zur Kathedrale am Plaza San Martin – wohin sonst? Nette Gegend, wir spielen ein schönes Lied, obwohl es schon ein bisschen regnet. Prompt bleiben ein paar Leute stehen, hören zu, klatschen. Wir schleichen uns wieder – es pisst. Ein Fußballspiel solls heute geben. Nichts wie hin! Scheiße, falsches Stadion. Auf zum anderen Ende der Stadt. Richtiges Stadion. Echt viel Polizei. Schaut aus als würden sie sich für einen Krieg rüsten. Wie römische Legionäre mit Schildern und Helmen marschieren sie auf – wie bei Asterix & Obelix. Naja. Rein kommen wir nicht, wollen wir auch nicht, man hört Explosionen von drinnen. Fahren wir doch zu Julian, der hat heute Burzltag. Nach langer Suche finden wir endlich den Gatschweg, wo er wohnt. Der dumme Navigationsvogel wollte wieder mal lustig sein. Blödes Vieh. Wo sind wir da hinein gekracht? Eine riesige Geburtstagsfete. Mama, Papa, Onkel, Tante, Oma, Opa, ein Haufen Freunde – alle sind sie da! Und wir. Nette Party – es wird musiziert. Wir lauschen argentinischen Liedern, die Argentinier lauschen uns – gute Stimmung. Julian ist sichtlich stolz auf seine Gäste aus Übersee. Jetzt ist er 17. Als Belohnung für unsere Anwesenheit dürfen wir sogar dort schlafen. We like! Good day!

14.03.2013
Ein fleißiger Tag und so

„Aufstehen, aufstehen!“ Wir sollen schon weg sein seit einer halben Stunde. Es ist 7:30. Julian und sein Papa haben verschlafen. Die Party dauerte wohl doch zu lang. Sie bleiben trotzdem freundlich. Dieses Volk ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Hundemüde machen wir uns auf den Weg – Wohin? Erst mal zur Tankstelle. Immerhin brauchen wir Frühstück. Voll gut. Langsam gewöhnen wir uns an den Kaffee hier. Dazu Medialunas – what else? Nun müssen wir nach Norden. Endlos lange kerzengerade Straßen, Steppen, Berge, Wüste – einfach alles. Esel, Pferde, Hunde, und noch mehr. Am Weg spielen wir ein lustiges Lied bei einem kaputten Bus im Nirgendwo. Kulissen wie man sie nur in Hollywood findet. Unser Ziel ist San Miguel de Tucumán. Es gilt, eine Show aufzustellen. Irgendwer hat uns einen Kontakt gegeben. Dort gehen wir hin, essen und warten auf den rothaarigen Typen. Er schaut irisch aus. Die Venue ist ziemlich fancy. Er kennt uns zwar nicht, aber er meint, wir können morgen ein Konzert spielen – gleich nach dem Kinofilm für Blinde. Ziemlich nice – kurzfristig, aber machbar. Tüchtig waren wir heute.

15.03.2013
Ballett und neue Gehirnregionen

So. Jetzt sind wir also in Tucumán. Lustiger Name. Am Abend spielen wir Konzert in dem fancy Restaurant. Diese Info muss unter die Leute. Zuerst mal die Stadt erkunden. Mhm, ja, ein Park. Und dort ein nettes Ecklokal – Cerveza, Pause. Aber da drüben auf der anderen Straßenseite im ersten Stock, da tanzen Ballerinas. Wär doch cool, wenn die zu unserem Walzer tanzen. Es gibt nur einen Weg das rauszufinden. Der Rest ist Geschichte. Na gut – Hauptplatz. Geige & Cello ausgepackt und drauf losgespielt. Schließlich soll wer zum Konzert kommen am Abend und ein paar Pesos verdienen kann nicht schaden bei den Kartoffelchipspreisen hier! Einige Leute hören uns zu und werfen Geld in den Cellokoffer! Danach noch Freestyle-Session mit der Tucumánian Youth HipHop Crew. Super Typen, nicht schlecht drauf. Wir müssen zum Soundcheck. Der Soundmaster vor Ort ist ein absoluter Vollprofi. Der Mann weiß was er tut. Der Film für Blinde fällt aus, weil nur drei gekommen sind. Wir starten so um halb zwölf. Und siehe da: Alle sind gekommen. Die HipHop Amigos, die Ballerinas and many more. Auch der vermeintliche Ire ist da. Volles Haus! Bzw. Garten, wir spielen nämlich Open Air. Das Wetter hat gehalten. Wir Glückspilze. Der eine HipHop Amigo sagt, dass unsere Musik ihm neue Gehirnregionen erschlossen hat. We say: Good day!

16.03.2013
On The Road

Wieder mal früh aufstehen – so ein queso. Aber versprochen ist versprochen. Die Ballerinas haben uns gestern eingeladen um 10:00 früh zu ihrer Freedance Sessions zu kommen und sie musikalisch zu untermalen. Ziemlich lustig. Das macht uns Spaß! Eine Gruppe von gefühlten 20 TänzerInnen bewegt sich zu unserer modernen Klassik. Nun sollten wir aber weiter nach Norden – immer nur Norden. Der Weg geht steil bergauf. Unser Vehikel ist kurz vorm Kollaps. Hinzu kommt Nebel, so dicht wie Zuckerwatte. Und in dieser Watte kuscheln auch noch einen Haufen Pferde. Augen zu und durch. Irgendwann kommen wir nach Cafayate. Ein düsteres Städtchen mit hellen Gemütern. Nun lernen wir argentinische Verhandlungsstrategien kennen. Der Hostal Besitzer handelt uns von 600 auf 500 Pesos runter. Na gut, wir nehmen an. Zum Abendessen gibt’s Humitas. Geiler Scheiß. Eine wilde Hochzeit braust durch die City. Die Leute hier wissen, wie man feiert. Huhui!

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Woche 3

17. März 2013
Inka-Bier?

Los gehts! Unzählige Kilometer liegen noch vor uns bis wir dort hinkommen, wo wir hinwollen. Fahren, fahren, fahren. Der Kompass zeigt nach Norden. Da, ein Schild: „Quilmes“. Nice! Das heißt ja wie das hiesige Bier. Da fahren wir hin. Okay okay… Das sind Inka-Ruinen. Ziemlich beeindruckend, und das kraxeln auf die Berge rundherum tut uns auch nicht schlecht. Die Aussicht schaut aus wie die Landschaft in dem Computerspiel „Red Dead Redemption“ wenn man in Mexiko ist. Hier kann man auf Eseln reiten. Diese stehen übrigens auch auf Gehsteigen herum. Manchmal hört man sie brüllen in der Dunkelheit der Nacht. Diese Esel …

18. März 2013
Salta

Juhu! Endlich haben wir es geschafft. Endlich sind wir in Salta. Hier gibt’s ein Bier namens Salta. Salta ist die Hauptstadt der Provinz Salta. Salta wird in Salta gebraut. Salta ist auch ein Brettspiel, so ähnlich wie Dame. Aber was tun wir hier eigentlich? Es gibt doch hier gar kein Konzert. Naja. Salta sollte man auf jeden Fall gesehen haben! Da stehen Polizisten auf kleinen Podesten. Hunde sind so üblich wie überall. Ein Wohlfühltag.

19. März 2013
Goldgräber und das einäugige Pferd

So. Schnell weg. Genug von dieser langweiligen Stadt. Hier kann man echt nicht viel tun. Aber den Schlaf dort möchten wir nicht missen. Jetzt aber in den richtigen Norden! Die Strecke ist schon wieder ziemlich weit. Die Gegend ziemlich wüstenmäßig. Unser Vehikel befördert uns nach Tilcara. Super Dorf. Voll gestopft mit Touristen, Touristen wie wir. Auch hier gibt’s Inka-Ruinen. Diese sind uns aber zu weit weg. Wir fahren zurück zu diesem anderen kleinen Ort, wo so ein lustiger bunter Friedhof auf einem Berg war! Wir kommen an, es ist schon verdammt dunkel. Die Straßenlaternen bleiben unbestromt. Wir kehren in ein nettes Haus ein. Ein Bewohner erzählt uns, dass das 2 Briten gebaut und Gold darunter vergraben haben oder so ähnlich. Egal, wir habens natürlich gleich aufgenommen. Das Häuschen ist echt nett. Super Garten hinten mit einem einäugigen Pferd. Hunger. Essen gegenüber bei einer Familie, die fremde Leute für wenige Pesos bekocht. Das ist toll! Das ist doch mal was. Am liebsten würden wir diese Familie gleich mitnehmen, damit sie jeden Tag für uns kocht, so gut ist das Menü! So, jetzt wollen wir noch in die Peña und uns ein bisschen Musik von hier zu Gemüte führen. Vielleicht können wir ja auch was spielen dort. Wir kommen hin. Die Bude ist menschenleer. Der Fernseher läuft auf voller Lautstärke und es läuft ein ziemlich brutaler Actionstreifen. Man hört nur Explosionen und Maschinengewehrsalven. Eine angenehme Atmosphäre. Hat man nicht jeden Tag. Wir gehen lieber wieder.

20. März 2013
Wannabe

Aufgewacht, die Sonne lacht. Das wundervolle Ambiente hier müssen wir gleich ausnützen und drehen wie die Wilden. Unter Einbeziehung der Küche, des Gartens, des Pferdes, eines Bewohners. Das schaut dann sicher super aus im Film. Wir sind zufrieden. Heute wollen wir in eine Salzwüste fahren. Oder zu einem Salzsee? Keine Ahnung. Der Autor entschuldigt sich für die Ungenauigkeit, allerdings haben wir das besagt Ziel nie erreicht. Unser koreanisches „Automobil“ packt die Steigung nicht. Irgendwann leuchtet alles bunt und das Kühlwasser kocht. Also wieder runter. Im Bus hören wir übrigens ausschließlich Spice Girls und die Hupe.

21. März 2013
Difunta Correa protege mi Hyundai!

Ja. Wir fahren immer noch. Ohne Stopp. Gepisst wird in riesige Plastikcontainer, welche wir mitführen. Wir können uns keine Stopps mehr leisten. Mit Coca-Blättern wird durch die Nacht gebraust. Egal, ob da eine richtige Straße ist oder nicht! Nur nicht stehen bleiben, sonst bleiben wir im Sand stecken! Manchmal gehen Flüsse über die Straße. Also eigentlich gar nicht so selten. Man weiß nie wie tief sie sind. Einmal bleiben wir doch stehen, denn SO einen Sternenhimmel haben wir noch nie gesehen! Mitten in der Wüste. Die Milchstraße über der Asphaltstraße, kitschiger als jedes Liebeslied schaut das aus. Wieder hört man Eselgeschrei. Irgendwann gibt’s mal einen Sonnenaufgang und Frühstück. Die Tage fließen ineinander, wie die Flüsse über die Straßen. Und dann kommen wir zu einem sehr merkwürdigen Ort. Es ist der Ort, wo jeder Argentinier und jede Argentinierin einmal hinpilgern sollte. Dort ist nämlich die Difunta Correa begraben. Schutzpatronin der Reisenden. Also auch unsere. Man geht da rauf auf einen Berg und opfert ihr Plastikflaschen. Oben gibt’s auch ein hübsches Plastikflaschenfeuer (und ich dachte, nach dem einäugigen Pferd ich hätte schon alles gesehen!). Zu Ostern pilgern zehntausende Menschen zu der Statue, welche eine Oben-ohne Frau zeigt, die tot am Boden liegt und ein Baby, welches an ihrer Brust nuckelt. Wir kaufen uns Sticker und T-Shirts. Man kann nie beschützt genug sein!

Achja, mittlerweile bewegen wir uns schon wieder nach Süden. Wir müssen heute nämlich nach Mendoza, der Weinhauptstadt. Da spielen wir in einem neuen riesigen Konzerthaus. Es erinnert ein bisschen an das Festspielhaus in St Pölten, nur größer und anderes Aussehen und eigentlich ist es eh nicht so wie das Festspielhaus in St Pölten. Wir teilen uns die Bühne mit zwei wirklich netten jungen Herren und improvisieren auch einen argentinisches Gassenhauer mit ihnen auf der Bühne. Die Hälfte von uns schläft bei einem von ihnen. Er heißt Frederico.

22. März 2013
Asado as usual

Das Wetter hier in Mendoza ist wie jeden Tag bezaubernd. Man muss nämlich wissen, stünde hier keine Stadt, es wäre eine Wüste. Dadurch regnet es nur alle heiligen Zeiten. Wir cruisen ein bisschen durch die Stadt in einen schönen Park nach europäischem Vorbild. Eine Mischung aus französisch- und englischem Garten. In der Mitte ein ziemlich verdreckter See. Schwimmen verboten. Schade. Heute Abend gibt’s eine Grillerei, auch Asado genannt, auf einer Dachterrasse mitten in der Stadt. Dort sollen auch wir was zum Besten geben. Wir denken uns nicht viel und fahren hin. Was uns erwartet ist eine hochprofessionelle Anlage mit allem drum und dran! Das hatten wir nicht erwartet, deshalb holen wir doch noch unseren Koffer mit den verschiedenen Elektrokastln, die unsere Instrumente zu ohrenbetäubenden Klängen veranlassen können. Es spielen auch andere Bands. Eine richtig gute Feier. Sogar die Polizei kommt zu Besuch. Ihr wird allerdings keine Beachtung geschenkt, darum fährt sie wieder nach Hause. Morgen müssen wir früh aus den Federn, da wir einen Bus nach Chile zu erwischen haben. Ob das gut geht?

23. März 2013
Ein einziger Apfel kann teuer werden

Keine Ahnung, wie wir das geschafft haben, aber wir sitzen alle in einem riesigen Bus, der Richtung Chile fährt. Der Tag beginnt gut. Irgendwann kommen wir zur Grenze. Die GrenzbeamtInnen sind auf Früchte aller Art aus. Sogar Fruchtsuchhunde kommen zum Einsatz. Auch Röntgengeräte. Jeder kleinste Winkel wird durchsucht, ob nicht doch irgendjemand irgendwo vielleicht eine kleine Rosine versteckt hat. Aber bei all der Anstrengung, sie finden keine Schmuggelware. Und die von Simon deklarierten Baby-Kakteen, welche er so gerne einführen wollte, werden nach kurzem Zögern konfisziert. Die restlichen argentinischen Pesos werden für Apfelsaft ausgegeben. Ja, in Saftform ist das kein Problem. Ziemlich spät kommen wir in Santiago de Chile an! Nur ca. 2 Stunden Verspätung. Schon wieder haben wir einen Termin. Bei den chilenischen They Shoot Music. Sie wollen uns interviewen und das tun sie auch. Sehr nette Menschen sind das! Außerordentlich nett. Wir freuen uns schon auf morgen. Da gibt’s nämlich wieder mal Asado!!! Und wieder dürfen wir dabei ein paar Gstanzln spielen. We like.

24. März 2013
I do everthing I do with love

What a day, what a day. Ein sehr sonniger Sonntag. Unsere Venue heute ist tatsächlich ein kleiner Garten Eden mit Grillerei. In direkter Nachbarschaft machen wir Bekanntschaft mit einer älteren aber sehr rüstigen Dame. Sie betreibt einen unglaublich schönen Antiquitätenladen. Sie ist ziemlich cool. Meist sitzt sie vor dem Geschäft am Gehsteig und renoviert ältere Möbelstücke. Das einzigartige Ambiente in ihrem Shop nutzen wir natürlich gleich für ein bisschen Musik. Auch die netten Leute von Music Thinking Project zeigen uns einen netten Platz zum Spielen. Der Platz ist auch gleichzeitig ein Kreisverkehr. Im Anschluss spielen wir in dem besagten Garten. Um das alles zu beschreiben reicht wohl ein Wort aus: schön.

Später gehen wir noch fein Papas Fritas essen in ein nobles Restaurant. Auch das Nachtleben von Santiago kann sich sehen lassen. Dafür, dass Sonntagnacht ist treiben sich ziemlich viele Trommler beim Würstelstand herum.

25./26. März 2013
dog-town

Heute geht’s nach Valparaiso. Das ist ein Weltkulturerbe! Schade, dass wir unseren koreanischen Kackvan nicht mehr haben. Aber wir lieben die öffentlichen Busreisen mit unseren ca. 25 Gepäckstücken. Was kann man über Valparaiso sagen? Es besteht aus Hügeln, einem riesigen Hafen, Hunden, wackelig coolen Gondeln mit Jesus oben drauf und einer einzigartigen Architektur. Mit unglaublich schnell fahrenden und wohl ziemlich alten Bussen fetzen wir über die Hügel durch die Stadt. Mit diesen klapprigen Gondelliften fahren wir auf und ab. Man sieht schon, eine Stadt, welche sich schwer beschreiben lässt. Nur soviel: Es wurde uns erzählt, dass einmal im Jahr das Militär alle Hunde erschießen lässt. Die Einwohner der Stadt verstecken diese allerdings zu Tausenden in ihren Häusern und Wohnungen. Wenn der Spuk vorbei ist, werden alle gleichzeitig auf die Straße entlassen. Ein riesiges Chaos in der Stadt! Alles voller Hunde, nichts geht mehr und alle freuen sich! Das Konzert, welches wir spielen, bestreiten wir gemeinsam mit Pascuala Ilabaca, eine Berühmtheit und ausgezeichnete Quetschnspielerin. Das Konzert spielt sich in einer ausgebrannten Villa im kleinen Rahmen ab. Es ist die Ruine der dänischen Botschaft. Die Dänen hatten bei einer Party vergessen den Kamin auszumachen… Gut für uns. Im Hintergrund hört man die gesamte Stadt mit den chilenischen Fußballathleten gegen Uruguay mitfiebern. Jugendliche verkaufen uns selbstgebackene Küchlein auf einer Stiege. Sie schmecken sehr gut.

27. März 2013
The End

Der letzte Tag bricht an. Wir sind ziemlich traurig, haben aber keine Zeit um traurig zu sein. Die Seelöwen warten schon!!! (Die schauen wirklich aus wie Löwen mit kleinen Ohren und einem Fischkörper und sind überhaupt ziemlich witzige Tiere)

Auf zum Strand. Endlich haben wir das Ziel unserer Reise erreicht: der pazifische Ozean. Er ist groß und kalt. Wann werden wir den wohl ficken? Vielleicht nächstes Jahr.