<i><small>Autodrom: David Staretz</i></small>
Kleiner Kommunikator

Toyota Auris oder: die Digitalisierung des Autofahrens nach dem Prinzip on/off.

Dort, wonach sich keiner umdreht, aber alle kaufen, also in der so genannten Golfklasse (aus der allerdings der Golf schon längst rausgewachsen ist), also mitten im dichten Geschiebe zwischen Nützlichkeit, Vernunft und Grundkomfort, dort fährt auch Auris, der Nachfolger des Toyota Corolla. ­Corolla, das war ja bis vor Kurzem selbst so ein Synonym gefälliger Grundanforderung an das Mittelmaß der Mobilität, so langweilig, dass er nicht einmal Pannen oder Defekte hatte.

Also beschloss man, einen pfiffigeren Namen für den fälligen Nachfolger zu wählen. Warum dann Auris rauskam, ist Sache der deutschen Agentur Nomen, die auch für Kia Picanto, VW Touran, Mercedes Atego und Persil Actic Power zuständig ist. Auris. Von Gold abgeleitet. Na ja. Das hätten sie von mir ­billiger haben können.

In seiner Unauffälligkeit, an der kein Vorbeikommen ist, verkauft sich der Auris auch ganz gut, 2400 Exemplare sollen es heuer in Österreich noch werden, davon 400 in Hybridversion. Hybrid, das kennt man inzwischen vom Celebrity-Toyota Prius (das waren noch Namen!), Hybrid steht also für eine gerade nicht genützte Antriebsquelle; entweder der Verbrennungsmotor steht still oder der Elektromotor. Zur Ehrenrettung: Bei Vollgas legen beide zusammen und retten so ihren Arbeitsplatz.

Der Auris kann diese Tricks auch, wobei er sich wie alle Hybrids darin gefällt, lautlos aus der Parklücke zu huschen, was den Frauen besonders imponiert, diese Lautlosigkeit des elektrischen Schnurrens. Aber da ist nicht einmal Schnurren, sondern nur angewandte Lautlosigkeit. Es gibt sogar einen Umweltzonen-Schalter, der es erlaubt, einige hundert Meter weit elek­trisch zu rollen bei Geschwindigkeiten nahe Tempo 50, darüber springt der Benzinmotor zu.

Aber in der Praxis ist man schnell auf Brumm, was vorbildhaft geschmeidig abläuft, unterfangen von einer fantastischen Getriebeautomatik, die, wäre der Auris ein Fotoapparat (schöner Name!), einen idealen Autofokus abgäbe.

Hübsche Symbole im Instrumentarium, cool hinterleuchtet, machen den augenblicklichen Antriebszustand grafisch klar, mit Motor-, Batterie- und Radsymbol. Wie im Trickfilm strömende Pfeilsymbole zeigen den Richtungsfluss an: von der Batterie zum Antriebsrad, vom Motor zum Antriebsrad, von Motor und Batterie gleichzeitig zum Antriebsrad (bei forciertem Gasgeben werden insgesamt 136 PS frei). Auch eine Belohnungsstufe ist eingebaut: Im Schiebebetrieb wird die Batterie aufgeladen, was sich am Fluss des Pfeiles und am Füllpegel des Batteriesymbols erkennen lässt.

Man wird ja ein emsiges Eichhörnchen, was das Stromsammeln betrifft, und ich wage zu sagen, dass der eigentliche Spareffekt im psychologischen Momentum liegt: Man wird durch die deterministische Umgebung zum Sparen angestiftet, achtet peinlich darauf, dass die Eco-Taste gedrückt, der Extra-Lade-Booster (mit erhöhter Motorbremswirkung) oft eingelegt und die Batterie immer gut gefüllt ist. Dann darf man sich auch ein „Excellent“ abholen, wenn man die Verbrauchsstatistik im History-Modus abruft.

Der Wagen selbst ist relativ gewichtig (zwei Antriebskonzepte schlagen halt schwerer in der Brust), was man beim Bremsen mitbekommt und in Kurven, wenn die Masse drängt. Dabei kann man aber erstaunlich flott unterwegs sein, auch wenn man eine Art außerkörperlicher Erfahrung hat in der Art, wie Antriebsgeräusch und Geschwindigkeitszustand voneinander entkoppelt sind. Im Grunde hört man nur zwei Erregungszustände: absolute Stille oder hysterisiertes Rauschen, das sich bei Tempo 100 genauso anhört wie bei Tempo 180, der Höchstgeschwindigkeit. Man könnte es die Entkoppelung des Autofahrens vom Vorankommen nennen, was jetzt esoterischer klingt, als es ist. Man kann es auch als On-/Off-Commuten bezeichnen, und auf eine dem Autofahren entfremdete Weise kann man sogar Spaß daran haben. Leute, die mit dem Brustton der Überzeugung vernehmen lassen, dass ihnen das Autofahren egal bis lästig ist, haben nun ihr – äh – Traumauto gefunden.

Was auch ein gewisses Commitment verlangt: Der Aufpreis zum vergleichbaren herkömmlichen Auris liegt doch bei rund 3000 Euro (allerdings abgefedert durch tolle Grundausstattung), der Kofferraum wird zugunsten der Batterie um 50 Liter kleiner. Immerhin ist die dadurch entstandene Stufe ganz praktisch, um Plastiksäcke oder Körbe anzulehnen.
Der Verbrauch, auf den alles hinzielt? Ich las vom Bordcomputer 5,1 Liter auf hundert Kilometer ab, errechnete aber auch Distanzverbräuche von 6,1 Litern zwischen Tankstellen, also immerhin. Hängt halt immer noch das meiste von der Fahrweise ab, auch bei den Spardosen.