Bei Bischof Elmar Fischer sollen Watschen an der Tagesordnung gewesen sein

Neue Vorwürfe gegen Bischof Elmar ­Fischer: Er soll Buben ­sogar beim Fußballspielen regelmäßig geohrfeigt und als Rektor im Marianum einem Schüler ­mittels Fausthieb eine Rippe gebrochen haben.

Der Auftritt war danebengegangen. Nachdem profil am Montag der Vorwoche berichtet hatte, der Feldkircher Bischof Elmar Fischer habe in den sechziger Jahren den heutigen Journalisten Vene Maier wegen einer Nichtigkeit dreimal zu Boden geschlagen, war Fischer vor die Presse getreten und hatte beteuert, sich an nichts zu erinnern. Nur so viel: „Bereits damals habe ich jegliche Form körperlicher Übergriffe abgelehnt.“ Außerdem sei er eben „nicht so programmiert“. Jedoch: Manchmal könne einem schon die Hand auskommen, das könne sich auch als hilfreich „für so junge Menschen“ erweisen. Ihm selbst sei das nur einmal passiert, der Betroffene sei später Priester geworden.

Die Empörung war groß.
Franz Lutz, Ex-Geschäftsführer der SPÖ in Vorarlberg: „Die offensichtlichen und schlechten Lügen sind unerträglich. Diese Person ist als Bischof untragbar. Entweder er geht, oder hunderte Vorarlberger werden austreten.“

Vene Maier und seine beiden damaligen und heutigen Freunde Anton H. und Herbert V. bestehen auf der Korrektheit ihrer Schilderungen. Sie würden diese jederzeit öffentlich wiederholen, auch vor Gericht. Maier: „Wir laden den Bischof auf eine gemeinsame Skitour ein, damit er sich mit uns gemeinsam in den Bergen besser erinnern kann.“ Doch seitens der Diözese Feldkirch habe ihn bisher nur ein Mitarbeiter Fischers angerufen und angekündigt, dass sich der Bischof melden werde. Und, so Maier: Er habe ihn aufgefordert, nichts an die Presse zu geben.

Der in Wien lebende Vorarlberger Robert Nagl, 58, ist eine jener Personen, die den Auftritt Fischers „nicht ertragen“ haben. Nagl erinnert sich an die sechziger Jahre, als ihn Elmar Fischer, damals Kaplan der Erlöserpfarrkirche in Rheindorf, zum Ministrieren brachte. Robert Nagl besuchte nach der Hauptschule das Tagesheim der katholischen Jugend, um seine Hausaufgaben zu erledigen. Zwei-, dreimal pro Woche wurde im Hof des Heims 45 Minuten lang Fußball gespielt. Fischer war, in der Soutane, mit von der Partie.

Falls Nagl sich richtig erinnert, dann waren Watschen für Fischer täglicher Ausdruck einer seltsamen Grundhaltung und nicht das Ergebnis einer einmalig ausgerutschten Hand. Wenn der Kirchenmann den Eindruck hatte, gefoult worden zu sein, habe er sich immer mit einem Gegenfoul revanchiert, für das er von jedem weltlichen Schiedsrichter die rote Karte bekommen hätte. Nagl: „Einmal traf ich nicht den Ball, sondern sein Bein, und im nächsten Augenblick schlug mir dieser 190-Zentimeter-Riese mit Händen wie Klodeckel voll ins Gesicht. Ich war geschockt. Das passierte drei- oder viermal. Dann bin ich weg und nie wieder zur Kirche zurückgekehrt.“ So sei es auch allen anderen gegangen, die Fischer beim Fußballspielen zu nahe gekommen waren.

Er sei nach einer „Diskussion“ mit Fischer im Spital gelandet, erzählt Bertram Geiger (Name geändert, Red.) Geiger lebt und arbeitet in Übersee und hat sich via Internet über Fischers „Erinnerungslücken“ geärgert. Er befindet sich beruflich in einer einflussreichen, internationalen Position und möchte aus familiären Gründen in der Öffentlichkeit vorerst anonym bleiben. Fischer, so Geiger, sei nicht nur beim Fußballspielen „regelmäßig“ gewalttätig geworden, sondern selbst beim Diskutieren. Geiger: „Er hat mir mit einem Fausthieb eine Rippe gebrochen, weil ihm meine Position nicht gepasst hat, die ich in einer Diskussion eingenommen hatte.“

„Diskussion“.
Abgespielt habe sich das alles im bischöflichen Knabenkonvikt Marianum in Bregenz, dem diözesanen Studieninternat, dem Fischer von 1970 bis 1982 als Rektor vorstand. Geiger maturierte Ende der siebziger Jahre. Der Vorfall müsse etwa 1975 passiert sein. Er, Geiger, und seine beiden Zimmerkollegen hätten sich in ihrem Dreierzimmer aufgehalten und über Ehefragen diskutiert. Rektor Elmar Fischer sei anwesend gewesen und habe die drei pubertierenden 16-Jährigen mit Verweis auf die Scheidungsrate aufgefordert, „den Mädchen beim Tanzen nicht zu nahe zu kommen“. Geiger: „Ich hab irgendetwas Lockeres gesagt, und mir ist bei dem Unsinn, den er erzählt hat, ein Lacher ausgekommen.“ Da habe Fischer sofort zugeschlagen. Geiger: „Mit der Faust in den rechten unteren Bereich meines Brustkorbs. Es hat sehr wehgetan, weil ich völlig unvorbereitet und entspannt war.“ Am nächsten Tag sei er ins damalige Bregenzer Stadtspital (jetzt Landeskrankenhaus) gegangen, wo er von einer Ärztin untersucht wurde (Name der Redaktion bekannt). Geiger: „Die Röntgenaufnahme hat eine gebrochene Rippe gezeigt. Man hat mir einen Rippengurt verpasst, und das war es dann.“

Geiger habe es irgendwann später seiner Mutter erzählt. Doch viel Aufregung habe man mit derartigen Geschichten damals nicht erregen können, weil Gewalt durch Lehrer oder Aufseher nichts Unbekanntes gewesen sei. Geiger: „Das war kein Einzelfall, auch andere haben ihn zu spüren bekommen. Fischer hat sicher nicht beabsichtigt, mir eine Rippe zu brechen. Es ist halt passiert. Der Rippenbruch war aber noch das Geringste. Die psychische Folter war viel schlimmer.“

Elmar Fischer will auf die Vorwürfe nicht eingehen.
Er ließ profil folgende schriftliche Stellungnahme übermitteln: „Um generell eine Überprüfung der – in so kurzer Zeit gar nicht überprüfbaren – Vorwürfe durchführen zu können und damit eine Vorverurteilung in der ­Öffentlichkeit zu vermeiden, ersuchen wir Personen, die sich geschädigt fühlen, mit der Ombudsstelle der Diözese Feldkirch Kontakt aufzunehmen. Diese wird Gespräche … mit Bischof Elmar Fischer arrangieren.“ Erst danach und nach eingehender Prüfung könne man zu den Vorwürfen Stellung nehmen.