Bernhard Rieder

Restaurant Graf Hunyady, Wien

„Dass ich ein Wilder bin, hab ich sogar schriftlich“, scherzt Bernhard Rieder und lacht sein (natürlich ziemlich wildes) Lachen. Dabei ist die Sache, auf die er anspielt, im Grunde alles andere als komisch. Fast hätte sie seine Karriere beendet, die in Reinhard Gerers Korso glänzend begann und ihn bald zum jüngsten Haubenkoch des Burgenlands (in der St. Margarethener Eselmühl) machte. Dann aber stolperte Rieder über seine eigene Wildheit: Ein blöder Scherz mit einem Lehrbuben im Ruster Inamera hatte im Jahr 2000 ein gerichtliches Nachspiel und sorgte in der lokalen Presse für einiges Aufsehen. Das Verfahren wurde nach einem langwierigen Hin und Her quer durch die Instanzen zwar eingestellt, Rieder hielt trotzdem nichts mehr in Österreich, er ging nach London. Zu einem Koch, der seinem Naturell entspricht: Marco Pierre White, dreifach Michelin-besterntes, kettenrauchendes Enfant terrible der britischen Küche, ein kulinarischer Popstar, wie ihn nur London hervorbringen kann.
Spätestens dort packte Rieder der unbedingte Wille zum Experiment, dem er sich nun, im gesetzten Ambiente des Restaurants Graf Hunyady an der Trabrennbahn Krieau, geradezu entfesselt hingibt. „Gekochte Avantgarde“ befand der Gault Millau, und angesichts von Gerichten wie einer „Mozartkugel“ aus Majoran-Petersil-Erdäpfelteig mit Spanferkelfülle oder einer in Whiskey und Schwarztee gekochten, mit Gänseleber gefüllten Birne kann man diesem Urteil schwerlich widersprechen. Rieder selbst kann mit dem Etikett trotzdem weniger anfangen: „Mir ist egal, wie die Journalisten das nennen. Ich steh einfach drauf, dass ich machen kann, was ich will. Selber würde ich meine Küche ‚kabarettistisch‘ nennen. Im Grunde ist es eine Persiflage auf die österreichische Küche.“
Der Humor spielt eine Schlüsselrolle in Leben und Werk des Bernhard Rieder. Das leicht krawallige Schmähführen gehört zu ihm wie die Tätowierungen: „Mit Spaß geht alles besser. Wenn du 17 Stunden am Tag in der Küche stehst, kannst du nicht ständig deine Kollegen anbrüllen.“ Was er manchmal aber trotzdem tun muss, weil das Küchenradio lautstark drauflosdröhnt – mit System of a Down oder, noch lieber, mit The Who (das neue The-Who- Album interessiert Rieder übrigens nur bedingt, nach dem Tod von Keith Moon war für ihn irgendwie der Ofen aus).

Steht Rieder nicht in der Küche, trainiert er. Weil das Österreichische Olympische Komitee sein Angebot, als Koch für die österreichische Mannschaft zu den Spielen nach Peking mitzufahren, aus unerfindlichen Gründen ablehnte, Rieder aber unbedingt nach China will, arbeitet er derzeit am Qualifikationslimit für den olympischen Speerwurfbewerb: „Da hab ich mir die realistischsten Chancen ausgerechnet. Weitspringen kann ich leider nicht so gut.“

Und wer den burgenländischen Kraftlackel und Gourmet-Avantgardisten Rieder kennt, der weiß, dass das zwar lustig klingt, aber vollkommen ernst gemeint ist.

Restaurant Graf Hunyady
Trabrennbahn Krieau, 1020 Wien
Tel.: 01/729 35 72