Black Metal: Rechtsextreme Rockmusik - auch in Österreich

Rockmusik zwischen Provokation und Wiederbetätigung: Eine Recherche im rechtsextremen Flügel der europäischen Black-Metal-Szene offenbart das erschreckende Ausmaß an Gewalt, das viele Bands definiert. Etliche Spuren führen nach Österreich.

Von Christoph Nevic

Samstag, 29. September 2012, abends. In der tschechischen Kleinstadt Zatec sammeln sich Dutzende dunkel gekleidete Menschen vor dem Musikclub Lidovy Dum und warten auf den Beginn des Konzerts. Organisator ist Hendrik Möbus aus Berlin, ein über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Neonazi. Entsprechend homogen präsentiert sich das Line-up des Abends: Alle vier Bands sind dem neonazistischen Flügel des Black Metal zuzuordnen; aus rechtlichen Gründen werden ähnliche Konzerte gern im angrenzenden Ausland, in Tschechien, Ungarn oder den Niederlanden, organisiert. Im Publikum: langhaarige, schwarz gewandete Metal-Fans und glatzköpfige Neonazis in Tarnjacken und Springerstiefeln. Schriftzüge von Bands und Runenzeichen schmücken die Jacken und T-Shirts vieler Konzertbesucher. Einer von ihnen trägt ein Shirt mit dem Aufdruck "Support your local Einsatzkommando“, versehen mit dem Totenkopf der Waffen-SS.

Bandnamen wie "Ziontod“, "Der Stürmer“ oder "Einsatzkommando“ lassen kaum noch Raum für Interpretationen. Und dennoch: Weite Teile der Black-Metal-Szene sehen sich nicht als politisch oder gar rechtsextrem. Dass mittlerweile aber neonazistische Inhalte ein nicht mehr wegzudenkendes Segment dieser extremen Form von Musik ausmachen, ist eine Tatsache - auch in Österreich.

Black Metal (BM) gilt als besonders extremes Subgenre von Metal, das Bands wie "Venom“ oder "Bathory“ in den 1980er-Jahren prägten. Es ist charakterisiert durch schnelle, aggressive Gitarrenriffs, hämmernde Drums und verzerrten, hasserfüllten Gesang. Die Texte handeln von Okkultismus, Gewalt, Satanismus und Misanthropie. In Norwegen, seinem Herkunftsland, wird BM zum nationalen Erbe gezählt, auch die norwegische Diplomaten-Akademie bietet einen Crashkurs über die teuflische Musik. In Oslo werden mittlerweile sogar Touren für jene Touristen angeboten, die sich für die vor allem durch Brandstiftungen an Kirchen bekannt gewordene Szene interessieren.

Ein kleiner Teil des wachsenden BM-Biotops hat sich neonazistischem Gedankengut verschrieben und bildet ein weltweites Netzwerk aus Bands, Plattenlabels, Konzertveranstaltern und Internet-Vertrieben. "Es wäre falsch zu behaupten, dass alle, die Black Metal produzieren und hören oder sich in seinem Umfeld bewegen, rechtsextrem seien“, erklärt ein Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands. "Es gibt aber in dieser Szene auch Musikgruppen, die durchaus mit einschlägigen Aussagen in Erscheinung getreten sind, und Labels, die in ihrem Programm rechtsextreme und neonazistische Bands führen.“

Die im Black Metal verarbeiteten Themen bieten eine Reihe von Anschlusspunkten für Rechtsextreme, etwa die Ablehnung des Christentums. "Ein zentrales Thema im BM ist der christliche Glaube, der oft als Feindbild präsentiert wird. Bei etlichen Bands wird aber das Antichristliche mit antijüdischen oder antisemitischen Komponenten verknüpft“, so der DÖW-Rechtsextremismus-Experte, der ungenannt bleiben will. Dazu kommt das "Germanische“, dessen Mythen, Götter und Schlachten ein wiederkehrendes Thema in Songtexten bilden - eine Thematik, die auch Neonazis anspricht. Nicht zu vernachlässigen ist die Gewalt- und Kriegsverherrlichung in vielen Texten des Black Metal. Symbolisch orientiert sich der rechtsextreme Flügel dieser Musikrichtung überwiegend am Nationalsozialismus, greift auf alles zurück, was ideologisch eindeutig, aber strafrechtlich kaum zu verfolgen ist: Während Hakenkreuze nur selten zu sehen sind, werden Logos, CDs und Jacken großzügig mit Eisernen Kreuzen, Runen, der Schwarzen Sonne und Ähnlichem versehen.

Seinen Ursprung hat der Rechtsextremismus im Black Metal im Norwegen der 1990er-Jahre. Kristian Vikernes, schon damals bekannter Exponent der Szene und einziges Mitglied der Band "Burzum“, trat einer neonazistischen Organisation bei. Als Vikernes nach dem Mord an einem verfeindeten BM-Musiker inhaftiert wurde, avancierte er zum Märtyrer der Szene und prägte die Bezeichnung NSBM, kurz für "National Socialist Black Metal“, zu der sich in der Folge auch international immer mehr Bands bekannten. Noch heute gilt Vikernes als "Pionier der Politisierung des Black Metal“. Etwa zeitgleich standen in Deutschland Hendrik Möbus und die beiden anderen Mitglieder seiner Band "Absurd“ wegen eines Ritualmords vor Gericht. Ihre Verurteilung und die nachträgliche Verhöhnung des Opfers verliehen ihnen Kultstatus, dem Möbus‘ Hinwendung zum Neonazismus keinen Abbruch tat. Aus dem Gefängnis bauten der Deutsche und Vikernes ein loses Netzwerk rechtsextremer Bands auf, das bis heute existiert. Ableger der NSBM-Szene gibt es mittlerweile in vielen Ländern Europas, auch in Russland und in den USA. Einer der bekanntesten Exponenten des neonazistischen Black Metal heißt Giorgos Germenis. Der Grieche ist seit Mai 2012 Parlamentsabgeordneter der rechtsextremen Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte), die bei den Parlamentswahlen im Mai fast sieben Prozent der Wählerstimmen erhielt. Daneben ist Germenis Bassist der BM-Band "Naer Mataron“. Zwar gilt er innerhalb der Partei, nachdem er sich zum Satanismus bekannt hatte, als umstritten, abgesehen davon aber ist er voll auf Parteilinie: Sein Künstlername Kaiadas bezeichnet die Schlucht, in die im antiken Sparta behinderte Kinder oder Verbrecher geworfen worden sein sollen. Nach den pogromartigen Übergriffen auf Migranten im September in Athen nannte er die rassistische Gewalt öffentlich "legitim“.

Organisiert wird die Szene vor allem über das Internet. In einschlägigen Foren, aber auch sozialen Netzwerken wie Facebook oder last.fm werden Tonträger vertrieben, Konzerte beworben oder Diskussionen darüber geführt, ob der "wahre Black Metal“ nationalsozialistisch sein müsse oder nicht.

Zurück in Zatec: "Feuernacht“, die erste Band des Abends, beginnt etwas später als geplant zu spielen. Sie tritt außergewöhnlich politisch auf, verteilt Flugblätter und gibt Coverversionen rechtsextremer Bands sowie islamfeindliche Ansprachen zum Besten. Das Publikum ist begeistert. Ausgelassen werden rassistische und neonazistische Parolen gegrölt. Auf Druck der Polizei interveniert der Veranstalter. Der "Feuernacht“-Gitarrist mahnt die Zuschauer zur Zurückhaltung. Als ein Besucher wegen eines Hitlergrußes von der Polizei abgeführt wird, beendet die Band den Auftritt frühzeitig.

"Feuernacht“ ist eine der wenigen offen neonazistischen Black-Metal-Gruppen aus Österreich. Die Tiroler Band hat bei der einschlägigen deutschen Plattenfirma "OPOS Records“ gerade erst ihr Debüt veröffentlicht. Auf der CD, die den Titel "Kampf macht frei!“ trägt, findet sich neben der Huldigung der "Tiroler Heimatscholle“ und rechter Südtirol-Propaganda die Coverversion eines Songs der rechtsextremen Band "Hassgesang“. In ihrem Blog mahnt die selbst ernannte "Propagandamaschinerie aus der Ostmark“ zur Rückkehr in den Terror: "Nationaler Sozialismus muss gelebt werden!“ Im Gästebuch der Band tummeln sich öffentlich Neonazis. Ein User mit dem Namen "Nervengas88“ schreibt: "Ihr macht echt gute Musik, die eine eindeutige Botschaft rüberbringt.“ Die Zahl 88 steht im Szenejargon für HH - "Heil Hitler“. Eine Benutzerin hat Bilder von sich selbst mit SS-Totenkopf-Abzeichen gepostet, sie verabschiedet sich mit "GruSS“, eine Anspielung auf die Waffen-SS Heinrich Himmlers.

Gegen behördliche Verfolgung weiß sich die hiesige Szene allerdings zu schützen. Verbotene Symbole und offene Bekenntnisse zum Nationalsozialismus sind hierzulande selten. Erkennbar wird der politische Hintergrund oft erst, wenn Liedtexte genauer analysiert, Symboliken auf Merchandise-Materialien, Interview-Aussagen und Szeneverbindungen durchleuchtet werden. Die Band "Woodtemple“ aus Steyr etwa dementierte einen rechtsextremen Hintergrund stets. Veröffentlichungen auf aktenkundigen Plattenlabels wie "No Colours Records“, die Unterstützung der neonazistischen Pagan Front und die Phrase "Sieg Heil!“ als Eröffnung eines Interviews sprechen aber eine andere Sprache. Selbst in der Metal-Szene als rechtsextrem verschrien ist die Wiener Band "Obskene Sonare“ - und dies nicht ganz ohne Grund: 2008, genauer am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers, wurde die CD "Wolfsherz“ veröffentlicht. Neben der Neueinspielung eines Songs der deutschen NSBM-Band "Absurd“ bildet sie eine hölzerne Algiz-Rune ab: Diese galt im Nationalsozialismus als Zeichen des Lebens und dient heute rechtsextremen Gruppierungen wie "Voorpost“ aus Belgien als Symbol der Identifikation. Das Layout des Tonträgers orientiert sich zudem farblich auffällig an der Reichskriegsflagge und zeigt auch das in Deutschland verbotene Keltenkreuz, das als Zeichen der White-Power-Bewegung gelesen wird und in Neonazi-Kreisen die "Vormachtstellung der weißen Rasse“ darstellen soll. Ein Jahr davor, ebenfalls am 20. April, nahmen "Obskene Sonare“ ihre erste EP auf. Zufall - wie auch die Zusammenarbeit mit einschlägig vorbelasteten Labels wie den polizeilich aufgelösten "Racheschwur Records“ oder "Thule Records“?

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Bands, die Nazi-Symbolik nutzen und über plumpe Provokation hinausgehen. Eine davon heißt "Totale Vernichtung“, sie stammt aus Wien. Songtitel wie "Alle Wege führen nach Auschwitz“, "Beseitigung von lebensunwertem Leben“ oder "Massenmord an Untermenschen“ lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Urheber ist der TU-Student M., der alle Instrumente selbst eingespielt hat und unter dem Pseudonym "Der Stacheldrahtzieher“ auftritt. Werbung für das erst unlängst bei einem deutschen Neonazi-Label veröffentlichte Album wird mit dem Spruch "Der Stacheldrahtzieher ist wieder da!“ gemacht. Untermalt wird dies mit einem Bild vom Stacheldrahtzaun eines Konzentrationslagers. Sein Nebenprojekt, genannt "Rostorchester“, betreibt M. mit dem Schweizer Rechtsextremen B., der sich gern mit SS-Mütze ablichten lässt und dessen voriges Album den Titel "Armee der arischen Untoten“ trug.

Zum Verhängnis werden solch eindeutige Anspielungen übrigens kaum jemandem. Das für die Verfolgung rechtsextremer Bekundungen zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) sieht offenbar wenig Handlungsbedarf: NSBM wurde zuletzt 2008 im jährlichen Staatsschutzbericht erwähnt. Genauere Angaben dazu will ein Sprecher der Polizei auf Anfrage "aus grundsätzlichen Erwägungen“ nicht machen.

Wenn einschlägige Bands auftreten wollen, bleibt es daher stets engagierten antifaschistischen Gruppen und Fans vorbehalten, das Problem öffentlich zu machen: Erst auf beträchtlichen Druck durch die KPÖ Oberösterreich wurde einigen rechtsextremen Bands im vergangenen Sommer ein Auftritt beim Castle Invasion Festival im oberösterreichischen Mining behördlich untersagt. Der Wiener Band "Selbstentleibung“ dagegen wurde der Auftritt wegen homophober und menschenverachtender Aussagen ihres Drummers versagt. Marrok, der Gitarrist und Sprecher der Band, hält die Gründe für das Auftrittsverbot für "aus der Luft gegriffenen Bullshit“ und grenzt sich im Interview mit einem Metal-Journal von Rechtsextremen ab. Im Internet tauchte er jedoch wenige Monate davor noch als Konzert-Organisator für die finnische, oft als rechtsextrem bezeichnete Band "Horna“ auf, die ebenfalls mit Auftrittsverboten in Deutschland und Österreich zu kämpfen hatte.

Beliefert werden ultrarechte Musik- und Satanismusfreunde von teils unauffälligen, teils einschlägigen Online-Versandunternehmen. Ein Problem liegt in der Tatsache, dass auch unpolitischen Versandhäusern die Musik rechtsextremer Bands ins Sortiment rutschen kann, wenn diese sich nicht allzu offensichtlich brandmarkt. Zudem sind die ideologischen Grenzen häufig fließend, und oft scheinen auch die Vertriebe absichtlich ungenau zu arbeiten. Dass auf diese Weise rechtsextremes Gedankengut in den kommerziellen Musikmarkt überschwappt, ist deshalb keine Überraschung: Der wohl größte österreichische Anbieter von Black und Death Metal, "Napalm Records“ aus Eisenerz, bietet eine große Auswahl an Produkten der wohl bekanntesten NSBM-Band "Burzum“ an, und im Wiener Geschäft "Totem“, spezialisiert auf extremen Metal bis hin zu Dark Wave, bieten Bands wie "Graveland“, "Satanic Warmaster“ oder "Ad Hominem“, die allgemein dem NSBM zugerechnet werden, eine ganze Reihe von Artikeln an.

Doch auch wer offensichtlich neonazistischen Black Metal sucht, wird schnell fündig: Einschlägige Mailorder-Websites wie "Merchants of Death“ oder "Einsatzkommando Productions“ aus Deutschland bieten alles, wonach das Herz des Metal-Neonazis verlangt. In Österreich liefert vor allem der in Wien ansässige Vertrieb "Talheim Records“ Musik und Zubehör von mehr oder weniger einschlägigen Bands. Zwar gibt sich Betreiber Mathias R. stets unpolitisch, doch Bands wie "Blutschuld“ oder "Ziontod“, für die R. T-Shirts und CDs produzierte, sind zweifellos im rechtsextremen Eck beheimatet.So sieht das auch Leo Furtlehner von der KPÖ Oberösterreich, der Anfang Oktober gegen "Talheim Records“ eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien einbrachte. "Wir sehen im Angebot dieses Unternehmens den Tatbestand des Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz, der antisemitischen Verhetzung sowie der Gewaltverherrlichung“, so der Wortlaut der Anzeige, die profil vorliegt. In der Beilage arbeitet Furtlehner minutiös das Angebot des Vertriebs durch und stößt dabei auf unzählige Bands mit rechtsextremem Hintergrund. So hat R. etwa T-Shirts der bulgarischen NSBM-Band "Aryan Art“ produziert, im Katalog sicher nicht zufällig auf "A. Art“ abgekürzt. Und er hat Tonträger der Band "Nibelheim Moonlight“ produziert, die eine Schwarze Sonne im Logo trägt. In rechtsextremen Kreisen gilt das Symbol als Ersatz für das Hakenkreuz. Die jüngste CD der schon erwähnten "Obskene Sonare“ wurde ebenfalls bei "Talheim“ veröffentlicht.

In Zatec hat inzwischen "Permafrost“, die zweite Band des Abends, ebenfalls behördlich bekannt, ihren Auftritt über die Bühne gebracht. Kurz nach Mitternacht, noch bevor die beiden letzten Bands auftreten konnten, wird das Konzert von einer Spezialeinheit der tschechischen Polizei abgebrochen. Die Uniformierten tragen schwere Schutzbekleidung, während sie in allen Räumlichkeiten des Lidovy Dum die Personalien der Anwesenden kontrollieren. Es gibt zwei weitere Verhaftungen wegen des Tragens verbotener Symbole. Die Konzertbesucher, viele von ihnen eigens aus Deutschland und Österreich angereist, sind frustriert. Veranstalter Möbus macht "gezielte Sabotage durch bezahlte Spitzel und Provokationen“ verantwortlich. Ein User sieht die Sache in einem einschlägigen Forum nüchterner: "Was für Provokationen sind das denn? Du organisierst ein Neonazi-Konzert und wunderst dich, dass da Leute am Abhitlern sind und in T-Shirts mit Hakenkreuzen drauf rumlaufen?“

Satanismus und Tod sind bei den meisten BM-Bands durchwegs Thema, die wenigsten aber verbinden dies mit der Verherrlichung des "Dritten Reichs“ oder des Holocaust. Das Gros der Szene sieht sich selbst und seine Musik als unpolitisch, so auch Peter K., Gitarrist bei "Abigor“, einer der ältesten österreichischen BM-Gruppen: "Das gesamte Konzept basiert auf gelebtem Okkultismus und satanischem Gedankengut, ausgedrückt durch extreme Musik. Black Metal ist in dieser Hinsicht der musikalische Aspekt unserer Religion und hat nichts Politisches an sich. Das ist extreme Kunst, welche man als Gesamtkonzept und Gesamtwerk betrachten muss, sozial und politisch unbeeinflusst.“

Sind also die Hitlergrüße beim "Feuernacht“-Konzert in Zatec völlig unpolitisch? Die ideologische Relevanz des NSBM zeigt die Tatsache, dass sich in jüngster Zeit zumindest in Deutschland die Zusammenarbeit von Exponenten der NSBM-Szene mit organisierten Rechtsextremen wie der NPD intensivierte. Richard L., Sänger der Wiener Band "Summoning“, ist Wegbereiter des Black Metal in Österreich und einer der wenigen erklärten Nazi-Gegner in der Szene. "Ich bin der Meinung, dass die hohe Anziehungskraft in dieser Szene sehr oft mit einem vermeintlichen Rebellentum zu tun hat. Viele der Werte, die heute vermittelt werden, klingen heuchlerisch und unauthentisch. Man ist offiziell gegen Rassismus, erlässt aber immer mehr diskriminierende Gesetze gegen Ausländer; und man redet von Frieden, während gleichzeitig Milliarden für die Aufrüstung verpulvert werden und ständig Kriegshetze zu hören ist.“ Trotzdem hält L. es für "total problematisch, wenn sich viele Bands beim Thema NSBM neutral geben“. Wenn man sich in einer derart vorbelasteten Szene befinde, sei Neutralität "fast schon so etwas wie Zustimmung“.

Diese Einschätzung wird im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands geteilt. "Das Problem liegt im Wesentlichen bei den Bands und Fans, die sich großteils als unpolitisch sehen“, sagt ein Mitarbeiter. "Die BM-Szene müsste in die Pflicht genommen werden, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Zum Beispiel sollten von jenen Bands, die nicht zum rechtsextremen oder neonazistischen Spektrum dieser Szene gehören oder mit ihm sympathisieren, öfters Statements kommen, in denen man klipp und klar zu verstehen gibt, dass man mit diesen Strömungen nichts zu tun haben will, dass man mit Bands, die sich in diesem Bereich bewegen, nicht gemeinsam auftreten möchte. Damit könnte ein belebendes Element in die Szene gebracht werden.“

Doch davon ist die BM-Community noch weit entfernt. Dies zeigt nicht zuletzt das florierende Geschäft der einschlägigen Produzenten. Auch das Wiener Unternehmen "Talheim Records“ scheint nicht vorzuhaben, sein Angebot zu überdenken; es ließ auf Facebook verlauten: "Von solchen aus der Luft gegriffenen und völlig unberechtigten Vorwürfen lassen wir uns sicher nicht unterkriegen!“