<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Blackberry-Dilemma

Warum sich die legendäre Marke neu erfinden muss.

Blackberry ist out. Zu Unrecht, wie ich finde. Der Blackberry Bold zählt immer noch zu den besten, ausgereiftesten, erwachsensten Business-Smartphones auf dem Markt. Die Anwender schwören auf das Gerät – nicht nur wegen der Tastatur. Trotzdem geht es mit Blackberry seit Jahren bergab. Laut den Marktforschern von IDC ist der Marktanteil von 6,4 Prozent im Jahr 2012 auf knapp drei Prozent abgerutscht – und Blackberry damit auf den vierten Platz der Smartphone-Betriebssysteme. Die Probleme des kanadischen Herstellers sind ein Lehrstück der Innovationsgeschichte. Vor allem natürlich die Touchscreen-Frage: Blackberry ist bisher einfach keine überzeugende Lösung eingefallen, um die Vorteile von Tastatur und Touchscreen miteinander zu kombinieren. Mal versuchte man es mit reinen Touchscreen-Geräten, dann wieder mit eher unglücklichen Hybrid-Modellen. Das jüngste Beispiel ist der aktuelle Blackberry Q10. Technisch ist das ­Gerät toll. So beherrscht die Tastatur alle möglichen Tricks, wie etwa Kurzbefehle, um Aktionen auf dem Display zu steuern. Aber ein 3,1-Zoll-Display ist für heutige Verhältnisse einfach zu winzig, auch wenn der „BB“ sich noch so flüssig bedienen lässt. Blackberry steckt in einem fast unlösbaren Dilemma: Einerseits schätzen die Business-Anwender eine leistungsfähige Tastatur, andererseits wollen sie mit ihren Smartphones genauso herumspielen können wie iPhone- oder Android-Nutzer.

Das nächste Blackberry-Problem ist sicher das hauseigene ­Betriebssystem. Das funktioniert zwar mittlerweile relativ klaglos, aber als Blackberry-Nutzer bewegt man sich eben zwischen den Welten von iOS und Android. Bei den Apps macht sich das besonders schmerzhaft bemerkbar. Das ­dritte Problem lässt sich vielleicht am schwierigsten greifen. Es hat mit dem Image der Marke zu tun. Blackberry ist uncool ­geworden. Bei typischen Blackberry-Nutzern denkt man eben immer noch an glatte Business-Typen, die permanent an der E-Mail-Nadel hängen. Wenn sich die Marke nicht bald neu erfindet, dann ist es gut möglich, dass Blackberry in den nächsten Jahren vom Markt verschwindet. Mein ­eigener „BB“ wird hoffentlich noch eine Zeitlang halten.

thomas.vasek@profil.at