Bundesländermatch Salzburg vs. Kärnten:
Männerchöre, Fußball und Verschuldung

Jede Menge Wald, Berge und Seen, dazu annähernd gleich groß, jeweils rund eine halbe Million Einwohner und Wahlen am Sonntag – damit enden die Gemeinsamkeiten von Kärnten und Salzburg auch schon. Kärnten und Salzburg haben wenig gemeinsam

Salzburg wächst, in Kärnten bleiben die Kinder aus. Im Erzbistum floriert die Wirtschaft, auch in der Krise. Im Süden hat vor allem das AMS alle Hände voll zu tun. In der Schnitzelproduktion jedoch sind die Kärntner klare Sieger: 142.224 Schweine erfasste die jüngste Zählung. In Salzburg waren es nur 8960.

Auch die Landeshauptleute verbindet lediglich ihr Amt – Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ), resch und leutselig, genießt in ihrer Freizeit gern „Fisch in allen Variationen“, liebt den Film „Casablanca“ und Musik von den „Lungauer Querschlägern“. Ihr Kärntner Pendant Gerhard Dörfler (BZÖ), einst Juniorenmeister im Crosslauf, fiel in jüngerer Vergangenheit vor allem durch seinen Fettnäpfchenmarathon (profil 5/09) sowie eigenwillige Hobbys auf: Liebste Freizeitbeschäftigung Dörflers ist Holzfällen.

Stimmen die Umfragen , wird Burgstaller wohl auch nach dem ersten März im Chiemseehof residieren (siehe Grafik). In Kärnten sind die Ergebnisse nicht so eindeutig: Manche sehen das BZÖ nicht klar vorn, etwa Meinungsforscher Peter Hajek in der „Kleinen Zeitung“.

BZÖ-Wahlkampfleiter Stefan Petzner wollte das nicht glauben: Die Umfrage sei wohl von der SPÖ mitfinanziert worden, wetterte er. Falsch, konterte die Zeitung. Petzner ließ nicht locker: Dann sei die Umfrage eben von der SPÖ gekauft, und Hajek habe sie nur leicht modifiziert an die „Kleine“ weitergegeben – ohne dass die Zeitung dies gewusst habe.
Nun klagte Hajek.

Präsidentin Helga Rabl-Stadler hob vor Freude fast ab, als sie im vergangenen Spätsommer Resümee zog: 25 Millionen Euro in 37 Tagen, die Auslastung der Salzburger Festspiele war bei 93 Prozent gelegen, mehr als eine Viertelmillion Zuseher hatten im August 2008 artig Oper und Konzert gelauscht, Programmhefte gekauft und Sekt geschlürft. In Kärnten, wo das Kulturleben bisweilen etwas bodenständiger verläuft, waren im gesamten Bundesland etwa 86.000 Menschen ins Theater und zu Festivals gepilgert – nicht binnen eines Monats, sondern im ganzen Jahr 2007.

Faschingsumzüge sind darin allerdings nicht enthalten, sonst wäre die Bilanz wohl anders ausgefallen: In Kärnten frönen 26 registrierte Gilden dem Narrentum, in Salzburg lediglich fünf. Salzburg hat österreichweit die höchste Dichte an Blaskapellen: 151 Vereine lassen zwischen St. Georgen im Flachgau und Thomatal im Dreiländereck ihr Blech schmettern – mehr als Salzburg Gemeinden hat. Im südlichen Nachbarland sind nur 130 Kapellen registriert. Musikalisches Brachland ist Kärnten aber nicht: Fast 200 Männerchöre zählt die Statistik, in Salzburg sind es bescheidene 31.

Austria Kärnten, Spittal, St. Veit und Austria Klagenfurt: Bereits vier Kärntner Vereine versuchten sich in der Fußball-Bundesliga. In Salzburg schafften bisher nur zwei Klubs den Sprung in die oberste Spielklasse. Jeweils erzielte Tore seit Bestehen der Liga: 1488 zu 553 – für Salzburg. Die Kärntner mögen es glatter: Im Eis­hockey wanderte der Titel 28-mal in den Süden. Die vergangenen beiden Saisonen gewannen allerdings – richtig – die Bullen aus Salzburg.

In Zukunft könnten Kärntens Chancen auf sportliche Höchstleistungen wieder wachsen: Während die Kärntner im vergangenen Jahrzehnt dünner wurden, ließen sich die Salzburger gehen – heute ist fast jeder Zehnte fettleibig.

M. L.