Bundespräsident: Lächeln für Jörg

Benita Ferrero-Waldner buhlt um die Unterstützung der FPÖ bei der Präsidentenwahl. Die Freiheitlichen sind nicht abgeneigt.

Die Sitten sind rau im Bärental. Wer sich mit Jörg Haider auf der Klagenfurter Hütte zum Frühstück trifft, darf weder Croissants, Konfitüre oder Melange noch ein perfektes Drei-Minuten-Ei erwarten. Bei Haiders wird herzhafter getafelt, und zum Runterspülen gibt es Hochprozentiges.

Benita Ferrero-Waldner musste diese Erfahrung vor ziemlich genau einem Monat machen. Am 29. August traf sie sich mit dem Kärntner Landeshauptmann in dessen Waldheimat. Ein Foto zeigt das seltsame Paar – er in der Trachtenjoppe, sie im Pastellkostüm – beim lustigen Schnapsfrühstück. „Recht nett“ sei es mit der Außenministerin gewesen, erzählte Jörg Haider der „Kleinen Zeitung“.

Ferreros legendärer Charme dürfte dem Landeshauptmann ordentlich eingefahren sein. Auf die Frage, ob er sich die Besucherin als Bundespräsidentin vorstellen könne, antwortete Haider: „Ich bin auf jeden Fall dafür, dass es eine Dame wird. Und Ferrero-Waldner wäre sicher eine sehr respektable Persönlichkeit in dem Amt.“

Das Treffen war von der Außenministerin initiiert worden. Als Gast einer Charity-Gala des Kärntner Hilfswerks war sie ohnehin schon im Land. Da habe sie den Wunsch geäußert, sich das Bärental anzuschauen, heißt es im Klagenfurter Landhaus. „Man könnte auch sagen, sie hat sich selber eingeladen“, erläutert ein Freiheitlicher respektlos.

Der Grund für die Kontaktaufnahme liegt auf der Hand: Wenn Ferrero-Waldner – wie allgemein erwartet – von der ÖVP als Bundespräsidentschaftskandidatin in den Wahlkampf geschickt wird, braucht sie die Unterstützung der Blauen. Es kann also nicht schaden, schon im Vorfeld für gute Stimmung zu sorgen.

Die FP-Wähler haben bei Präsidentenwahlen – zumindest in der Stichwahl – bisher stets für den VP-Kandidaten votiert, analysiert der Meinungsforscher Günther Ogris vom SORA-Institut. „Wenn Ferrero eine Chance haben will, muss sie um die Freiheitlichen buhlen.“

Drei-Wetter-Taft. Die Blauen sind gegen die Avancen keineswegs immun. Anders als der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll taugte Ferrero nie als Feindbild der Freiheitlichen. Obwohl sie des Öfteren von Jörg Haider attackiert worden ist, verzichtete sie – ganz Dame – auf scharfe Konter. Und sie selbst dürfte nicht nachtragend sein: Dass Jörg Haider erst vor kurzem Ferreros „Drei-Wetter-Taft-Außenpolitik“ kritisiert hat, vermochte das Frühstücksidyll im Bärental nicht zu trüben.

Im Moment ist die FPÖ allerdings noch weit davon entfernt, offiziell die Kandidatur Ferreros zu unterstützen. Der Kärntner FP-Obmann Martin Strutz warnte davor, das Treffen überzubewerten: „Ich hoffe, dass im Hinblick auf die Bundespräsidentenwahl auch kein Miss-brauch mit dieser Zusammenkunft getrieben wird.“ Noch will man sich in der FPÖ die Option offen halten, selbst einen Bewerber zu nominieren. „Wir werden uns erst entscheiden, wenn die Kandidaten von ÖVP und SPÖ feststehen“, beharrt FP-Generalsekretärin Magda Bleckmann. Eine Unterstützung von Ferrero schließt sie allerdings nicht aus. „Jetzt schauen wir uns einmal an, welche Positionen sie bei den Verhandlungen über die neue EU-Verfassung einnimmt.“

Auch bei den FP-Wählern müsste Ferrero noch etwas Terrain gutmachen. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hat vor kurzem untersucht, welchen Präsidentschaftskandidaten die FP-Sympathisanten am ehesten wählen würden – Ferrero-Waldner oder den wahrscheinlich für die SPÖ startenden Heinz Fischer. Das Ergebnis: 39 Prozent sprachen sich für Fischer aus, nur 34 Prozent für Ferrero. Mehr als ein Viertel, nämlich 27 Prozent, machte keine Angabe und könnte mit einer Charmeoffensive vielleicht noch überzeugt werden.

David Pfarrhofer vom Linzer Meinungsforschungsinstitut market glaubt ohnedies, dass man mit solchen Umfragen noch zuwarten solle. „Für die Sonntagsfrage ist es eindeutig zu früh.“ Außerdem deklarieren sich FP-Sympathisanten derzeit eher ungern. Bei einem Sample von 400 Befragten gebe es oft nur 20 bis 25 ausgewiesene FP-Anhänger.

Obwohl die Präsidentenwahl erst in einem halben Jahr stattfindet und noch nicht einmal geklärt ist, ob Ferrero-Waldner überhaupt antreten wird, scheint sie sich bereits in Wahlkampflaune zu befinden. Seit Wochen tourt sie emsig durch Österreich und absolvierte zahlreiche Termine, die nicht unbedingt zum Aufgabengebiet einer Außenministerin zählen – wie etwa der Landtagswahlkampf im Mühlviertel.

Und als Ferrero vergangene Woche bei der UNO-Generalversammlung in New York weilte, fiel Beobachtern auf, dass sie auf Schritt und Tritt von einem kleinen Filmteam begleitet wurde. Dieses drehe an einem Dokumentarfilm über die Ministerin, wurde verlautbart – für einen, wie es hieß, „unabhängigen Produzenten“.

Gut möglich, dass die Aufnahmen schon bald in Österreich gezeigt werden – als Wahlkampf-Video.