Bushido: „Du musst nicht bei der Mafia sein, um Gangsta-Rap zu machen”

Bushido: „Du musst nicht bei der Mafia sein, um Gangsta-Rap zu machen”

Aus dem Archiv: Wie der junge Bushido profil vor sieben Jahren sein Geschäftsmodell erklärte.

Der Berliner Rapper und Bambipreisträger Bushido regt mal wieder auf: In seiner neuen Single „Stress ohne Grund“ pöbelt er gegen deutsche TV- und Politprominenz und bemüht dabei schlechte Reime, blöde Vergleiche und gefährliche Drohungen. Das gehört natürlich zu seinem Geschäftsmodell. Dieses nannte sich früher mal Gangsta-Rap, basiert auf Provokation sowie stetem Flirt mit Gewalt und Verbrechen und sorgt für wohlige Aufregung im Kinderzimmer. Mit dem Konzept ist Bushido bestens vertraut. Schon vor sieben Jahren, im September 2006, erklärte der damals 28-Jährige profil seine Vorstellung von Gewalt und guter Laune. Kleiner Blick ins Archiv:

profil: Kürzlich jährte sich der Todestag von Tupac, dem großen Vorsitzenden aller Gangsta-Rapper, zum zehnten Mal. Haben Sie eine Kerze angezündet?
Bushido: Auch wenn ich mit dieser Aussage 90 Prozent meiner Fans verstören werde: Ich fand Tupac schon immer Scheiße. Ich habe damit nichts am Hut.

profil:
Aber die Verbrecher-Attitüde ist doch eine ähnliche.
Bushido: Ich sage jedenfalls nicht „Fuck the Police“ oder „Fick den Index“. Natürlich habe ich meine Probleme mit der einen oder anderen Organisation. Aber die machen auch nur ihre Arbeit. Ich finde es gut, dass es sie gibt. Das sind Säulen unserer Gesellschaft.

profil: Ihr öffentliches Image widerspricht dem aber doch recht deutlich. Alles nur Show?
Bushido: Es kommt drauf an, wie man Authentizität definiert. Klar war ich kriminell, klar hab ich auch Anzeigen bekommen. Aber du musst nicht bei der Mafia sein, um Gangsta-Rap machen zu können. Im Grunde ist Gangsta-Rap schon als Begriff eine Fiktion: Bist du ein Gangster? Bist du ein Rapper? Oder was eigentlich? Tupac wusste sicher genauso wie ich, was gut und böse ist. Das hinderte ihn nicht daran, seine Attitüde an den Tag zu legen. Ich kann rebellisch auftreten aber trotzdem cool mit der Polizei sein. Du hast eben eine Verantwortung. Ich find’s zum Beispiel nicht cool, dass unser Regierungschef eine Frau ist, aber sie ist gewählt, und jetzt müssen wir eben damit leben. Es gibt Situationen, in denen man etwas ändern kann: Wenn Wahlen sind, kannst du wählen gehen. Ich muss jedenfalls nicht drei Kilo Koks in meinem Wohnzimmer liegen haben, um authentisch zu sein.

profil: Sprich: Die Hörer dürfen selbst entscheiden, wie ernst sie die Dinge nehmen, die sie hören.
Bushido: Das wäre mein Wunschtraum.

profil: Und wie ernst nehmen Sie es selber?
Bushido: Um das zu beantworten, gibt es zwei Methoden. Ich kann beim Image bleiben und auf beleidigt machen, weil du mir eine solche Frage stellst. Oder ich kann ein bisschen ehrlicher sein, was für das Image vielleicht weniger förderlich ist. Wenn ich im Studio sitze und Zeilen wie „Mit eiserner Faust / Teil ich jetzt aus“ erfinde, grinse ich. Aber es gibt eben Leute, die nehmen das todernst.

profil: Bushido als Geschichtenerzähler?
Bushido: Ich erzähle nicht nur eine Geschichte, ich nehme sie auch ein bisschen auf die Schippe. Entgegen diverser Gerüchte gibt es bei meinen Konzerten keine Massenschlägereien. Eigentlich geht es dort sehr witzig zu. Das ist fast eine Comedian-Show, in der es auch Musik gibt, die vielleicht nicht ganz so lustig ist. Ich muss nicht in jedem meiner Songs sagen: Hey, geht mal zur Schule.

profil: Dafür gibt es auch Eltern.
Bushido: Dafür gibt’s erstens die Eltern, und zweitens gehe ich sehr wohl mit offenen Augen durchs Leben und sage, wenn ich etwas nicht cool finde. Aber ich mache nicht Musik, um die Welt zu retten. Es würde mich nichts kosten, mal in einem Song zum Schulbesuch aufzufordern. Es würde mir persönlich aber auch nichts bringen. Deswegen mache ich es auch nicht.

profil: Voriges Jahr (im August 2005, Anm.) wurden Sie in Linz nach einer Schlägerei verhaftet und angeklagt. Was waren die Konsequenzen?
Bushido: Die aktuelle Tour findet in Österreich nicht statt. Pech für Österreich. In Deutschland gibt’s ähnliche Probleme. Andererseits bin ich ständig im Fernsehen, bin auf dem „Bravo“-Cover. Und dann kommt jemand von Mediamarkt und will meine CDs nicht mehr öffentlich anbieten. Die Scheiß-„Bravo“ hat eine Zielgruppe von acht bis 16! Die haben auch kein Problem damit, mich zu promoten.

Interview: Sebastian Hofer
(September 2006)