Bushs Team: Innere Stimmen

George Bush wird sein Kabinett nur langsam und von innen erneuern. Condoleezza Rice könnte Donald Rumsfeld ablösen.

Das Schicksal von Richard Nixons Ministern und Beratern blieb George W. Bushs Kabinett erspart: Präsident Nixon hatte am Tag nach seiner Wiederwahl 1972 sein gesamtes Team entlassen, um einen symbolischen Neustart hinzulegen. Bush hingegen setzt auf Kontinuität und wird sein Kabinett in den nächsten Monaten nur langsam umbauen. Die Erneuerung soll dabei großteils von innen kommen – auf Stimmen von außen legt Bush bekanntlich wenig Wert. So gelten die Chancen, dass New Yorks beliebter und moderater Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani, wie von vielen erhofft, in Bushs Team eintritt, als gering.

Schenkt man den Gerüchten in Washington Glauben, wird wohl Justizminister John Ashcroft, Urheber des umstrittenen „Patriot Act“ und Galionsfigur der religiösen Rechten, als Erster den Hut nehmen. Auch Heimatschutzminister Tom Ridge soll bald gehen. An beiden hat das Amt in den letzten Jahren sichtlich gezehrt. Als Nachfolger sind Bushs Wahlkampf-Manager Marc Racicot und Ashcrofts konservativer ehemaliger Stellvertreter Larry Thompson im Gespräch. Thompson wäre der erste schwarze Justizminister der USA, allerdings hat er erst vor etwas mehr als einem Jahr einen Posten im Board des PepsiCo-Konzerns angetreten.

Die Beziehung zwischen Bush und Außenminister Colin Powell hat sich zuletzt wieder merklich entspannt. Powell wird voraussichtlich noch einige Monate im Amt bleiben, bevor er Präsident der Weltbank werden soll. Als Favorit für seine Nachfolge gilt John Danforth, US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, dem Bush schon 2000 die Vizepräsidentschaft angeboten hatte. Danforth ist geweihter Priester der anglikanischen Kirche und las im Juni beim Begräbnis von Ex-Präsident Ronald Reagan die Messe. Er ist für sein Beharren auf einer strikten Trennung von Politik und Religion bekannt und genießt auch bei Demokraten und Europäern hohes Ansehen.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der wegen des Folterskandals im irakischen Abu-Ghraib-Gefängnis im Frühjahr schwer unter Beschuss gekommen ist, soll noch ein bis zwei Jahre Zeit bekommen, seine Reform der Streitkräfte zu vollenden. Dann soll der heute 72-Jährige einer neuen Generation Platz machen. Heißeste Anwärterin auf seinen Posten ist Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Sie wäre die erste Pentagon-Chefin – wenn sie es nicht vorzieht, an die Stanford-Universität zurückzukehren.

Den durch den Abgang von Rice dann freien Posten des Sicherheitsberaters soll ihr Stellvertreter Stephen Hadley übernehmen. Auch Rumsfelds Stellvertreter Paul Wolfowitz, einer der Architekten des Irak-Kriegs, ist für die Stelle im Gespräch. Hadley und Wolfowitz sind Neokonservative aus dem Umfeld von Vizepräsident Dick Cheney, der wie schon in den vergangenen vier Jahren der starke Mann in Fragen der nationalen Sicherheit bleiben wird.

Auch in der Wirtschaftspolitik steht Anfang 2006 eine wichtige Neubesetzung an: Der dann 80-jährige Notenbankpräsident Alan Greenspan wird in Pension gehen. Ihm könnte Harvard-Ökonom Martin Feldstein folgen, der Ronald Reagans Chefwirtschaftsberater war.