BZÖ: „Beeindruckendes Wirtschaftsprogramm“

BZÖ-Quereinsteiger und Ex-Billa-Chef Veit Schalle über die NS-Wirtschaftspolitik und die „Privilegien“ der Kärntner Slowenen.

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profil: Im Jahr 2000 haben Sie das Angebot von Jörg Haider, Finanzminister zu werden, abgelehnt. Jetzt kandidieren Sie für das brustschwache BZÖ. Warum tun Sie sich das eigentlich an?
Schalle: Damals habe ich noch einen Fulltime-Job gehabt und war noch nicht reif für die Politik. Jörg Haider hat in den letzten 20 Jahren sehr viel für Österreich bewegt. Das möchte ich unterstützen.
profil: BZÖ-Chef Westenthaler will 30 Prozent der hier lebenden Ausländer heimschicken. In Ihrem früheren Konzern hätten Sie mit dieser Politik mit einem Schlag viele Mitarbeiter verloren.
Schalle: Herr Westenthaler will ja nur die kriminellen Ausländer loswerden. Im Billa-Konzern beschäftigen wir 4000 bis 5000 legale und fleißige Ausländer.
profil: Weil Sie so wenig Lohn bezahlten?
Schalle: Nein, die verdienen gar nicht so schlecht. Wenn die Konjunktur anzieht, sind Österreicher kaum zu kriegen.
profil: Was halten Sie vom Wirtschaftskurs der Regierung?
Schalle: Finanzminister Grasser müsste mehr auf die kleinen Leute und den Mittelstand schauen. Das BZÖ ist die Garantie dafür, dass mehr für die kleinen Leute getan wird, was wir jetzt beim Schulstartgeld bewiesen haben.
profil: Wie stehen Sie zur FPÖ?
Schalle: Da geht’s mir so, wie wenn man mit einem Ehepaar befreundet ist, und die lassen sich dann scheiden. Das ist unangenehm. Aber irgendwann wird es sicher wieder eine gemeinsame dritte Kraft in Österreich geben.
profil: Haider will von der FPÖ nichts wissen, weil dort die „ewiggestrigen“ Deutschnationalen sitzen.
Schalle: Das wird überbewertet.
profil: Aber Sie haben Andreas Mölzers Blatt „Zur Zeit“ immer mit Inseraten unterstützt, auch gegen die Kritik des deutschen Mutterkonzerns.
Schalle: Wenn man ein paar Inserate schaltet, heißt das ja nicht, dass man den Inhalt von Artikeln gutheißt. Da geht es auch um Pressefreiheit.
profil: Sie haben die Kärntner Slowenen zu Ausländern gestempelt, als Sie sagten, sie hätten nur ein Gastrecht.
Schalle: Das habe ich etwas unglücklich formuliert. Aber ich komme aus dem zweisprachigen Gebiet. Die Slowenen hatten als Minderheit immer mehr Vorteile als die große Masse. Daher hat niemand verstanden, dass sie permanent schreien.
profil: Sie trugen bei der Geburt auch einen slowenischen Namen, Slugovc.
Schalle: Ich habe keinen slowenischen Namen. Weil bei uns die Pfarrer alle Slowenen sind, wurde bei mir im Taufschein der Name slowenisch eingetragen statt Slugoutz. Mein Großvater ist aus dem Norden Deutschlands gekommen.
profil: Jörg Haider will Kärnten einsprachig machen. Was ist eigentlich so schlimm an zweisprachigen Ortstafeln?
Schalle: Das hängt mit dem Abwehrkampf zusammen. Wenn es damals zweisprachige Ortstafeln gegeben hätte, wäre Kärnten heute nicht mehr bei Österreich.
profil: Aber nach dem Staatsvertrag 1955 hätte man sie doch irgendwann einmal aufstellen können.
Schalle: Kreisky hat das vielleicht um 20 Jahre zu früh versucht. 20 Jahre später wäre es kein Problem gewesen.
profil: Was halten Sie von Haiders Aussprüchen über die ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich?
Schalle: Ich denke, dass man da nicht alle in einen Topf schmeißen darf. Beeindruckend fand ich schon, was die damals für ein Wirtschaftsprogramm aufgestellt haben. Aber mit Zwang geht’s wahrscheinlich nicht. Das kann kein Vorbild sein.
profil: Haider war gegen den EU-Beitritt. Sie auch?
Schalle: Ich habe mit Ja gestimmt. Beim Beitrittsvertrag hätte die Regierung aber für Österreich besser verhandeln müssen. Schlimm ist, dass wir gar nicht alle Förderungen, die Österreich zustehen, auch abholen. Aber es ist wirtschaftlich und politisch wichtig, in der EU zu sein. Und gerade Österreich hat von der Grenzöffnung enorm profitiert.

Interview: Otmar Lahodynsky