<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Applesoft

Warum nicht Microsoft bedroht ist, sondern Apple.

Der Rückzug von Microsoft-Boss Steve Ballmer bedeutet das Ende einer Ära. In einem Memo an seine Mitarbeiter schrieb Ballmer zwar, Microsoft habe seine „besten Tage noch vor sich“. Die meisten Experten glauben allerdings, dass es in Wahrheit genau andersherum ist: Die besten Tage von Microsoft sind vorbei. Die PC-Ära, die den Softwarekonzern großgemacht hat, neigt sich dem Ende zu. Bei mobilen Technologien hinkt der Konzern immer noch hinterher. Dabei hat Microsoft unter Ballmer keineswegs alles falsch gemacht. Von Office 365 über Windows 7 und Windows Phone bis zur XBox-Spielkonsole: Der Konzern kann durchaus solide und auch recht erfolgreiche Produkte vorweisen. Allerdings hat keines dieser Produkte die Kunden wirklich umgeworfen. Der bescheidene Marktanteil bei den Mobilbetriebssystemen von 3,3 Prozent von Windows Phone spricht für sich. Für ­einen Abgesang auf den Software-Riesen ist es allerdings noch zu früh. Microsoft hat mit Windows und Office nach wie vor eine starke Basis bei Unternehmenskunden. Der Ökonom und „New York Times“-Kolumnist Paul Krugman meinte neulich sogar, dass Apple womöglich einer schwierigeren Zukunft entgegensehe als Microsoft.

Während Apple von den launischen Endkunden abhängig sei, könne sich Microsoft weiterhin auf die konservativen IT-Manager verlassen, die nur ungern auf andere Software-Plattformen umstiegen. Krugmans Analyse hat einiges für sich. Gerade Microsofts Schwäche bei schnelllebigen Consumer-Gadgets könnte sich paradoxerweise als Vorteil erweisen. Gestützt auf seine Dominanz bei Unternehmenskunden könnte Microsoft einen radikalen Neustart wagen. Apple hingegen ist zu ständiger Innovation verdammt – und damit abhängig vom Kundengeschmack. Wenn Apple-Produkte einmal uncool werden, dann hilft es auch nicht mehr, dass sie qualitativ immer noch ein wenig besser sind als die Konkurrenz. Der wahre „Patient“ der IT-Branche heißt nicht Microsoft, sondern ­Apple. Wie denken Sie darüber?

thomas.vasek@profil.at