<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Das nächste große Ding


Warum wir wieder mehr Innovation brauchen.

Es gibt zu wenig Innovation, klagte kürzlich der „Economist“. Das Thema brachte es sogar auf die Titelseite. Das Cover zeigt einen Denker, der auf dem Klo sitzt. Tatsächlich war das Wasserklosett eine Erfindung, die einst die Welt verändert hat. Über die Illustration mag man streiten. In der Sache hat das britische Wirtschaftsmagazin wie zumeist Recht. Es gibt keine bahnbrechenden Innovationen mehr, die unser Leben völlig umkrempeln – und die Wirtschaft wieder vorantreiben. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Tagtäglich ver­künden die Tech-Hersteller, sie hätten irgendetwas Revolutionäres ent­wickelt oder gar schon auf den Markt gebracht. Und tatsächlich werden die Produkte immer besser und leistungsfähiger. Doch was fehlt, das sind radikal neue Ideen. Das beste Beispiel sind Smartphones. Da hat sich seit dem iPhone nichts ­Wesentliches mehr getan. Mal werden die Displays größer, mal werden sie kleiner. Gelegentlich gibt es ein paar neue Funktionen, aber das ist es dann auch schon. Das ist alles mittlerweile ziemlich langweilig.

Die Modelle der einzelnen Hersteller lassen sich heute kaum noch auseinanderhalten. In gewisser Weise war das iPad die letzte größere Innovation – und die war auch nicht ganz neu. Liebe Hersteller, lasst euch also mal etwas einfallen, das wirklich unser Leben verändert, statt bloß eure Gadgets immer weiter zu verbessern. Der Apple-Fernseher oder die Apple-Uhr wird das auch nicht sein. Google Glass, die Datenbrille mit Internetverbindung, vermutlich schon eher. Vielleicht sind die Potenziale digitaler Gadgets aber ausgereizt. Die nächste große Innovation kommt womöglich wieder aus der analogen Welt, getrieben von einem elementaren, bisher ­unbefriedigten Bedürfnis. Das WC der Zukunft braucht nicht unbedingt einen Internetanschluss.

thomas.vasek@profil.at