<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Das Ende der SMS

Wie Web-Dienste die gute alte Kurznachricht killen

Die SMS ist gerade 20 Jahre alt geworden. Eigentlich erstaunlich für einen Kurznachrichtendienst, der an Schlichtheit kaum zu überbieten ist: 160 Zeichen – und sonst nichts. Rund sieben Milliarden SMS haben die Österreicher 2011 verschickt. Noch immer kann sich die SMS einigermaßen gegen die wachsende Konkurrenz mobiler Messaging-Services behaupten. Das wird sich jedoch mit zunehmender Verbreitung der Smartphones ändern. Dank Flatrate lassen sich Nachrichten beliebiger Länge, samt Fotos und Video, kostenlos verschicken. Vor allem für die Jüngeren hat die gute alte SMS heute längst ausgedient: Wenn es schnell gehen muss, kommuniziert man mit internetbasierten Diensten. Der erfolgreichste darunter ist „WhatsApp“. Mit dem plattformübergreifenden Service, der auf allen Smartphones läuft, werden täglich über eine Milliarde Nachrichten weltweit verschickt, behauptet das Unternehmen – und das war der Stand vor über einem Jahr. Selbst Berichte über Datenschutzprobleme halten offenbar niemanden davon ab, WhatsApp zu nutzen. Nun hat angeblich Facebook Interesse an WhatsApp angemeldet, berichtet der Fachblog „Techcrunch“. Die Integration von WhatsApp in Facebook könnte die SMS endgültig killen – und zugleich Facebook helfen, den mobilen Markt weiter zu erobern.

Die strategische Absicht dahinter ist jedenfalls klar: Facebook hat Probleme, mit Werbung Geld zu verdienen. Als kostenpflichtige App könnte WhatsApp zum einen für zusätzliche Einnahmen sorgen – und zugleich mobile Nutzer stärker an Facebook binden. Für die traditionelle SMS bleibt da mittelfristig wenig Raum. Zwar gibt es weltweit noch immer sechs Milliarden Mobiltelefone, die Kurznachrichten versenden können – und nur eine Milliarde Smartphones. Aber zumindest in den Industrieländern hat die SMS keine Zukunft mehr :-((

thomas.vasek@profil.at